Citation
Bhavisatta Kaha von Dhanavala

Material Information

Title:
Bhavisatta Kaha von Dhanavala
Alternate Title:
eine Jaina legende in Apabhramsa
Alternate Title:
Bhavisattakahā von Dhanavala
Alternate Title:
Bhavisattakahā von Dhanapāla
Alternate Title:
Bhavisatta Kaha von Dhanavāla
Creator:
Dhanapala, son of Mayesvara
Jacobi, Hermann, 1850-1937
Place of Publication:
Munchen
Publisher:
Verlag de Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Publication Date:
Language:
German
Physical Description:
1 volume

Subjects

Subjects / Keywords:
Jains ( lcsh )
Jainism ( lcsh )
Jainismus
Temporal Coverage:
- 1918

Notes

General Note:
VIAF (name authority) : Jacobi, Hermann, 1850-1937 : URI http://viaf.org/viaf/30336683

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Source Institution:
SOAS University of London
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SOAS University of London
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Full Text
Abhandlungen
der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Philosophisch - philologische und historische Klasse
XXIX. Band, 4. Abhandlung
Bhavisatta Kaha von Dhanavala
Eine Jaina Legende in Apabhramsa
herausgegeben
von
Hermann Jacobi
Vorgelegt am 4. März 1916
München 1918
Verlag der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften
in Kommission des G. Franzschen Verlags (J. Roth)




Ernst Kuhn
in Freundschaft und Dankbarkeit
gewidmet




Vorwort.
Der Text der Bhavisattakaha, wie ich ihn nach einer wenn auch vorzüglichen Hand-
schrift veröffentliche, kann nur als Vorbereitung zu einer Ausgabe dieses Werkes gelten.
Eine Retractatio, wie sie Weber beim Häla einst vorgenommen hat, steht auch für unsern
Text in Aussicht, wenn weiteres handschriftliches Material, worüber ich in den Nachträgen
berichtet habe, zugänglich werden sollte. Fühlbarer aber war mir der Mangel irgend-
welcher Erklärung des Textes in Gestalt von Glossen, eines Kommentars oder einer Chäyä,
und ich habe wenig Hoffnung, daß ihm je wird abgeholfen werden. So bleibt unser Ver-
ständnis des Textes mangelhaft ٠, eine Übersetzung würde jetzt noch viele Lücken aufweisen
und an manchen Stellen zweifelhaft bleiben. Das zeigen schon die zahlreichen Artikel
des Glossars, in denen ich statt der Bedeutung ein Fragezeichen setzen mußte. Darum
hielt ich es für meine Aufgabe, den Text so wiederzugeben, daß sein Verständnis nach
Möglichkeit erleichtert wird. Dazu dienen drei Mittel. 1. Die Abtrennung der Wörter,
die ja unbedingt nötig ist, und der Glieder der Komposita. Trotz größter Sorgfalt und
wiederholter Prüfung sind Irrtümer dabei nicht völlig ausgeschlossen, wie ich denn in der
ersten Zeile des Gedichtes unrichtig abgetrennt hatte (prathame grase maksikäpätah sagt
der Inder) und den Fehler erst in den Nachträgen verbessern konnte. Und so noch in
einem zweiten Falle. 2. Die Regelung der in der Hd schwankenden Schreibweise der
Endsilben. Durch die von mir angewandte Methode, welche die handschriftliche Schreibung
überall unzweideutig erkennen läßt, konnte ich ausdrücken, wie ich die betreffenden
Formen in jedem Falle aufgefaßt habe. Ich glaubte diesen Versuch einer Interpretation
wagen zu dürfen auf die Gefahr hin, die Sprache vielleicht über Gebühr zu uniformieren.
3. Die Interpunktion. Daß diese in indischen Gedichten zu Inkonsequenzen führen muß,
liegt für den Kenner auf der Hand; aber darum wollte ich doch nicht auf die Hülfe
verzichten, welche sie dem Leser für das schnellere Verständnis des Textes bietet. Aller-
dings mußte ich sie auch dort setzen, wo der Sinn des Textes nicht klar ist; und in
solchen Stellen darf man sich nicht durch dieselbe binden lassen. — Durch die genannten
drei Mittel hoffe ich, in Verbindung mit dem Glossar, das Verständnis des Textes soweit
gefördert zu haben, als es ohne Beigabe einer Übersetzung oder eines fortlaufenden Kom-
mentars möglich ist.


IV
Meine Arbeit ist zum größeren Teil inter arma entstanden, ein Umstand, der manche
Mängel, die in ruhigen Zeiten vermieden worden wären, erklären wenn nicht entschuldigen
wird. So habe ich auch einige Texte nicht heranziehen können, von denen Hand-
schriften nur im feindlichen Ausland vorhanden sind. Unter diesen nenne ich besonders
Hemacandras Kommentar zu seinem Chandonuääsana, der wahrscheinlich reichliches Material
für unsere Kenntnis des Apabhramsa enthalten wird.
Zum Schlüsse erfülle ich eine angenehme Pflicht, indem ich Allen denen, die mich
bei dieser Arbeit unterstützt haben, meinen aufrichtigen Dank ausspreche: Herrn Dr. Doghi,
Vakil K. P. Mody und andern Jainas für die Photographie und die Abschrift der Original-
Handschrift, der Verwaltung der E. Hardy-Stiftung für die Bewilligung von Mitteln
für meine Apabhramsa-Arbeiten und Herrn Geheimrat E. Kuhn für die Förderung der
Veröffentlichung dieses Werkes und seine stets bereitwillige Hilfe bei der Korrektur
desselben.
Bonn, 4. Juli 1918.
Hermann Jacobi.


Inhaltsangabe.
Abhandlung.
1. Die neuen Texte. S. 1*—5*
1. Auffindung der Bhavisattakaha und des Neminähacariu. Über Verfasser und Inhalt des
letzteren Werkes. 2. Literarische Kritik beider Werke. 3. Sprache derselben. Vorläufige Orientierung
über die verschiedenen Arten des Apabhramsa. 4. Sprachentwicklung innerhalb des Apabhramsa.
2. Dhanapäla, der Dichter der Bhavisattakaha. S. 5*—7*
1. Name und Abstammung des Dichters. 2. Über die Dharkatas. Dhanapäla nicht identisch mit
dem gleichnamigen Verfasser der Päiyalacchi usw. 3. Über das Alter der Bhavisattakaha. 4. Stellung
des Dichters zu seiner Aufgabe.
3. Die Bhavisattakaha. S. 7*—21*
1. ,Titel und Zweck des Werkes. 2. Andere Bearbeitungen desselben Stoffes. 3. Analyse des In-
haltes. 4. Der erste Teil, die Legende von Bhavisyadatta. 5. Kritische Betrachtung desselben. 6. Die
im zweiten Teile vorausgesetzten politischen Verhältnisse. 7. Der Koalitionskrieg gegen die Kurus.
Charakteristik dieses Teiles. 8. Der dritte Teil enthält drei Abschnitte. Inhalt des ersten Abschnittes.
9. Inhalt des zweiten Abschnittes: Vorgeschichte der Hauptpersonen der Legende. 10. Charakteristik.
11. Inhalt des dritten Abschnittes: Spätere Geburten der Hauptpersonen bis zu ihrer Erlösung. 12. Ent-
stehung des Gesamtinhaltes.
4. Ãœber die Handschrift und die Umschreibung des Textes.
1. Beschreibung der Hd; die zweite nur eine Kopie derselben. 2. Graphische Eigentümlichkeiten.
3. Die Orthographie. Meine Umschreibung und die Andeutung der handschriftlichen Lesart.
5. Abriss der Grammatik. S. 24*—43*
A. Lautlehre. S. 24*—30*. § 1. Eine vollständige Lautlehre des Apabhramsa kann nicht gegeben
werden. § 2. ya-sruti. § 3. va-sruti: Einschub von hiatustilgendem v nach u und o vor a. Schwache
Aussprache des v bedingt seine unrichtige Setzung und gelegentlichen Ausfall. § 4. Schwund des v vor
w-Lauten, regelmäßig im Nom. Acc. sing. masc. neutr. § 5. Häufig auch Ausfall von m vor u. § 6. h als
Hiatustilger. § 7. Nasalierung der Endsilben i u hi hu veranlaßt durch Nasal der vorletzten Silbe.
§ 8. Anusvära und Anunäsika. § 9. v für intervokalisches w. Anmerkung über mi und vi = api.
§ 10. Schwankende Quantität der Vokale im Auslaut des Stammes und des Wortes, bei e und o auch
sonst. §11. Metrische Verlängerung des Endvokals; ö für u. §12. Sporadischer Quantitätswechsel.
§ 13. Veränderung der Qualität der Vokale. § 14. Silbenverlust durch Kontraktion ähnlicher Vokale,
und sonst. Abfall anlautenden Vokals. Samprasärana. § 15. Veränderung von Konsonanten.
§ 16. Vereinfachung von Doppelkonsonanz mit und ohne Ersatzdehnung. § 17. Verdoppelung einfacher
Konsonanten. Erhärtung, Erweichung und Aspiration. § 18. Sandhierscheinungen.
B. Formenlehre. S. 30*—43*. a) Nomina. 30*—36*. §19. Überführung konsonantischer Stämme
in vokalische. §20. Stammerweiterungen. §21. Die Ableitungs-Suffixe ira, ävana, itta, anaya.
§ 22. Genus, Genuswechsel und -Verwechselung. § 23. Die Kasus. Ablativ mit Genitiv zusammengefallen.


VI
Inhaltsangabe.
Instr. und Loc. oft vertauscht. Vertauschung aus Reimnot. § 24. Über die Deklination überhaupt.
§ 25. Die maskulinen und neutralen a-Stämme. Paradigmen nach Hemacandra und nach unserm Text.
Besondere Bemerkungen über Nom. Acc. sing., Instr. sing., Gen. sing., Nom. Acc. plur., Instr. Loc. plur.
§ 26. Die Feminina auf a. Paradigma. Bemerkungen über Instr. sing., Gen. sing., Loc. sing., Voc. sing.,
Gen. plur. § 27. Die männlichen i- und w-Stämme. Paradigmen nach Hem. und unserm Text. Be-
sondere Bemerkungen über Gen. sing, und plur. § 28. Die weiblichen ،-Stämme. Paradigma.
b) Pronomina. S. 36*—39*. §29. Das persönliche Pronomen. 1. Singular. Paradigma. 2. Plural.
Paradigmen nach Hem. und unserm Text. Bemerkungen. Abgeleitete Possessiva. § 30. Die geschlecht-
lichen Pronomina: der Demonstrativstamm ta. Paradigma. Bemerkungen. Relativum ja. Interroga-
tivum ka und Indefinitum. Als Partikeln verwendete Formen. Der Interrogativstamm kavana. Die
Demonstrativstämme äya und eya. § 31. Pronominale Adjektiva. Spuren der pronominalen Flexion dabei.
c) Verbum. S. 39*—43*. § 32. Die Verbalstämme, regelmäßige und Wurzelverba. Verbum finitum
und infinitum. Abgeleitete Verbalstämme. §33. Präsens. §34. Imperativ. §35. Participium präsentis;
auch als Präteritum der Dauer und als Conditionalis gebraucht. § 36. Futurum. § 37. Participium
perfecti passivi. Regelmäßige Neubildung und alte Formen. Bildung des Femininums. § 39. Gerundivum
und Gerundium. § 39. Absolutivum. § 40. Infinitiv. § 41. Der Passivstamm; regelmäßige und alte
Formen. § 42. Der Causativstamm; regelmäßige und alte Formen.
6. Die Verskunst. S. 43*—53*.
1. Gliederung der Bhavisattakaha. khanda, sandhi, kadavaka. dhruvä oder ghattä, die Metren
Ghattä und Chaddanikä. Die Duvai.
A. Metrik. S. 45*—50*. 2. Die Apabhramsa-Metriker: Präkrta Pingala. Vänibhüsana. Hema-
candras Chandonusäsana.
I. Die Metra im Hauptteil der Kadavakas. S. 46*—49*.
a) Die Varhavrttas. S. 46*. Strophen 1—4.
b) DieMäträvrttas. S. 47*—49*. Über die Gapas. Kontraktion in denselben. Zusammen-
legung zweier 4 zeitiger Ganas. 5. Adilä. 6. Paddhadikä. 7—13. Andere Strophen.
II. Die Ghattä-Strophen. S. 49*—60*.
Vorbemerkung. Strophen 14—26.
B. Der Reim. S. 51*—53*. Das Yamaka, Vorläufer des Reimes. Wodurch sich letzterer von
ersterem unterscheidet. Verschiedene Namen für Reim. Der Reim im Sanskrit und Präkrit, gesetz-
mäßig im Apabhramsa. Die Reime in der Bhavisattakaha. Reine Reime, Zahl der Reimsilben. Un-
reine Reime, Arten der Unreinheit bei daktylischem und trochäischem Versschluß. Zweisilbige Reime
bei daktylischem Versschluß. Reime bei versschließenden Spondeus, Anapäst, Proceleusmaticus.
7. Über den Apabhramsa. S. 53*—81*.
1. Verschiedener Wert der Schriftstellerangaben über den Apabhramsa. 2. Die Grammatiker
behandeln den Ap. als eine Art Präkrit. Der Wortschatz des Ap. zum großen Teil dem Präkrit ent-
lehnt. Ap. steht auf einer jüngeren Sprachstufe als Präkrit. 3. Die Poetiker stellen den Ap. neben
Sanskrit und Präkrit in der Dreiheit der Literatursprachen. Alter der Apabhramsa-Literatur. 4. Ap.
als Vorstufe des Neuindischen. Vergleich mit dem Alt-Guzerati. Das Verbum in demselben. Ãœber-
einstimmungen mit Ap. Das Part. präs. im Neuindischen ist nicht aus dem des Ap. entstanden.
5. Weite Verbreitung von Spracherscheinungen des Ap. im Neuindischen: das Interogativum kavana,
der Wandel von m in v in Ortsnamen auf gräma. 6. Einwirkung des Ap. auf das Präkrit, speziell
Mähärästri. Anmerkung über die Unechtheit der Apabhramäastrophen in der Urvasi. 7. Über das
Paumacariya Vimalasüris. Vulgarismen in demselben als Einfluß der dem Ap. nahestehenden aber doch
altertümlicheren Volkssprache zu erklären. 8. Das Vajjälagga. Apabhramsaformen in demselben،
9. Apabhramsa-Einflüsse auf das Präkrit der Grammatiker, bei Canda, namentlich bei Hemacandra.
10. Die Desiwörter und Dhätvädesas, ihr Vorkommen in Präkritgedichten und in der Bhavisattakaha;
ihr Ursprung aus den Desabhäsäs, spez. der von Mähärästra und Mägadha. Teluguwörter im Desikosa.
Neuindische Wörter in demselben. Geringe Zahl derselben. Das Problem des Ursprungs der Desis
bleibt ungelöst. 11. Fremdes Sprachgut im Apabhramsa; in der Bhavisattakaha etwa doppelt so groß


VII
Inhaltsangabe.
als in Präkritwerken, das nicht im Desikosa belegte dreimal so groß. Dem Apabhramsa eigentüm-
liche Nomina zum teil im Desikosa, solche Verba im Neuindischen. 12. Stellung des Ap. nicht mit
Sicherheit zu bestimmen, weil die Herkunft des fremden Sprachgutes nicht nachzuweisen ist. Wahr-
scheinlich ist er eine Dichtersprache, die aus dem literarischen Präkrit durch Anlehnung an die Volks-
sprache entstand. Sprachgeist des Ap. und der Volkssprache. 13. Apabhramsa ein genereller Name.
Das volkstümliche Element darin. Der Ap. nach Ländern verschieden, Rudratas und Vägbhatas Zeugnis.
Ap. eine Mischsprache aus Präkrit und Volkssprache. Vergleich mit den neuindischen Literatursprachen.
14. Desabhäsä, die Muttersprache. Zeugnisse dafür. Gebrauch von Sanskritwörtern in der Umgangs-
sprache der alten Zeit. Hemacandra identifiziert Ap. nicht mit Desabhäsä. 15. Verwechslung von Ap.
mit Desabhäsä bei Ksemendra und Späteren. Diese Gleichsetzung aber nicht allgemein anerkannt.
Widersprechende Ansichten später Schriftsteller. Pischels Ansicht ^widerspricht den ältesten Zeugnissen.
16. Dialekte des Ap. Dreiteilung nach Namisädhu: Upanägara, Abhira, Grämya; nach Kramadisvara:
Vräcata, Nägara, Upanagara, seine Angaben darüber. 17. Hemacandra unterscheidet Apabhramsa und
Grämyäpabhramsa in seiner Poetik, gibt keine Einteilung in seiner Grammatik, worin sich aber der
Vräcata und Nägara, vielleicht noch ein SaurasenT-Ap. nachweisen läßt. 18. Der Vräcata im Indusland.
Die Etymologie von vräcata: nach Lassen von vrätya; wahrscheinlich von vraja. Der Vräcata =
Abhira-Ap. 19. Die Nachrichten über die Abhiras, diese mit den AhTr identifiziert. Die AbhTras und
Öabaras. 20. Der Vräcata oder Abhira-Ap. der ursprüngliche. Wo AbhTras saßen, entstanden Apa-
bhramsas und zwar Nägara-Ap. 21. Kramadisvaras Nägara und Upanägara sind mit Namisädhus Upa-
nägara und Grämya zu identifizieren. Die Vertretung dieser drei Apabhramsas in der Literatur. 22. Der
Nägara-Ap. weist mehrere Dialekte auf. Auch der Normal-Ap. hat schon synkretistischen Charakter.
Der Name deutet auf urbane Bildung der Dichter, während die des Vräcata als Hirten angesehen wurden.
Die dialektische Verschiedenheit von Rudrata anerkannt. Beziehung des Nägara zu volkstümlicher
Poesie bei Tanzspielen. Der ،nördliche’ Ap. (Sprache der Bhavisattakaha) nicht in näherer Beziehung
zu Hindi und PanjäbT. Neminähacariu in Gurjara-Ap. 22. Die Zusatzstrophen in der UrvasT sind
Präkrit mit heruntergekommenen Apabhramsaformen. 23. Die Sprache Präkrta Pingalas als avahatta-
bhäsä bezeichnet. Über die Bedeutung von apabhrasta und seine Beziehung zum Apabhramsa.
24. Die technische Bedeutung von apabhramsa als Vulgarismus; davon wahrscheinlich der Name
Apabhramsa für die mit Vulgarismen erfüllte Dichtersprache herzuleiten.
Exkurs über die jüngeren literarischen Präkritsprachen. S. 81*—89*.
1. Die sechs literarischen Sprachen bei den Grammatikern und bei den Poetikern; die Rang-
ordnung derselben. 2. Die PaisacT. 3. ÖaurasenT und MägadhT als literarische Sprachen, nicht nur als
Bühnen-Dialekte. 4. Das Präkrit von Mahärästra wird zum Präkrit der Poesie auch im übrigen Indien.
5. Ein älteres Präkrit der Poesie bei Bharata bewahrt, in den Beispielversen seiner Metrik. Mangel-
hafte Überlieferung derselben. 6. Lautliche Eigentümlichkeiten dieses vorklassischen Präkrits der Poesie.
7. Formenlehre desselben. 8. Verhältnis desselben zu andern Präkritdialekten. 9. Erweichung inter-
vokalischer Verschlußlaute noch nicht in der .Alt-؛٠aurasenT, wohl aber in alten metrischen Werken der
Digambaras; sie stammt vielleicht aus dem vorklassischen Präkrit der Poesie. 10. Gebrauch und Ver-
breitung des letzteren. 11. Die Mähärästri als eine halbwegs gelehrte Sprache. 12. Ähnlichkeit mit
dem Sanskrit am größten ٠im vorklassischen Präkrit der Poesie, noch immer groß in der Öauraseni,
bedeutend geringer in der Mähärästri. 13. Die Jaina-MähärästrT; ihre Entstehung und ihre Abweichungen
von der gemeinen Mähärästri. Anklänge der prosaischen an die ÖaurasenT. 14. Es gab ein gemein-
indisches Präkrit der Prosa, das dem der Jainas ähnlich gewesen sein wird. Das vorklassische Prosa-
Präkrit stand wahrscheinlich der ÖaurasenT nahe und änderte sich später unter dem Einfluß der Mähärästri.
Index. S. 90*—94*.
Text. S. 1—120.
Glossar. S. 121—212.
Verbesserangen and Nachträge. S. 213—216.




1. Die neuen Texte.
1. In Ahmedabad hatte mich Herr K. P. Mody B. A. bei dem Pannyäs Guläb Vijaya
eingeführt, der mir in seinem Upääraya nicht nur Aufklärung über die Organisation
der Svetämbaras gab, sondern auch eine Anzahl seiner Handschriften vorlegte, für die er
ein besonderes Interesse hatte oder bei mir voraussetzte. Am 21. März 1914 zeigte er
mir unter anderen eine Hd der Bhavisattakaha des Dha٠aväla (Dhanapäla), über deren
Inhalt er nähere Auskunft wünschte, da ihm das Verständnis derselben schwierig fiele.
Auf den ersten Blick erkannte ich die Sprache des Textes als Apabhramsa und entlieh
die Hd1), um sie in Muße studieren zu können. Ich fing sofort an, dieselbe abzuschreiben,
damit ich wenigstens ein größeres Specimen mitbringen könnte; denn nach Europa wollte
mir der Pannyäs seine Hd doch nicht anvertrauen. Indem ich mich nun die nächsten Tage
eingehend mit der Hd beschäftigte, überzeugte ich mich von ihrer großen Zuverläßigkeit;
zudem erkannte ich, daß die metrischen Gesetze die Quantität der Silben mit derselben
Sicherheit wie in GaÙ¦iacchandas festlegen, wodurch der Kritik ein nicht gering anzu-
schlagendes Hilfsmittel an die Hand gegeben wird2). Ich hielt es daher für möglich, auf
Grund dieser einen Hd, obschon sie keine einzige Glosse, geschweige denn einen Kommentar
enthält, die Herausgabe des ersten vollständigen Apabhramsawerkes ins Auge zu fassen. Zu-
nächst arbeitete ich unverdrossen vom Morgen bis zum Abend an der Abschrift des Textes.
Hierin wurde ich nun durch eine Reise nach Räjkot und Junägaclh unterbrochen,
wohin mich die dortigen Svetämbaras und Sthänakväsins eingeladen hatten. In Räjkot
wurde ich am 26. März im Upäsraya der Svetämbaras von dem Muni Mahäräj Chatur
Vijaya vor versammelter Gemeinde empfangen und hatte nachher eine Aussprache mit ihm
und seinen Mönchen. Die Unterhaltung drehte sich hauptsächlich um die Handschriften-
sammlung, die der Muni Mahäräj an seinem Stammsitz in Wadhwan bewahrt. Er sagte
unter anderm, daß er einige Präkrit Kävyas besitze, die er mir zur Einsicht leihen ١volle.
In der Tat erhielt ich nach meiner Rückkehr nach Ahmedabad ein Bündel schöner Hdd
und unter diesen3) ein Neminäthacarita in Apabhramsa von Haribhadra, Schüler Candra-
Ù¡) Beschreibung derselben im 4. Abschnitt.
2) Der Schreiber hat öfters einige Silben ausgelassen. In den meisten Fällen ist das Fehlende
leicht zu ergänzen, weil dem Schreiber das Versehen gewöhnlich dann begegnete, wenn in seinem Original
gleiche Silben zweimal standen. Ein typisches Beispiel bietet die letzte Zeile des Gedichtes.
3) Die übrigen Werke waren: 1. Mallin ätha-carita (in Präkrit) von Haribhadrasüri, Schüler Candra-
süris, verfaßt in Anahillaväda-pattana unter Kumärapäla; 6708 gäthäs (9000 granthas) foll. 112, lin. 21.
2. Jayanti-carita von Mänatunga, vgl. Peterson, Report 3, App. p. 37. foll. 93٠ lin. 21. 3. STtä-kathä
in Präkrit Prosa, anonym, foll. 51, lin. 21. 4. Prthivicandra-caritra in Präkrit Prosa, anonym (wahr-
scheinlich von Öäntisüri, dessen gleichnamiges Werk nach der Jaina Granthävali S. 226 ebenfalls 7500
granthas umfaßt). 7600 ankas (sic) foll. 102, lin. 21. 5. Neminatha-caritra in Präkrit, anonym (wahr-
scheinlich von Maladhäri Hemacandra, dessen Neminätha-car. nach der Jaina Granthävali S. 243 eben
falls 5100 granthas umfaßt). 5102 granthas foll. 72, lin. 21.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh. 1


Bhavisattakaha
2*
süris, der, ١vie er selbst angibt, sein ٦Verk in Aijahillaväda-pattana, Montag den 26. Ok-
tober 1159 n. Chr., vollendete. Dies Werk ist von großem Umfang (8032 granthas zu
32 Silben) und ist fast ganz in neunzeiligen Strophen, Raddä oder Vastu genannt, abgefaßt.
Es erzählt erst neun frühere Geburten Aristanemis und der Räjimati, und in der kleineren
letzten Hälfte die Geschichte dieses Tirthakaras, die mit derjenigen Krsnas und der Pän-
dava.s verflochten ist. Die Hd ist sehr schön geschrieben, etwa drei bis vierhundert Jahre
alt1); zurzeit ist sie noch in meinen Händen, weil der Ausbruch des Krieges ihre Rück-
sendung unmöglich machte. Der Schreiber der Hd hat den Text nicht verstanden, aber
seine Vorlage sorgfältig kopiert. Eine Anzahl von ähnlichen Aksaras ٦verden fortwährend
mit einander verwechselt, oder zumteil nicht von einander unterschieden. Die dadurch
entstehende Schwierigkeit ist sehr beträchtlich, aber nicht unüberwindlich. Fehlende Ak-
saras hilft das sehr empfindliche Metrum entdecken und oft mit vollkommener Sicherheit
ergänzen. Eine längere Episode von 350 Strophen, das Sanatkumära-carita enthaltend,
habe ich als Text- und Sprachprobe bearbeitet und ١verde sie demnächst veröffentlichen.
Zu einer vollständigen Ausgabe des Textes ١väre weiteres handschriftliches Material sehr
erwünscht. Nach Jaina Granthävali S. 243 ١vird das Werk in der Vrhat tipanikä und den
beiden Jesulmer-Katalogen Hamsavijayas und Hiräläls erwähnt. So besteht wenigstens
noch eine Hoffnung, daß dereinst weitere Hdd zugänglich werden.
2. Diese beiden Apabhramsa-Texte, die Bhavisattakaha und das Neminähacariu,
gehören der erzählenden Literatur an. Jedoch sind sie Vertreter zweier Stilgattungen,
und zwar bedient sich Haribhadra des höhern, Dhanapäla des niedern Stils. Haribhadra
hat auch zwei Präkrit Kävyas geschrieben: ein Sreyämsa-carita in 6584 gäthäs (siehe Jaina
Granthävali S. 240) und ein Mallinätha-carita in 6708 gäthäs (siehe vorletzte Anmerkung und
Jaina Granthävali S. 242)2). Präkritsprache und Kävyastil sind ihm daher ganz geläufig
und beides hat auf seine Apabhramsa-Komposition sehr merklich abgefärbt. Er gebraucht
unbedenklich manche Präkritformen in seinem Apabhramsa, welche Dhanapäla gewöhnlich
vermeidet und nur in Strophen von künstlichem Metrum (aksaracchandas), deren Sprache
überhaupt mehr Präkrit als Apabhramsa ist, in größerem Maße zuläßt3). Haribhadras
Stil ist mit vielen Alamkäras verblümt; es ist, wie die Inder sagen würden, “viel kävya“
darin. Dhanapäla verwendet aber nur hier und da einen dürftigen Alamkära; sein Aus-
druck ist ungeziert, gegenständlich, entschieden mehr volkstümlich. Auch das ist zu
beachten, daß Haribhadra ein gelehrter Mönch, Dhanapäla ein dichterisch begabter Laie
٤) Querformat, 30 zu 20 cm., fall. 113, 21 Linien von c. 58 Silben. Diese Hd scheint mit den fünf
andern in der letzten Anmerkung genannten, nach der Ähnlichkeit der Schrift und der äußern Auf-
machung zu urteilen, von einem Schreiber, oder eher noch einer Schreiberin, herzustammen. Kopieren
von Hdd gilt bei den Jainas als ein verdienstliches Werk, dem sich Mönche und Nonnen, .sowie auch
Laien widmen.
2) Nach den Angaben in der Jaina Granthävali 1. c. verfaßte Haribhadra das erste Werk unter
Ja٠yasimha, das zweite unter Kumärapäla. Das Neminähacariu ist in dem Jahre verfaßt, in das Kumära-
pälas Bekehrung zum Jainismus fiel (Samvat 1216). Haribhadras literarische Tätigkeit fällt also zeitlich
mit derjenigen Hemacandras zusammen.
٥) Eine bezeichnende Einzelheit möge angeführt werden um zu zeigen, ١vie sehr Haribhadras
Apabhramsa vom Präkrit beeinflußt ist. Er gebraucht oft die Konjunktion ya (= ca), während sie dem
Apabhramsa fast abhanden gekommen ist. In den von Hemacandra angeführten Strophen kommt sie
nur einmal (396,3 in Sauraseni Apabhramsa) vor und in dei’ Bhavisattakaha nur zweimal.


Abhandlung. 1. Die neuen Texte.
3*
ist: die Verschiedenheit ihrer Lebensanschauung blickt überall in ihrer Behandlung des
Stoffes durch. — Gemeinsam ist aber beiden Werken, daß sie für den öffentlichen Vortrag,
zunächst wohl durch den Dichter selbst, bestimmt waren; sie richten sich an Zuhörer, daher
der öftere Gebrauch von nisunahü ،höret’1).
3. Für uns aber besteht der ١vichtigste und interessanteste Unterschied zwischen
beiden Werken in ihrer Sprache. Denn abgesehen von den schon erwähnten Präkritizis-
men ist Haribhadras Apabhramsa-Dialekt überhaupt ein anderer als der Dhauapälas. Um
das Verhältnis klar zu legen, muß ich dem Gange der Untersuchung vorgreifend in eine
sprachliche Erörterung eintreten, die nach dem Plane dieser Abhandlung dem letzten
Teile derselben Vorbehalten sein sollte. Sie ist nicht nur zu dem vorliegenden Zwecke
nötig, sondern wird auch als vorläufige Orientierung ١villkommen sein.
Die augenfälligste Eigentümlichkeit des Dialektes Haribhadras ist die Form des Geni-
tivus, Singularis und Pluralis. Nach Hemacandra (Grammatik IV 338—340. 345. 350. 351)
richtet sich die Endung des Genitivs, wo sie auftritt, in erster Linie nach dem Geschlecht,
in zweiter nach dem Auslaut des Stammes. Bei den männlichen a~Stämmen lautet die
Endung des Genitivs im Singular auf hü2), im Plural auf hä-, für die männlichen i- und
?¿-Stämme schreibt Hemacandra im Singular keine Endung vor, im Plural hä und hu.
Alle weiblichen Stämme nehmen im Singular he, im Plural hu.
In der Bhavisattakalia ist der geschilderte Zustand zum größeren ٢Teil noch erhalten,
wenn auch für ho oft hu, für he meist hi geschrieben wird. Aber die männlichen ¿-Stämme
folgen hier der Analogie der weiblichen : sie nehmen im Singular hi, im Plural hu (einmal hü).
jedoch empfand man wÙ¢ahrscheinlich die Endung hi als durch das auslautende i des Stammes
bedingt, da auch einmal der Gen. sing, eines ?¿-Stammes vorkommt und zwar in der Form
guruhu. Dieses Assimilationsprinzip ist zur vollen Geltung in Haribhadras Apabhramsa
gelangt. In demselben hat das Geschlecht überhaupt keinen Einfluß auf die Endung des
Genitivs; dieselbe richtet sich vielmehr nur nach dem stammauslautenden Vokal. Mit diesem
stimmt der Vokal der Endung immer überein, im Singular ist er rein, im Plural nasalisiert.
So entstehen die Ausgänge a-ha, a-hä; i-hi, ilü; u-hu, u-liu; offenbar durch Assimilation.
Es sei nun hier hervorgehoben, daß sich fast alle diese Erscheinungen in den wenig zahl-
reichen Strophen nachÙ¡veisen lassen, die Devendragani (1077 n. Chr.), also 87 Jahre vor
Plaribhadra, in seinem Kommentar zum Uttarädhyayana Sütra zitiert3). Da nun Devendra
ebenso wie Haribhadra in Apahilla-Päthaka, der Hauptstadt der Gurjaras, seine ٦٦٢erke
abgefaßt hat, so wird der darin gebrauchte Apabhramsa derjenige der Gurjaras gewesen
1j Siehe auch meine Bemerkung über den öffentlichen Vortrag der Upamiti bhava prapancä kathä,
Preface S. Xf. Möglichkeit zu solchen Vorträgen boten Tempel und Upäsrayas, namentlich letztere, in
denen Laien auch zur Abhaltung religiöser Übungen wie Pratikramana sich zu versammeln pflegen.
Wahrscheinlich bot auch die Desanä der Yatis Gelegenheit zum Vortrag erzählender Werke. Jetzt
zerfällt die Desanä in zwei Teile; im ersten erklärt der Yati ein Sütra, im zweiten ein Caritra, und
zwischen beiden singen die Frauen fromme Strophen, gähuli genannt. Es ist natürlich, daß in älterer
Zeit, als Sanskrit und Präkrit noch allgemeiner verstanden wurden, statt der Erklärung der Vortrag
eines Caritra stattgefunden hat. Nur so versteht man, wie Caritras in Sanskrit und Präkrit in so
großer Menge gedichtet wurden; denn einen praktischen Zweck müssen sie doch gehabt haben.
2) Außerdem auf su und ssu, wovon hier für. unsern Zweck abgesehen werden kann.
3) In einer Strophe, die im Sarasvatikanthäbharana zitiert wird, ist ein Gen. auf aha sicher, in
zwei andern zweifelhaft, Pischel M. A. 111 bez. IV, XIII.


4*
Bhavisattakaha
sein. Von den Gurjaras sagt ein Vers im Sarasvatikanthäbhara؟ia II 13: Apabhramsena
tusyanti svena nänyena Gurjaräh, das beißt wohl, daß sie sich nur ihres Apabhramsas
zu literarischen Kompositionen bedienten. Um so auffälliger ist, daß Hemacandra, ein
Zeitgenosse und Landsmann Haribhadras, von diesem Apabhramsa der Gurjaras Ù¡veder in
den Regeln seiner Präkrit-Grammatik, noch in den zugehörigen Beispielstrophen auch nur
die geringste Notiz nimmt. Wäre seine Grammatik eine originelle Arbeit, d. h. hätte er
seine Darstellung des Apabhramsa auf seine Beobachtung der Sprache in Apabhramsa-
Gedichten gegründet, so würde der Apabhramsa der Gurjaras, mit dem er, selbst ein Gur-
jara, durchaus vertraut sein mußte, eine große, wenn nicht die Hauptrolle in seiner Gram-
matik gespielt haben. Aber eine durchaus originelle wissenschaftliche Arbeit darf man
von einem enzyklopädistischen Schriftsteller nicht erwarten. Er ١vird die bedeutendsten
ihm zugänglichen Apabhramäa-Grammatiken, d. h. die betreffenden Abschnitte der Präkrit-
Grammatiken, seiner Darstellung zu Grunde gelegt haben1), indem er die Sprachregeln
nach seiner Einsicht praktischer formulierte und ordnete, sowie eine Auswahl unter den
von seinen Vorgängern beigebrachten Beispielen traf, vielleicht auch das eine oder andere
aus eigener Belesenheit hinzufügte. Den von den . Grammatikern gelehrten Apabhramäa
betrachtete er wohl als klassisch, den eigenen mochte er zum Grämya Apabhramsa
rechnen, von dem er zwar nicht in der Grammatik, wohl aber in seiner Poetik spricht,
worauf ich in dem letzten Abschnitt dieser Abhandlung zurückkommen werde2).
4. Nach vorstehender Erörterung ergibt sich als die ältere Form des Apabhramsa
der von den Grammatikern dargestellte, von uns ،klassischer’ genannte Apabhramsa, der,
wie später zu zeigen sein wird, selbst bereits dialektisch gespalten war. Ihm nahe steht
die Sprache Dhanapälas, die ich ،nördlichen’ Apabhramsa nennen will. Daß sie weniger
altertümlich als der klassische Apabhramsa ist, wird der Abschnitt über die Grammatik
im Einzelnen dartun. Hier sei nur auf die Einschränkung im Gebrauch der Stamm-
erweiterungen hingewiesen, die im klassischen Apabhramsa eine so augenfällige Erscheinung
sind. Der Gurjara Apabhramsa wiederum erscheint dem nördlichen gegenüber weniger
ursprünglich. Jedoch soll damit nicht gesagt sein, daß er tatsächlich jünger sei, da ja
verwandte Sprachen von verschiedenem Grade der Altertümlichkeit gleichzeitig sein können,
wie das Nebeneinanderbestehen von Litauisch und Lettisch beweist. Auch haben Ù¡vir
٤) „Das Siddhahemacandra ist, wie die Tradition behauptet, eine Kompilation aus früheren Gram-
matikern1،. Buhler, über das Leben des Jainamönches Hemacandra, S. 17 (185); vgl. auch die Nachweise
in Anm. 35 daselbst.
2) Hemacandras Darstellung des Präkrit, d. h. der Mähärästn, ist ähnlich, aber doch in einer Hin-
sicht anders zu beurteilen. Seine Grundlage dafür bildeten selbstverständlich ebenfalls die Arbeiten
seiner Vorgänger. Aber Präkrit war die Literatursprache der Évetâmbaras, auf deren Bedürfnisse er bei
seinem rührigen Bestreben, zeitgemäße Lehrbücher abzufassen, Rücksicht zu nehmen nicht umhin konnte;
deshalb durfte seine Grammatik nicht bloß die klassische Mähärästn lehren, sondern mußte auch die
Jaina Mähärästn in Betracht ziehen, was er durch Einfügung besonderer und darauf hinzielende Formu-
lierung allgemeinerer Regeln leicht bewirken konnte, da ihm das Präkrit wohl nicht weniger geläufig
war als das Sanskrit. Daß er aber eine erschöpfende Darstellung der Jaina Mähärästn auf diese Weise
hätte geben können, ist von vornherein ausgeschlossen. Hemacandras Abhängigkeit von seinen Vor-
gängern zeigt sich wieder bei den Belegen aus der Literatur, die er wohl jenen entlehnte. Denn wie
Pischel (P. G. § 20) erklärt, stammen „alle bis jetzt nachweisbaren Zitate bei Hc. aus Häla, Rävanavaho,
Gaudavaho, der Visamabänälilä und Karpüramanjan“.


Abhandlung. 2. Dhanapala, der Dichter der Bhavisattakaha. 5
keinen triftigen Grund anzunehmen, daß der Gurjara Apabhramsa wesentlich später zu
literarischer Verwendung gelangt sei als der ،nördliche’ oder ihn gar in dieser Funktion
abgelöst habe. Denn der Gurjara Apabhramsa war höchst wahrscheinlich der Apabhramsa
der Svetämbaras, der ،nördliche’ derjenige der Digambaras, ein Unterschied ähnlich dem
jetzt zwischen beiden Zweigen der Jainakirche hinsichtlich der Sprache obwaltenden, wo-
nach die Svetämbaras am Guzerati, die Digambaras am Hindi festhalten auch in anders-
sprachiger Umgebung.
Als letzte Stufe der Entwicklung erscheint die Sprache im Präkrta Pingala, der
frühestens dem 14. Jahrhundert angehört. Vom eigentlichen Apabhramsa sind darin nur
dürftige Reste erhalten, so daß ihr Anspruch noch zum Apabhramsa zu gehören bezweifelt
werden darf. Neben ihr hatte schon das Neuindische Geltung erlangt.
2. Dhanapala, der Dichter der Bhavisattakaha.
1. In den Kapitelunterschriften der Bhavisattakaha wird der Dichter vuhaDha؟Laväla,
der gelehrte Dhanapala genannt. Ebenso nennt er sich selbst am Schlüsse der Kapitel
(sandhi), daneben auch Dha٠avai, wo ihm das besser in den Vers paßte (siehe das Glossar s. v.).
Genauere Auskunft über sich und sein Werk gibt er 352, 8—11:
vasivi gharäsami halluttälÖm | viraiu eu cariu Dhapavälßm || 8 ||
vihT kha؟idahT vävisahT sandhihT | paricintiya-niya-heu-ni vandhÖhT || 9 ||
Dhakkada-vani-vamse Mäesaraho samubbhavö٠a | 10 |
Dhavasirihe vi suena viraiu Sarasai Ich übersetze, indem ich wegen halluttäla und sambhava auf das Glossar und wegen
der Verbesserungen in den letzten Zeilen auf die Noten zur Stelle im Text verweise:
„Nach langem Verweilen im Laienstand in Gewissensangst versetzt, hat Dhanapala
diese Legende verfaßt, in zwei Büchern und zweiundzwanzig Kapiteln, deren Motivierung
und Komposition wohl durchdacht ist. Von dem zum Kaufmannsgeschlechte der Dharkata
gehörenden Sohne des Mäyesvara und der Dhanasri wurde (diese Legende) verfaßt auf
Antrieb der Sarasvati.“
Dazu nehme man 4, 5:
cinciya1) Dha؟iavälßm vai.ii-vare؟ia | Sarasai-vahu-laddha-mahävare؟ia ||
„Schön dargestellt wurde (die Erzählung) von dem Kaufmanne Dhanapala, der von
Sarasvati viele große Gaben erhalten hatte.،،
Danach war also Dhanapala ein Laie und zwar ein Kaufmann oder Handelsmann
aus dem Geschlechte der Dharkata; sein Vater hieß Mäyesvara, seine Mutter Dhanasri.
Aus seinem Werke ergibt sich, daß Dhanapala ein Digambara war2).
Ø›) Ick habe im Text cintiya geschrieben, aber das handschriftliche cinciya wird richtig sein;
es bedeutet alamkrta; vgl. H IV 115: cincai mandayati.
2) Er bezeichnet nämlich einen Jaina-Mönch, der in einer Vorgeschichte eine wichtige Rolle spielt,
als Digambara 89,3, was er wohl nicht getan haben würde, wenn er selbst ein Svetämbara gewesen wäre.
Ferner ist nach ihm der Acyutasvarga der 16. Himmel (326,8, vgl. 349,8. 71,1. 74,4 ff.) wie bei den
Digambaras, während er nach den Svetämbaras der 12. Himmel ist, Tattvärthädhigama Sütra IV 20
(ZDMGr 60 S. 321).


6*
Bhavisattakaha
2. Das Kaufmannsgeschlecht der Dhakkadas ist zweifellos mit dem Clan (jnäti) der
Dharkatas identisch, der auf einer Inschrift Tejapälas vom 3. März 1230 n. Chr. in dem
von diesem Fürsten erbauten Tempel Neminäthas in Dilwara auf Mount Abu envähnt wird.
Da nur wenige Mitglieder dieses Clans neben zahlreichen der Clans Prägvätas (Poraväls),
Oisavälas (Osväls) und Srimälas aufgeführt werden (alle übrigens Svetämbaras), so scheinen
die Dharkatas in der Gegend von Mount Abu nur schwach vertreten gewesen zu sein;
ihre Hauptsitze waren Ù¡vahrscheinlich mehr im Norden, wie denn die Digambaras immer
mehr im Osten Rajputänas, in Hindustan und im Punjab ihre Sitze hatten. Eben dahin
weist auch noch eine zweite Erwähnung von Dharkata, in der 16. Erzählung1) der Bhara-
takadvätrimsikä, welches Werk, ١vie Aufrecht sagt, sententias et vocabula dialecto Hindu-
stänica antiquiore scripta satis multa continet (Oxf. Cat. S. 155 a).
Nach den mitgeteilten Angaben des Dichters über seine Person ist er nicht zu ver-
wechseln mit dem Papdita Dhanapäla, dem ٦٢erfasser der Päiyalacchi, Rsabhapancäsikä und
Tilakamanjari, einem Övetämbara. Denn dieser ist, nach seiner eigenen im Anfang des
letztgenannten Werkes v. 52. 53 enthaltenen Angabe, der Sohn Sarvadevas, brahmanischer
Abkunft (vipra), welchem König Munja den Titel Sarasvati verlieh.
3. Dhanapäla gibt nicht an, wann er die Bhavisattakaha gedichtet hat, und sein
Werk enthält auch dafür keinen sicheren chronologischen Anhaltspunkt. Daß ein
solcher nicht der verhältnismäßigen Altertümlichkeit seines Apabhramsa gegenüber dem-
jenigen Haribhadras zu entnehmen ist, wurde schon oben S. 4* * dargetan. Größere Be-
deutung für die Zeitbestimmung hat vielleicht folgendes. Das Motiv, auf dem die Samaräicca-
kahä des alten berühmten Haribhadra begründet ist, das Motiv eines nidäna, kehrt in
der Bhavisattakaha, sandhi xx, wieder, wie weiter unten bei der Analyse des Werkes aus-
geführt werden soll. Ich glaube, daß darin die Samaräiccakahä für die Bhavisattakaha
vorbildlich gewesen ist. Wenn das zutreffen sollte, so würde dadurch die obere Grenze
für die Abfassungszeit der Bhavisattakaha gegeben sein. Denn Haribhadra, der Verfasser
der Samaräiccakahä (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen, c. 350 Jahre jüngeren
Verfasser des Neminähacariu) schrieb ١vahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 9. Jahr-
hunderts n. Chr.; Dhanapäla könnte also, die Richtigkeit obiger Annahme vorausgesetzt,
frühestens im 10. Jahrhundert geschrieben haben.
4. Oben sind die beiden Stellen angegeben, in denen Dhanapäla von seinem Werk
spricht. In der ersten betont er, den Gegenstand gründlich durchdacht zu haben: pari-
cintiya-niya-heu-nivandhöhT 352,9; in der zweiten, den überlieferten Stoff schön
darzustellen (jipa-väpi) cinciya Dhanavälem vapivarepa 4, 5. Der Stoff beruht
auf einer Mitteilung Mahäviras (jipa-väpT) an den Gapadhara (Gotama) und wird von
diesem dem König Örepika auf seine Frage erzählt2). Dieser hätte sie schriftlich auf-
zeichnen lassen (tepa ya kiya potthaya-samcaehT), und danach hätten gute Dichter
sie verbreitet (tatthaho vitthäriya vara-kaehT 4,3). Dann wird nochmals 4,6 ff.
gesagt, daß Srepika den Gotama nach dem suyapancami-Gelübde gefragt habe, und
Ù¡) Modhaka (Lakshmipure), a Dharkata magistro ad oleum et butyrum arcessendum missus, negotio
male perfungitur.
2) Dies ist eine feststehende Fiktion, die die Einleitung zu vielen Legenden der Jainas bildet.
Sie findet sich ebenso in dem Paumacariya Vimalasüris, dem ältesten Präkrit-kävya überhaupt und der
*Svetämbaras im besondern.


Abhandlung. 3. Die Bhavisattakaha.
7*
daß daher der Stoff dieser Erzählung stamme (tahT äyau eu kahä-nihänu). Nach
diesen Angaben Dhanapälas dürfte feststehen, daß er ältere Vorlagen benutzte; ander-
seits ١vird sein Anspruch, alles so wohl überlegt zu haben, nicht aus der Luft ge-
griffen gewesen sein; das heißt, er wird seinen Stoff so umgestaltet haben, daß er ihm
in allen Stücken logisch begründet und zusammenhängend erschien. Bei der Analyse
٦verden wir versuchen, dem allmählichen Wachsen der Legende nachzugehen; jedoch wird
es nicht festzustellen sein, ob und in wie weit Dhanapäla an dem Ausbau der Legende
und der Neugestaltung des Stoffes beteiligt war. Vielleicht sah er aber auch sein eigent-
liches Verdienst in der vollständigen Durchdringung seines Stoffes, wodurch er seine Er-
zählung zu einer anschaulichen, die Zuhörer fesselnden zu gestalten befähigt wurde. Was
die äußere Form angeht, so verdient die sorgfältige Behandlung der Metrik volle An-
erkennung, aber anderseits ist nicht zu leugnen, daß die Reimnot vielfach den sprachlichen
Ausdruck ungünstig beeinflußt und einen oft an das Bänkelsängerische streifenden Ton
veranlaßt hat, sofern er nicht überhaupt der volkstümlichen Dichtung eignete.
3. Die Bhavisattakaha.
1. Der eigentliche Titel von Dhanapälas Werk ist Bhavisattakaha, der zwar in dem
Texte selbst nicht genannt wird, aber in allen Kapitelunterschriften erscheint. Diese haben
alle einen gemeinsamen Teil, bestehend aus vier gereimten Zeilen in Präkrit, ٠ die bis auf
die fehlende Schlußsilbe eine Aryästrophe bilden, woran sich dann die Inhaltsangabe je
des betreffenden Kapitels (sandhi) in meistens recht fehlerhaftem Präkrit anschließt. Jener
gemeinsame Teil lautet:
iya Bhavisattakahäe payadiyadhammatthakämamokkhäe
vuha Dhanavälakayäe .pancamiphalavan؟Lanäe.
Der in dem 4. Päda genannte Zweck, der auch in der Eingangsstrophe des Gedichtes
(nisunahü suvapancamihi phalu) ausgesprochen ist, hat zu einem zweiten Namen, den
auch wie gleich gesagt werden soll, drei andere Werke desselben Inhaltes führen, Ver-
anlassung gegeben. Dieser erscheint als Titel oben links auf dem Rande einiger Blätter
der ursprünglichen Handschrift (A) und auf allen der nach jener in Indien gefertigten (B)
in der abgekürzten Form jnänapancami, was zu jnänapancamikathä zu ergänzen ist.
jnänapancami ist der übliche Ausdruck für das im Text gebrauchte suapancami, was
im Sanskrit srutapancami sein ١vürde, wenn auch der Dichter (95,5) es falsch etymo-
logisierend als sia-pü i. e. sitapancami deutet. Der Zweck, dem die Erzählung dienen
soll, ist die Verherrlichung des pancami-vrata. Dieses Gelübde wird am 5. der hellen
Monatshälfte im Kärttika, Phälguna oder Asädha angetreten und zieht sich mit seinen
religiösen Übungen über fünf Jahre hin, ١vie in sandhi 95—93 ausgeführt wird. Um
seine Wirksamkeit darzutun, wird also die Geschichte von Bhavisyadatta erzählt. Aber
Ù¡vie sehr auch von dem Dichter dieser Zweck betont Ù¦vird, und wenn auch dasselbe in
٠،٦llen andern Bearbeitungen der Legende geschehen sein wird, so steht die Geschichte selbst
doch nur ganz äußerlich mit ihm und dem pancami-vrata in Beziehung. Sie war offen-
bar ursprünglich ein beliebter Märchenstoff, der zu einem romantischen Epos oder einem
Roman auswuchs, und den sich dann die Jainas in ihrer Weise zu eigen machten. Wie
sie dabei verfuhren, werden wir nachher bei der Analyse des Inhalts zu untersuchen haben.


8*
Bhavisattakaha
2. Das Pancami-vrata scheint bei den Jainas beider Konfessionen in hohem Ansehen
gestanden zu haben. So erklärt es sich, daß die mit ihm in Verbindung gesetzte Legende
des oftern behandelt worden ist. Die Jaina Granthavali (Bombay 1908) nennt s. 228
und 256 ein Bhavisyadattakhyana in 2000 gi’anthas von einem Mahendrasuri odei’ Ma-
hesvarasuri, wovon eine Abschrift in Cambay saipvat 1214 datiert ist, ferner s. 264 drei
verschiedene Jnanapancamlkathas vermutlich alle in Sanskrit, eine anonym, eine zweite aut'
213 Pal hlattern von Saundaryagani, eine dritte von Kanakakusala (saipvat 1655), ge-
druckt als Jnanapancamimahätmyam im Parvakathasaingraha, örlyasovijayajainagranthamalä
Nro. 16, das übrigens nichts' mit der Bhavisyadattakatha zu tun hat. Mit der dritten
Katha ist, dem Umfang nach zu schließen, die in R G Bhandarkars Repoi’t 1897 No. 1305
aufgeführte anonyme Pancamlkatha identisch. .Zwei Hdd eines Bhavisyadattacaritra von
vibudha öridhara (Digambara) verzeichnen Peterson 3d Repoi’t Nro. 542 und AV Kathavates
Report 1901 Ni’Os. 1199, 1200, womit ein anonymes Bhavisyadattacaritra in R G Blian-
darkars Repoi’t 1894 Ni’O. 1117 wahrscheinlich identisch ist؛).
Von dem zuletzt genannten Bhavisyadattacarita des vibudha Sridhara erhielt ich in
Alimedabad eine Hd ZUI’ Dui’chsicht (83 Blatter, 10 Linien, gi’oße Schrift’, das letzte Blatt
fehlte). Es ist .ein Sanskrit Kavya in 14 sai’ga, durchweg in Sloken abgefaßt, und enthält
im letzten Verse jedes Sarga das Wort sadhulaksmaija (sadhulaksma^anamankita).
Der Autor ist ein Digambara, was zwai’ nicht direkt ausgesproclien wird, abei’ dai’aus
hervorgeht, daß ei’ Dhanamitras Mutter sich über die nackten (nil’ambara) Mönche
lustig machen läßt, von welcher Sunde sie sich dui’ch die Ausübung des pancami-vrata
reinigt (vgl. Bhavisattakalia 328, 5 ff.). Ich liabe den Gang dei’ Erzählung in diesem
Werke ausgezogen, so gut es mir in kurzer Fi’ist schon nach Einti’itt dei’ heißen Jahi’es-
zeit gelingen wollte; er stimmt bis auf kleine Abweichungen mit dem der Bhavisattakaha
überein. Jedoch wird die zweite Hälfte dei’ Hd imm.er fehlerhafter; der 10. Sarga ist in
so schlechter Verfassung, daß icli seinen Inhalt leider nicht ausziehen konnte (ei’ muß
die Erzählung von dem Kriege gegen Hastinapura enthalten haben). Alles übrige findet
sich in diesem Bhavisyadattacarita wiedei’, außer daß eine Schicht Vorgeburten, die in
Bhavisattakaha 294,4 ff. nur angedeutet ist, ausfiilirliclier im 9. Sarga behandelt wil’d.
3. Ich gehe nun zur Analyse und Besprechung des Inhaltes dei’ Bhavisattakaha über.
Der Stoff zerfallt in drei Teile: 1. die Abenteuer Bhavisyadattas bis zu seinei’ Rückkehr
nach Hastinapura; 2. der Krieg gegen Hastinapura und der schliefiliche Sieg Bhavisya-
dattas; 3. die früheren und späteren Geburten der Hauptpersonen bik zu ihrem Nana.
Der erste Teil ist der interessanteste, weil er wohl auf einem alten Volksmärchen beruhte;
der zweite scheint eine -Fortsetzung zu sein, die bei der Erweiterung des Märchens zu
einem Roman hinzugefügt wurde; der dritte Teil ist reine Jaina-Mache, wahrsclieinlich
mit Benutzung selbständiger Erzählungsstoffe.
4. Der Inhalt des ersten Teiles ist folgender 2):
1) Im Report von 1896 wird unter Nro. 826 eine Jnanapancamistuti verzeichnet gedruckt im Sri-
stutisaingraha der Sriyasovijayajainasainsk tapathamala, Mhesana 1912, und in Deccan College Library
Coli. 1882,83 Nro. 305 ein Jnanapancamistotra.
2) Die römischen Ziffern beziehen sich auf die sandhis. Ich gebe die Namen in Sanskrit und
fuge in Klammern die etwa abweichende Form aus dem Bhavisyadattacarita bei.


Abhandlung. 3. Die Bhavisattakaha.
9*
In der Hauptstadt Kurujängalas, Hastinäpura oder Gajapura1), herrschte während
des Tlrtha des 8. Tirthakaras Candraprabha König Bhüpäla. Seine Frau ist, wie sich aus
der späteren Erzählung ergibt, Priyasundari, und deren Tochter heißt Sumiträ. Der
räjasresthin war Dhanapati; er heiratet Kamalasri, Tochter des Kaufmanns Haribala
und seiner Frau Laksmi, und hat mit ihr einen Sohn Bhavisyadatta (I). Als dieser seine
Schulzeit beendet hatte, wollte es das Verhängnis, daß Dhanapati einen Widerwillen gegen
sein Weib faßte und sie verstieß. Kamalasri und ihr Sohn werden von ihren Eltern auf-
genommen und leben in deren Hause (II). Dhanapati aber nimmt Sarüpä, Tochter des
Kaufmanns Dhanadatta, zum Weibe. Diese gebiert ihm einen Sohn Bandhudatta. Nach
einer wilden Jugend treibt ihn die Gewinnsucht zu einer Reise nach der Goldinsel (Kän-
cana- oder Kanakadvipa). Seine Eltern müssen schließlich ihre Erlaubnis dazu geben.
Viele Kaufleute aus der Stadt sind bereit, an seiner Fahrt teilzunehmen. Auch Bhavisya-
datta faßt den gleichen Beschluß, obschon es ihm Mutter und Onkel widerraten. Er tritt
mit Bandhudatta in Verbindung. Dieser willigt erfreut ein und teilt es seiner Mutter
mit, die ihm in ihrem Hasse gegen ihre Rivalin und deren Sohn rät, den Bhavisyadatta
auf der Seereise aus dem Wege zu schaffen, womit sich Bandhudatta auch einverstanden
erklärt. Die Expedition, an der sich außerdem 500 Kaufleute beteiligen, gelangt, in süd-
östlicher Richtung wandernd, endlich ans Meer, ١vo sie auf die Schiffe geht. Diese werden
durch widrigen Wind nach Madanadvipa verschlagen. Dort gehen alle an Land, um
Wasser und Früchte zu holen. Als die Leute zurückgekehrt waren, fehlte zuletzt noch
Bhavisyadatta. Diesen Umstand benutzt der heimtückische Bandhudatta und befiehlt den
Schiffern, auch ohne jenen in See zu gehen, wie sehr sie auch darob murren (III). Als
Bhavisyadatta zu spät inne wurde, daß er von seinem Stiefbruder hintergangen worden sei,
irrte er verzweifelnd in der Wildnis umher. In einem Jasminboskett ausruhend, wird er
von der einbrechenden Nacht überrascht, deren Schrecknissen er sein frommes Gebet ent-
gegensetzt. Bei Tagesanbruch wandert er unter günstigen Vorzeichen weiter, bis er einen
alten Weg findet, dem er beherzt folgt. Durch eine finstere Felsenschlucht hindurch
gelangt er in eine Stadt voller Herrlichkeiten, aber gänzlich ohne Bewohner. Er sieht
die Bazare mit ihren Waren, den Königspalast mit seiner Audienzhalle, Stallungen und
Höfen, alles unversehrt, aber nirgends einen Menschen. So betritt er einen Tempel
Candraprabhas, dem er einen Hymnus singt (IV). Während er dort eingeschlafen ist,
trägt sich in Pürvavideha folgendes zu. Der Indra von Acyutasvarga fragt den Kevalin
Yasodhara, wer und wo jetzt der ihm in seinem früheren Leben befreundete Dhanamitra
sei. Der Heilige erklärt, jener sei in seiner jetzigen Geburt Bhavisyadatta, erzählt dessen
bisherige Erlebnisse und sagt die zukünftigen voraus. Der Indra begibt sich nun in den
Tempel, wo Bhavisyadatta schläft, und schreibt einige Zeilen an die Wand. Dann befiehlt
er jenen dem Schutze des Yaksafürsten Mänibhadra an mit dem Auftrage, ihn seiner Zeit
in seine Heimat zurückzubringen. — Als nun Bhavisyadatta erwacht, liest er die Zeilen
an der Wand; sie fordern ihn auf, in das fünfte Haus einzutreten, wo er eine schöne Maid
treffen werde; die solle er heiraten, die ganze Stadt würde ihm gehören. Dieser AVeisung
l) Am Ganges gelegen 6,1. Aber der Dichter scheint es mit Delhi zu verwechseln. Denn 52, 3
läßt er die Karawane von Gajapura nach Südosten aufbrechen und über die Yamunä setzen; nach 130,9
setzt dieselbe Karawane über die Yamunä, ehe sie in Gajapura anlangt.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh. 2


10*
Bhavisattakaha
folgend findet Bhavisyadatta auch im fünften Hause die Schöne. Sie berichtet ihm, daß
Yasodhana König von Tilakadvipa und ihr Vater Bhavadatta der vornehmste Kaufmann
dort gewesen sei; sie heiße Bhavisyänurüpä. Einst sei der Asura A&anivega gekommen
und habe den König und alle Einwohner der Stadt umgebracht, nur sie habe er aus un-
bekanntem Grunde geschont. Sie bittet Bhavisyadatta, mit ihr zu entfliehen. Er aber
versichert, er würde sie nur nehmen, wenn sie ihm von einem Andern gegeben würde; bis
dahin dürften sie nur als Glaubensgenossen mit einander verkehren. Während sie nun so
einige Tage zusammen verbringen, kommt einst unter furchtbarem Aufruhr der Elemente
jener Asura herbei. Bhavisyadatta stellt sich ihm mutig entgegen und fordert ihn zum
Kampfe heraus. Erstaunt über die Kühnheit seines Gegners, findet der Asura Wohlge-
fallen an ihm, wobei ihm dann das Gedächtnis früherer Geburten zu teil wird. Er er-
innert sich, daß er in seiner fünftletzten Geburt der Täpasa Kausika gewesen sei, und
daß ihn Vajrodara (Vajrasena), der in dieser Geburt König Yasodhana war, um sein An-
sehen gebracht, Dhanamitra aber (jetzt Bhavisyadatta) ihn glimpflich behandelt habe.
Wegen seines angeborenen Hasses habe er Yasodhana verschlungen. Er schließt mit
Bhavisyadatta Freundschaft und vermählt ihn mit der schönen Bhavisyänurüpa. Das Paar
lebt in Freuden und Überfluß zwölf Jahre zusammen (V).
Hier Ù¦vird nun das Pancami-vrata in Verbindung mit der Legende gebracht, in der
die verschiedentlich wiederkehrende Zahl fünf offenbar auf das Gelübde des Fünften hin-
weisen soll. — Kamalasri ist in Verzweiflung wegen des langen Ausbleibens ihres Sohnes.
Ihre Freundin Suvratä empfiehlt ihr die Ausübung des Pancami-Gelübdes; dadurch werde
sie sicher die glückliche Heimkehr ihres Sohnes bewirken. Und Kamalasri tritt das Ge-
lübde an. Sie wird von Suvratä zu einem Muni gebracht, der ihr verkündet, daß ihr Sohn
lebe und glücklich sei; der König würde ihm die Hälfte des Reiches abtreten, und sie
selbst würde einst den Titel Rani führen. Nachdem noch die Sorge Dhanapatis und die
Gewissensqual der Sarüpä geschildert sind, kehrt die Erzählung zu dem Paare in Tilaka-
dvipa zurück. Bhavisyänurüpä fragt ihren Gatten nach seiner Herkunft und seinen Er-
lebnissen, was sie schon immer habe tun wollen, aber im Genüsse ihrer Vereinigung zu
tun versäumt habe. Indem nun Bhavisyadatta ihr von sich und den Seinigen erzählt,
erfaßt ihn heftiges Heimweh. Um eine etwaige Abreise vorzubereiten, wenn ein Schiff
anlangen sollte, schafft das Paar Tag für Tag viele Kostbarkeiten nach dem Strande,
besonders auch einen wunscherfüllenden Edelstein (?) Nägamudrä und bergen alles dort im
Walde unter einem Baume, auf dem sie eine Flagge heißen1). Als sie nun einstmals in
jenem Jasminboskett saßen, langte gerade die wiederum nach Madanadvipa verschlagene
Flottille Bandhudattas an. Die an Land gegangenen Leute merken die Flagge, sehen das
Paar und berichten darüber an Bandhudatta. Dieser geht auf das Paar zu und erkennt
zu seiner großen Bestürzung Bhavisyadatta, der ihn aber freundlich aufnimmt. Es gelingt
jenem, trotz allem Vorhergegangenen und den Warnungen der Bhavisyänurüpa, sein ١٢er-
trauen wiederzugewinnen. Die Ankömmlinge werden bewirtet und reichlich beschenkt (VI).
Bhavisyadatta läßt seine Schätze auf die Schiffe verladen, und schon ist alles zur Abfahrt
bereit, da erinnert sich seine Frau der unter dem Baume verborgenen Nägamudrä und
؛) Dies pflegten Schiffbrüchige zu tun, um vorbeifahrende Schiffe zu Hülfe zu rufen, wie auch in
der Samaräiccakahä erzählt wird.


Abhandlung. 3. Die Bhavisattakaba.

schickt ihn dahin, um das Vergessene zu holen. Bei seiner Rückkunft sind aber die Schiffe
schon weit vom Strande; die Seeleute wollen zwar umkehren, aber Bandhudatta verhindert
es: Bhavisyadatta hätte seine Frau ihm abgetreten; wenn er mit ihnen in die Heimat
zurückkehre, würde dieser sich für frühere Unbill rächen. So setzen die Schiffe die Fahrt
fort. Unterwegs macht Bandhudatta der Bhavisyänurüpa Anträge, die sie zornig zurück-
weist. Die Meergöttin erscheint, die See ist in Aufruhr, ein Sturm erhebt sich. Die
Reisenden flehen Bhavisyänurüpa um Gnade an. Durch ihre Vermittlung tritt Ruhe ein
und die Fahrt kann fortgesetzt werden. Endlich landen die Schiffe. Man rüstet sich zur
Landreise, die glücklich von statten geht. Am Ufer der Yamunä macht man Halt und
sendet Boten in die Stadt (VII). Während Sarüpä durch unglückliche Vorzeichen beun-
ruhigt wird, verkündet ein Bote die Ankunft der Karawane. Dhanapati vernimmt die
frohe Botschaft und teilt sie dem Könige mit. Auch Kamalasri faßt neue Hoffnung. Ein
glänzender Empfang wird den Heimkehrenden zu teil. Bandhudatta wird von seinen An-
gehörigen in seinem Hause begrüßt; die aus dem Palankin absteigende Bhavisyänurüpa
wird von den Weibern umringt und als die neue Schwiegertochter zu Sarüpä geführt;
aber sie grüßt Niemand und redet kein Wort. Bandhudatta entschuldigt ihr Benehmen
mit Heimweh und läßt sie in ein Gemach bringen, wo die Weiber sich vergeblich um sie
bemühen: alles vermehrt nur ihren Kummer, so die allgemeine Freude und der Eintritt
des Frühjahres. — Als Kamalasri erfährt, daß ihr Sohn nicht unter den Heimgekehrten
sei, fragt sie diese vergeblich nach ihm aus. Bandhudatta sagt ihr zwar, daß er auf einer
Insel zurückgeblieben wäre und in einigen Tagen nach Hause kommen würde; sie aber
vermutet ein Unglück und gibt sich ihrem Schmerze hin, worüber sich die Bürger ihre
eigenen Gedanken machen und auch Dhanapati bedenklich wird. Sarüpä glaubt, daß ihr
Sohn ihren ihm vor der Abreise gegebenen Rat befolgt habe, und fragt ihn darüber aus.
Er antwortet aber ausweichend: Bhavisyadatta wäre aus Neid und Mißgunst nicht mit-
gekommen. Dieses Gespräch hatte Bhavisyänurüpa vom Söller aus gehört, sie beschließt
aber keinen Familienskandal zu verursachen und lieber sich das Leben zu nehmen, wenn
ihr Gatte nicht in einigen Tagen zurückkomme. Kamalasri wird von ihrer Freundin
Suvratä zu ..einem Muni geführt, der sie mit der Voraussagung tröstet, daß ihr Sohn am
30. Tage, Vaisäkha su. di. 5, ankommen und die Hälfte des Reiches erhalten werde.
Sie zählt die Tage bis dahin ab, entschlossen zum Feuertode, wenn ihr Sohn in der an-’
gegebenen Frist nicht zurückkehre. — Sarüpä versucht vergeblich, mit Bhavisyänurüpa
zu einer Aussprache zu gelangen. Ihr Sohn vertröstet sie damit, daß alles nach der
Hochzeit sich geben werde. Diese wird daher mit Eifer vorbereitet. Bhavisyänurüpä er-
fährt, welchen Vorsatz Kamalasri gefaßt hat, und kommt zu demselben Entschluß (VIII).
Der Yaksafürst Mä٠ibhadra erinnert sich jetzt des einst ihm von dem Indra gegebenen
Auftrags, den Bhavisyadatta in seine Heimat zu bringen. Er erscheint vor diesem im
Tempel Candraprabhas und sagt ihm, in welchem Auftrage er komme. Auf sein Gedenken
erscheint sein Vimäna, den beide mit vielen Kostbarkeiten beladen und dann selbst besteigen.
Dies geschah an dem vorausgesagten 30. Tage. Als Kamalasri und ihre Freundin in der
letzten Nachtwache der Rückkehr Bhavisyadattas harren, da landet plötzlich der Vimäna
im Hofe ihres Hauses, und bald liegen Mutter und Sohn einander in den Armen. Nachdem
der ١٣aksa verabschiedet ist, erfährt Bhavisyadatta von seiner Mutter, daß sein Stiefbruder
schon seit einem Monat heimgekehrt sei und eine schöne Braut mitgebracht habe, die aber
2*


،٠٨ 12
Bhaviaattakaha
kein Wort rede und unaufhörlich weine. Jetzt eben solle die Hochzeit gefeiert werden.
Daraufhin macht Bhavisyadatta dem Könige seine Aufwartung und bittet ihn um Schlich-
tung eines Rechtsstreites, den er mit einem Bürger der Stadt habe; außerdem wünscht er,
immer ungehindert beim Könige Zutritt zu bekommen. Beides wird ihm vom Könige
zugesagt. Dann begibt er sich wieder zu seiner Mutter, die eine Einladung zu Bandhu-
dattas Hochzeit erhalten hatte und schwankt, ob sie ihr folgeleisten solle. Ihr Sohn
verrät ihr nun, daß jene Braut seine Frau sei, die Bandhudatta ihm hinterlistig geraubt
habe, und erzählt ihr alle seine Erlebnisse. Dann schenkt er ihr kostbare Kleider und
Schmucksachen, mit denen angetan sie sich in das Haus ihres Gatten begibt. Dieser fühlt
bei ihrem Anblick seine frühere Neigung zurückkehren; Sarüpä aber schließt aus ihrem
Schmuck und Auftreten, daß Bhavisyadatta zurückgekehrt sein müsse. Von Beiden höflich
empfangen, geht Kamalasri auf die Braut zu. Diese erkennt aus dem Schmuck, wer sie
sei, und fragt sie nach der Rückkehr ihres Sohnes. Über diesen plötzlichen Wandel im
Benehmen der bis dahin stummen Braut sind Sarüpä und die Weiber nicht wenig erstaunt.
Als dann die Toilette der Braut gemacht ١vird, kehrt Kamalasri zu ihrem Sohne zurück (IX).
Dieser begibt sich zum Könige und bittet ihn, Dhanapati und Bandhudatta vorladen zu
lassen. Ein Kammerherr wird zu jenem abgesandt; der aber ist gerade mit der Hochzeit
beschäftigt und antwortet, er würde nach derselben kommen. Bhavisyadatta erklärt nun,
daß seine Angelegenheit eben mit jener Hochzeit Zusammenhänge. Der König schickt
deshalb eine schroffe Aufforderung an Dhanapati, unverzüglich zu kommen. Dieser gerät
in jähen Schrecken und fragt Bandhudatta, ob er sich vielleicht in der Fremde etwas
habe zu schulden kommen lassen, worüber der Fürst zürne; sie wollten zu ihm gehen
und seine Gnade erflehen. Bandhudatta aber vermutet, daß einer von den 500 Kaufleuten,
unzufrieden mit seinem Gewinnanteile, beim Könige sich beklagt habe; er ١vürde ihn schon
zum Schweigen bringen. So gehen sie mit großer Begleitung in die Audienz, wo Bhavisya-
datta sich noch im Hintergründe verborgen hält. Bandhudatta tut sehr selbstbewußt:
sein Gegner solle sich melden, er werde ihm seine Niedertracht schon heimzahlen. Da
tritt Bhavisyadatta hervor, und wie ihn Bandhudatta erkennt, erbleicht er und wagt nicht,
ihm ins Antlitz zu sehn. Ebenso verwirrt werden die 500 Kaufleute, als sie vorgeführt
٦verden. Der König ist entrüstet und fährt sie hart an; Bhavisyadatta aber legt Fürbitte
für sie ein. Etwas besänftigt verlangt der König von ihnen Bericht über den wahren
Sachverhalt. Diesen statten auch die zwei Ältesten ab, ohne aber das Geheimnis betreffend
Bhavisyänurüpä zu verraten. Nun bezeugt der König dem Bhavisyadatta seine Hoch-
schätzung; er läßt ihn neben sich auf dem Throne Platz nehmen und rühmt ihn vor der
Versammlung. Auch die Königin wird ihm wohlgesinnt, und ihre Tochter Sumiträ ihm
vom Könige verlobt. Dhanapati und Bandhudatta werden in Gewahrsam genommen, ihr
Haus unter Siegel gelegt, Sarüpä ausgewiesen. Dann befragt der König die Stadthäupter,
welche Strafe jene Beiden verwirkt hätten. Diese wollen möglichst glimpflich verfahren
und raten deshalb, daß dem Bhavisyadatta das, was ihm gehöre, zurückgegeben werde,
Bandhudatta aber seine Hochzeit feiern solle. Bhavisyadatta ist damit einverstanden, wenn
vorher die Ansicht der Reisegefährten über die Heirat gehört würde. Diese bedingen
sich Straflosigkeit aus und enthüllen nun den wahren Sachverhalt in Betreff Bhavisyänu-
rüpäs. Darüber gerät der König in großen Zorn und läßt Dhanapati und Bandhudatta
in Ketten legen. Die Bürgerschaft billigt aber nicht die Bestrafung Dhanapatis, und auch


Abhandlung. 3. Die Bhavisattakaha.
13*
Bhavisyadatta eiklärt, nicht ohne deren Zustimmung sich beruhigen zu können (X).
Wie dei’ König durch seine Späher erfahrt, sind die Burger über die Bestrafung Dhana-
patis so erregt, daß sie auszuwandern drohen. Darum nimmt der König ihn wieder in
Gnaden auf, verbannt aber den Bandhudatta, der mit SarUpa zum Könige von Potanapura
flieht. — Bhavisyadatta wünscht, daß seine Frau von jedem Verdachte dei’ Untreue ge-
reinigt werde. Durch eine List gelingt es zwei schlauen Frauen, Bhavis nurupas Unschuld
und Treue durch ihr Benehmen allen vor dem Könige Versammelten über jeden Zweifel
sicherzustellen. — Dhanapati und Kamalasri kehren wieder in ihre Wohnung zurück. Auch
Bhavisyadatta und seine Frau genießen ihre Vereinigung nach so langer Trennung (XI).
Der König gibt Bhavisyadatta seine Tochter Sumitra zur Frau und macht ihn zum
yuvaraja. Kamalasri führt das Pancami-Gelubde zu Ende durch. — Es wird dann er-
zählt, wie sie dem Dhanapati grollt, wie Bhavisyanurupa aus Eifersucht auf Sumiträ sich
zu jener gesellt und beide bei Haribala Wohnung nehmen. Die Versöhnung beider Frauen
mit ihren Männern, weit ausgesponnen, füllt den bei weitem größeren Teil des 12. Ka-
pitels (XII).
5. So weit der erste Teil der Bhavisattakaha: ein romantisches Epos oder ein Roman,
in dem die Welt geschildert wird, wie sie vom Standpunkte des jainistischen Kaufmanns
ei’scheint. Es ist, was natürlich in dem Auszug nicht ZUI’ Geltung gelangen kann, erfolg-
reich versucht, die Handlung psychologisch zu motivieren, das Wunderbare zu erklären
und die Charakteristik der Hauptpersonen natui’getreu zu gestalten. Sieht man aber von
den erotischen Elementen und der Kunst des Dichters ab und faßt man nur die Grund-
linien der Erzählung ins Auge, so erscheint als ursprünglicher Kern ein Märchen von
wunderbaren Abenteuern des Helden, der zum Schluß nach Märchenart eine Prinzessin
heimführt: ein Märchen durchaus dem indischen Typus dieser volkstümlichen Literatur-
gattung entsprechend. Zwar ist mir keine indische Parallele zu unserer Erzählung bekannt,
wohl aber lassen sich solche zu einzelnen Motiven anführen. So hören wir auch in der
12. Vetala-Erzählung von einer verlassenen Stadt, in' welcher der Held ein einsames schönes
Mädchen findet (Katha Sar. Sag. 86,93 ff.). Und ebenso wird ebendaselbst 67,100 f., allei’-
dings mit andern Umständen, erzählt, daß der Held am Gestade des Meeres zurückbleibt,
während das Schiff, auf dem seine Geliebte sich befindet, in See geht. Der die Einwoliner
dei’ Stadt vei’schlingende Asura geht wohl in letzter Linie au؛' den . Raksasa Baka des
Mahabharata zurück.
Die Erzählung ist zwar ganz in jainistischem Sinne ausgeführt, abei’ sie ist dai’um
doch nicht eine Erfindung der Jainas. Dies wird durch die sonderbare Rolle, welche der
Yaksafürst Mä hhadra (auch Mäflesara genannt) in der Geschichte spielt, wahrscheinlich
gemacht. Bhavisyadatta schläft im Tempel des Candraprabha; dei’ Indra ٤) des höchsten
Kalpahimmels erscheint, um ihm zu helfen, und stellt MaÙ ibhadra als seinen Schutzgott an.
Dieser erinnei’t sich erst nach 12 Jahren seines Amtes und bringt Bhavisyadatta in dessen
Heimat zurück. Beidemale tritt Maiibhadra im Tempel des Candraprabha auf. Da liegt
nun die Vermutung nahe, daß in dem ursprünglichen Märchen es Mä hhadra selbst wai’,
1) sÙ¥ fasse ich seine Benennung als Acyutanatha, Acyutasvargasuadhipa (74, 11) auf. Ù  Jedoch
heißt ei nach 326,8. 349,8 Vidyutprabha, obschon er als Indra streng genommen Acyuta heißen müßte,
da die Indras nacli Tattrthadhigama Sutra IV 6. 20 com. wie ihre Kalpas genannt werden: sarva-
kalpeu svakalpahvah!


14*
Bhavisattakaha
der nicht nur im zweiten Falle, sondern auch im ersten dem Helden zu Hülfe kommt,
und daß er ursprünglich die Gottheit war, der der Tempel geweiht war, in dem beides
stattfand. Daß die Jainas den Tempel zu einem Jainatempel machen mußten, ist selbst-
verständlich; ebenso ist es begreiflich, daß ihnen ein Yaksa doch zu niedrig schien als
Berater ihres Helden, und sie dafür den Herrn des höchsten Kalpahimmels einführten.
Ma٠ibhadra wird öfters in der epischen und der Erzählungsliteratur erwähnt; ihm waren
Tempel geweiht K. S. S. 13,165 und galt er nach K. S. S. 121,3. 19 als jüngerer Bruder
Kuberas, wovon das ältere Epos allerdings nichts weiß, obschon die Familienbeziehungen
des Kubera (Vaisrava^a) im VII. Buch des Rämäyapa ausführlich erzählt werden. Im
Nala 12,130 sch١vört der Karawanen führer bei Ma٠ibhadra. Auch Bhavisyadatta ist ein
särthaväha und würde als solcher unter dem Schutze Manibhadras stehen. So wäre es
ganz begreiflich, daß der Held des Märchens in einen Tempel Manibhadras gekommen
und von diesem Schutzgott reisender Kaufleute in seine Obhut genommen worden wäre.
Wenn also hier der Überarbeiter in jainistischem Sinne änderte, so finden sich an einer
andern Stelle Spuren eines andern als des in der vorliegenden Gestalt durchgeführten Zu-
sammenhangs. Nach unserm Dichter faßt Dhanapati gegen seine Gattin Kamalasri durch
den Einfluß des k arm an eine unüberwindliche Abneigung. Als nun diese zu ihren Eitern
kommt, macht ihr Vater Bemerkungen, aus denen hervorgeht, daß Dhanapati mit der
Tochter Dhanadattas schon verlobt ist (28,7. 8). Aber nach 31,3 ff. tritt er erst später
mit ihr in Verbindung. Das sieht aus, als wenn im Märchen Dhanapati die Kamalasri
verstoßen hätte, weil er in die schöne Sarüpä verliebt war. Dann wäre er aber als
Schuldiger erschienen, was zu der Rolle, die ihm der Überarbeiter zudachte, nicht paßte.
Bei der Erweiterung des Märchens zum Roman mußte denn auch das Wunderbare,
was so recht ein Element des Märchens ist, möglichst herabgetont werden. Daher der
Versuch, das Eingreifen höherer Gewalten in den Gang der Ereignisse irgendwie zu moti-
vieren. Dazu stand den Jainas ein all vermögendes Mittel zur Verfügung: Beziehungen
der betreffenden Personen in früheren Existenzen. So kommt der Acyutanätha dem Bha-
visyadatta zu Hülfe, ٦veil er in einer früheren Existenz mit ihm (damals Dhanamitra)
befreundet gewesen war, und der Asura Asanivega verschlingt den König Yasodhana, weil
dieser in früherer Existenz (als Vajrodara) ihm großen Schimpf angetan hatte, und aus
dem umgekehrten Grunde schont er Bhavisyadatta. Vielleicht hätten solche Andeutungen
für den Roman in seiner ersten Form genügt; sie gaben aber einen willkommenen Anlaß,
die ausführlichen Vorgeschichten in einer Fortsetzung des Romans nachzutragen, die den
dritten Teil unseres Werkes bildet.
6. An den ersten romanhaften Teil der Bhavisattakaha schließt sich ein zweiter
kriegerischen Inhalts; er beschreibt den Kampf zwischen Kurujängala und Potanapura,
die als die beiden Vormächte des nördlichen Indiens erscheinen. Da nun Potanapura in
den Sagen der Jainas eine berühmte Stadt, dieser Name aber den übrigen Indern voll-
ständig unbekannt ist, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der Stoff des zweiten
Teiles einen Jaina zum Urheber gehabt haben muß. Eine erstaunliche und zugleich ver-
wirrende Eigentümlichkeit dieses zweiten Teiles ist, daß in ihm nicht in klarer Weise
dargelegt wird, wer die Parteigänger auf der einen und der andern Seite sind. Ich bin
im Zweifel darüber, ob die der Sage zugrunde liegenden politischen Verhältnisse dem
Dichter selbst nicht mehr recht klar waren, oder ob umgekehrt den Zuhörern die Ver-


Abhandlung. 3. Die Bhavisattakaha.
15*
hältnisse so bekannt waren, daß der erste Dichter (ein Vorgänger Dhanapälas) sie nicht
in geordneter Weise auseinanderzusetzen brauchte. Jedenfalls können wir uns nur durch
Vergleichung und Prüfung der zerstreuten einschlägigen Stellen einigermaßen eine Über-
sicht über die Partei Verhältnisse verschaffen, die den geschilderten Kämpfen zugrunde liegen.
Auf der einen Seite sind die Kurus die führende Macht1); ihr König ist Bhüpäla
und der Heerführer ist Bhavisyadatta. Mit ihnen sind die Pancälas verbündet unter ihrem
Könige Pihumai (Prthumati?) und die Matsyas (Maccha und Miccha) unter Hariväha؟ia.
Unentschieden erscheint zuerst der Kacchädhipa (Lohajangha 246, 9. 10), er tritt aber
230,11 offen als Vasall des Kurukönigs auf. Außerdem werden noch zwei Pärvatapatis
232,9 genannt, also zusammen fünf Vasallen (panca sämanta 232,10). Jedoch begegnen
uns auch Pärvatas auf der gegnerischen Seite, 227,3. 258,4. Um welche Völker handelt
es sich hier? Zunächst fragt es sich, in welchem Lande der Kacchädhipa herrscht. Er
gilt als ein Fürst von ausschlaggebender Macht 223,8. 9, weshalb an Cutch am Bann
of Cutch nicht zu denken ist. Für Kaccha findet sich auch die Form Kacchava 246, 9.
Ob das wohl mit Käsyapa zusammenhängt und auf Kashmir hin deutet?2) Pärvata scheint
eine allgemeine Bezeichnung von Bergvölkern zu sein, woraus sich dann auch erklären
٦vürde, daß Fürsten derselben3) auf beiden Seiten der Kämpfenden erscheinen. — Was nun
die Gegner der Kurus betrifft, so ist das Haupt derselben der König von Potanapura.
Diese Stadt, wie schon gesagt, ist in der Sage der Jainas ebenso berühmt, wie in der
Literatur der übrigen Inder unbekannt. Sie scheint mit Taksasilä identifiziert werden zu
müssen. Meine Gründe dafür sind folgende: In 249,6 wird der König von Potana als
zur Nachfolge Vähuvalis gehörig bezeichnet. Bähubali, ein Sohn des ersten Tirthakaras
Rsabha und jüngerer Bruder des ersten Cakravartins Bharata (in Ayodhyä), ٦var nach
Trisasti Sal. pur. car. I 5,25 König von Taksasilä; ebenso nach dem 4. Uddesao des Pauma-
cariya. Aber eine Hd des letztgenannten Werkes, die eine etwas abweichende Bezension
enthält, hat an allen Stellen (4,38.40. 41) Poyanapura statt Takkhasilä. Vermutlich ge-
hört hier der Name Potanapura der Digambara-Tradition an und ist in der der ؛؛vetäm-
baras durch Taksasilä vertreten; doch sind mir jetzt keine Digambaraquellen zugänglich,
wodurch diese Frage entschieden werden könnte. — Was mich aber an der Identifikation
von Potanapura mit Taksasilä wieder irre macht, wenigstens so weit unser Werk in Be-
tracht kommt, ist, daß darin zweimal (242,9. 248,2) das feindliche Heer als Säkeya-
narinda-sinnu bezw. Sakkeya-jöha bezeichnet wird, also doch wohl als das Heer, bezw.
؛) In 173,11. 12 werden viele Stämme genannt, aus denen Große im Dienste Bhüpälas stehen; sie
sind aber darum nicht als Vasallenstaaten der Kurus anzusehen, weil es bei manchen wie Gurjaras
Gaudas Lätas Kannädas schon an sich unmöglich wäre und die einzigen von ihnen, die im Kampfe
später genannt werden, die Abbhottas auf Seite der Gegner der Kurus stehen.
2) Im Paumacariya 98,46 werden Länder genannt, welche Lava und Kusa besiegen: Ähira-Voya-
Javanä Kacchä Saga-Kirälä (Kerälä v. 1.) ya Nemälä (Nepälä), und im folgenden Verse die Kasamira.
Nach Trisasti-٠3al. pur. car. I 3,93. 370 nehmen mit Rsabha dessen Hauptbegleiter die Könige Kaccha und
Mahäkaccha, zusammen Diksä.
3) Einer derselben auf der Seite der Kurus, das Haupt der Khasas, tritt in 222 auf und wird als
Mandalapati und Pärvataghana bezeichnet. 231,6.7 werden die Fürsten von Simhapura und Käntipura
aufgeführt; wahrscheinlich sind damit die 232,9 genannten zwei Pärvatas gemeint. Simhapura ist wahr-
scheinlich eine Bergstadt im Norden (Salt Range), die auch Hiuen Thsang kennt, und Käntipura könnte
die gleichnamige Stadt in Nepal sein.


16*
Bhavisattakaha
die Krieger von Säketa d. h. Ayodhyä1). Bei der Unklarheit aber, mit der Dhanapäla.
wahrscheinlich nach den von ihm benutzten Quellen, die Bündnisse der beiden Parteien
behandelt, wäre es doch denkbar, daß Ayodhyä ein Bundesgenosse und nicht das Haupt
der feindlichen Partei gewesen wäre. Ist ja schon im Rämäyana die Verbindung Ayodhyäs
mit den Kekayas westlich von der Öatadrü (II 71,2) feststehend. Jedenfalls gehören, ١vie
wir gleich sehen werden, die übrigen Verbündeten von Potanapura dem äußersten Westen
und Norden Indiens an.
Der König von Potanapura heißt Avanindra, Avanisvara und Mahipäla. Er nimmt
nicht selbst an dem Kampfe teil, sondern sein Sohn, dessen Name nicht genannt Ù¡vird,
steht an der Spitze des Heeres. Als sein mächtigster Vasall erscheint Citränga, König
der Sindhus (218,11), Sohn Mrgendrakandharas. Zu ihm tritt über Anantapäla, König
von Campä. Da er 225,7 Pavvaya und 227,3 Pavvaya-narinda, also ein Pärvata genannt
wird, so kann mit Campä nicht die bekannte Stadt der Angas gemeint sein; wir haben
vielmehr an Campä im Himälaya, das jetzige Chamba zu denken, dessen Einwohner nach
Räjatar. VIII 1531 einen Übeln Leumund hatten. Endlich treten noch als Hülfstruppen
die fabelhaften aus dem Mahäbhärata bekannten Völker des Himälaya auf: Ekapädas,
Kar٠apravara٠as, Särdülavadanas, Närasimhas. Dazu kommen noch die Abbhottas2), wo-
hinter ich den Namen der Tibeter Bhautta vermute.
Dies also wäre, soweit ich die konfuse Darstellung Dhanapälas entwirren kann, die
Gruppierung der Völker in dem Kampfe zwischen Kurujängala und Potanapura. Es
scheinen sich darin Verhältnisse wiederzuspiegeln, die lange vor der mohammedanischen
Zeit bestanden haben mögen.
7. Der Hergang des Kampfes ist nun kurz folgender. Citränga, der König der
Sindhus, wird von dem schon in Pancäla mit dem Heere stehenden Sohne des Königs von
Potana an den Kurukönig Bhüpäla gesandt, um seine Unterwerfung und die Auslieferung3)
seiner Tochter Sumiträ und der Bhavisyänurüpä zu fordern. Anantapäla unterstützt die
feindliche Forderung, kommt in Streit mit Bhavisyadatta, wird vertrieben und vereinigt
sich mit Citränga, der abschlägig beschieden wird. Bhavisyadatta wird zum Heerführer
der Kurus ernannt (XIII). Es kommt zur Schlacht, in der die Feinde besiegt werden.
Der König von Potana verzweifelt schon und befiehlt durch einen Boten seinem Sohne,
sich zu unterwerfen. Dieser weigert sich aber, dem Befehl seines Vaters zu folgen, und
erneuert mit den fabelhaften Hülfsvölkern aus dem Himälaya den Kampf. Dieser wogt
lange hin und her, bis er zuletzt durch Bhavisyadatta entschieden wird, der den feind-
٤) Ayodhyä heißt bei den Jainas auch Vinitä. Daß Säketa und Potana verschiedene Städte sind,
erhellt zweifellos aus Pauriaacar. 86,2. — Potana ist die Residenz des l.Väsudeva Triprstha (Trisasti Öal.
pur. car. IV 1); aber aus Hemacandras Erzählung ergeben sich keine näheren Anhaltspunkte über dessen
Lage. In Betracht kommen nur v. 159. 764.
2) 173,11 werden die Abbhottas zusammen mit den Jattas und Jälandharas genannt. Die Jäts
sitzen westlich von Delhi hauptsächlich in Rohtak und Hissar, aber auch in Bikaner; die Jälandharas
Ù¡veiter nordwestlich.
3) Dieses wird nicht begründet; da aber 197,10 nebenher gesagt ist, daß der verbannte Bandhu-
datta seine Zuflucht zum Könige von Potana genommen und demselben alles mitgeteilt habe, so wird
man annehmen dürfen, daß er in einer älteren Quelle als derjenige hingestellt worden war, der aus
Rache die ganze kriegerische Verwicklung ins Werk gesetzt hatte. Im Bhavisyadatta car. entflieht
übrigens Bandhudatta zum Könige der Andhra.


Abhandlung. 3. Die Bhavisattakaha.
17*
liehen Heerführer lebend gefangen nimmt. Darauf ergeben sich die Feinde, deren Führer
gefesselt werden (XIV).
Bhavisyadatta ٦vird zum Thronfolger geweiht, mit der Prinzessin Sumiträ vermählt,
mit der Hälfte von Kurujängala belehnt und fürstlich ausgestattet. Es wird dann weiter
überlegt, ١vas mit den gefangenen Fürsten geschehen solle. Schon soll der Beschluß sie
umzubringen ausgeführt werden, da kehrt ein Spion aus Potanapura zurück und berichtet,
daß der König, aller Machtmittel entblößt, gänzlich gebrochen sei. Darauf ٦vird der erste
Beschluß zurückgenommen; die gefangenen Fürsten werden in Freiheit gesetzt und erklären
sich als Vasallen des Kurukönigs. Reich beschenkt und geehrt werden sie in ihre Heimat
entlassen (XV 1—9).
Der zweite Teil zieht uns bei weitem weniger an als der erste, der auch außer der
Fabel selbst durch die manchmal recht realistische Schilderung der Jaina Kaufleute in
ihrem Leben, Denken und Fühlen unser Interesse erregt. Hier dagegen trägt der Dichter
mehr oder weniger geschickt ausgeführte Phantasiebilder vor, die wie zahlreiche ähnliche
Kampfschilderungen in der nachepischen Literatur nach den bekannten Mustern im Rämä-
ya؟ia und Mahäbhärata gearbeitet sind. Denn daß der Dichter beziehungsweise ein älterer
Vorgänger desselben beide Epen gekannt hat, geht daraus hervor, daß die Reinigung der
Bhavisyänurüpä vom Verdachte der Untreue dem bekannten Motiv im Rämäyana offen-
sichtlich nachgebildet ist, und daß er dem Mahäbhärata die Kunde von den fabelhaften
Völkern des Himälaya verdankt.
8. Der dritte Teil der Bhavisattakaha enthält die Geschichte der Hauptpersonen in
früheren Geburten und in den späteren bis zu ihrer Erlangung von Moksa, wie das nun
einmal in Jaina-Erzählungen hergebrachte Sitte ist. Wir machen drei Abschnitte, von
denen die beiden ersten je eine Vorgeschichte und der letzte die späteren Geburten ent-
halten. Eingeleitet wird der erste Abschnitt folgendermaßen:
Bhavisyänurüpa hat während ihrer Schwangerschaft das heiße Verlangen, im Tempel
Candraprabhas in Tilakadvipa den Jina zu verehren. Während ihr Gatte noch über die
Schwierigkeit, ihren Wunsch zu erfüllen, nachdenkt, kommt Manovega, ein Vidyädhara-
fürst vom Vaitädhya, und bietet seine Hülfe an, wie ihn ein Muni geheißen habe. In
seinem Vimäna bringt er Bhavisyadatta und seine beiden Frauen nach Tilakadvipa (XV).
Dort verehren sie den Jina in dem Tempel. Nach der Opferung hören sie die Predigt
des Muni Abhinandana (XVI). Bhavisyadatta fragt ihn, weshalb Manovega für ihn ein
solches Interesse gezeigt habe. Der Muni erzählt nun die erste Vorgeschichte :
In Kämpilyä, Hauptstadt des Landes Pallava1), herrschte Indrapäda (?٠väu), seine
Frau hieß Gunamanjari. Sein Minister war Vimala bez. Vimalabuddhi. Dessen Gegner, der
Brahmane Väsava, hatte sich beim König in Gunst gesetzt, infolgedessen auch seine Frau
Sukesä2) (Sukeäi) und Tochter Trivedi3), die mit Agnimitra4) verheiratet ist, mit der Kö-
nigin befreundet, und seine Söhne Suväkya (Suväc) und Durväbya5) (Durväc) sowie sein
1J Kämpilyä ist die Hauptstadt von Süd-Pancäla; wie dies Land hier zu dem Namen Pallava
kommt, ist dunkel. Im Bhavisyadatta-carita heißt der König Mahänandana; die Stadt ist nicht genannt,
wenigstens habe ich sie nicht in meinen Auszug notiert. — Die abweichenden Namensformen füge ich in
Klammern bei.
2) Nachmals Bhavisyadattas Sohn Suprabha. 3) Nachmals Bh’s Tochter Sutärä.
4) Nachmals der Yaksa Mänibhadra. 5) Nachmals der Vidyädhara Manovega.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh. 3


18*
Bha١٢isattakaha
Schwiegersohn vom Könige unterhalten ١vurden. Als einst Bhima, König von Simhaladvipa,
Geschenke dem Könige geschickt hatte, empfahl ihm Väsava, Agnimitra mit der Dank-
gesandtschaft zu beauftragen. Der König befolgt diesen Rat, obschon sein Minister Vimala
es ٦vegen Agnimitras Unfähigkeit ١viderraten hatte. Darum zieht sich Vimala beleidigt
zurück; die Familie seines Gegners ist besorgt wegen des Ausgangs der Angelegenheit.
Da nun Agnimitra ungebührlich lange ausbleibt, so ergeht man sich in allerlei Mut-
maßungen, die Durväkya durch die Prophezeiung zu zerstreuen sucht, jener würde in zwei
oder drei Tagen ankommen. Vimala widerspricht ihm, und in einer heftigen Auseinander-
setzung verlangt Durväkya, daß derjenige von ihnen seine Stellung verlieren solle, der
falsch vorausgesagt habe. Der König entscheidet, daß ein Wahrsager befragt werden solle.
Beide gehen zu einem Ksullaka in einem Yaksatempel. Dieser verkündet, daß Agnimitra
die ihm anvertrauten Schätze durchgebracht habe und in 30 Tagen zurückkehren ٦verde.
Das trifft auch schließlich alles so zu. Der erzürnte König verbannt Väsava samt seiner
Familie und läßt Agnimitra ins Gefängnis setzen (XVII).
Durväkya klagt sein Unglück einem Jaina Ksullaka, der ihn aber zur wahren Er-
kenntnis bringt, worauf er die Weihe nimmt. Nach seinem Tode wird er im Sudharma-
himmel als Gott Somaprabha (Sasiprabha) wiedergeboren. Seine Mutter Sukesä wurde
Nonne und nach ihrem Tode als Gott Süryaprabha (Raviprabha) im ersten Himmel wieder-
geboren. Somaprabha wurde dann als Manovega, Sohn des Vidyädhara Marudvega (Väyu-
vega) in Akäsatilaka (Nabhastilaka) auf dem Vaitädhya (Vijayärdha) wiedergeboren, und
Süryaprabha sei, ١vie der Muni erklärt, der zukünftige Sohn Bhavisyadattas, den seine
Gattin noch in ihrem Schoße trägt. — Der Muni erzählt nun das Schicksal der übrigen
Personen. Suväkya ١vurde nach vielen Geburten eine Pythonschlange auf dem Berge Meru.
Trivedikä ging nach Kämpilyä und erwirkt vom Könige die Freilassung ihres Gatten Agni-
mitra. Dieser aber, des Lebens überdrüßig, beschließt, sich das Leben zu nehmen, seine
Gattin will sein Los teilen und so sterben beide den Feuertod. Nach einer Reihe von
Geburten wird Agnimitra jener Mänibhadra, der Bhavisyadatta in seine Heimat zurück-
gebracht hatte, und Trivedikä ١vird als Sutärä, Bhavisyadattas Tochter, wiedergeboren
Ù¡verden.
Nachdem der Muni seine Erzählung beendet hat, bringt Manovega den Bhavisya-
datta mit seinen Frauen nach Gajapura zurück. Im Laufe der Zeit gebiert Bhavisyänurüpä
vier Söhne: Suprabha, Kanakaprabha, Süryaprabha und Candraräsi, und zwei Töchter:
Tara und Sutärä; Sumiträ gebiert einen Sohn Dharanindra, und eine Tochter ٢Tärä
(XVIII 1-8).
Bei dieser ersten Vorgeschichte ist auffällig, daß sie eigentlich ganz überflüssig ist,
insofern die Personen, deren frühere Geburten hier in Zusammenhang gebracht werden,
in der Haupterzählung gar nicht Vorkommen, sondern erst im letzten Abschnitt, man darf
kaum sagen, eine Rolle spielen; ausgenommen den einen Mä٠ibhadra, von dem man am
wenigsten die Geschichte seiner früheren Existenz erwartet hätte. Über die früheren Ge-
burten derjenigen Personen, für welche der Leser oder Zuhörer ein Interesse gewonnen
hat, wird erst in der zweiten Vorgeschichte berichtet. Die erste ist wahrscheinlich ein-
geschoben worden, nachdem die zweite bereits mit dem eigentlichen Roman fest verbunden
war, und zwar vor dieser. Denn wenn eine unechte Episode im Epos oder eine unechte
Strophe in einem Dichtwerk eingelegt wird, so geschieht es durchweg vor der echten;


Abhandlung. 3. Die Bhavisattakaha.
19*
der Fälscher wußte wohl warum! Beachtens١vert ist auch, daß der Kern der Erzählung
gar nicht eigentlich jainistisch ist; sie scheint nicht erfunden für ihren jetzigen Zweck,
sondern dieser scheint eher ein Vorwand für ihren Einschub in die Legende. Anders ver-
hält es sich mit der anderen Vorgeschichte, die den zweiten Abschnitt bildet und dem Muni
Vimalabuddhi in den Mund gelegt wird. >
9. Dieser stieg einst, so fährt die Erzählung fort, im Parke von Gajapura ab. Der
König, Bhavisyadatta und die Seinigen wohnten der Predigt Vimalabuddhis bei (XVIII).
Dadurch innerlich heftig erregt, befragt jener den Muni nach seinen Taten in einer früheren
Geburt, denen er in seinem jetzigen Leben ein so günstiges Schicksal verdanke. Dieser
erzählt folgendes:
In Airävata, in der Stadt Arinagara herrschte König Mahodara, seine Frau war
Dharä; sein Minister Vajrodara1) und dessen Frau Vajrodarä hatten eine Tochter Kirti-
senä2). Diese war an einen liederlichen Mann3) verheiratet, der sie vernachläßigte. Sie
findet bei dem Täpasa Kausika4) religiöse Tröstung. Nun erblickt sie einst den Dhana-
mitra5), Sohn des Dhanadatta6) und der Dhanalaksmi7) und Gatten der Gunamälä8). Letz-
tere, eine Freundin Kirtisenäs, merkt deren Zustand und entlockt ihr das Geständnis ihrer
Liebe. Sie ist bereit, ihrer Freundin mit Rücksicht auf ihre hohe ١٢erbindungen beizu-
stehen ; diese aber lehnt tugendhaft ihre Dienste ab: sie wolle ihrer Liebe und dem irdischen
Glücke entsagen. Jene befördert aber doch eine reine Freundschaft zwischen ihrer Freundin
und ihrem Gatten, dem der Minister seiner Tochter zuliebe die Stelle des sresthin ver-
leiht. Dadurch gelangt Dhanamitra zu großem Ansehen in der Stadt. Er und Kirtisenä
verehren den Täpasa Kausika als ihren guru, wie denn auch der König und die Bürger-
schaft ihm anhängen. — Einst kommt der Jaina-Mönch Samädhigupta, und Vajrodara
führt ihm den König und seinen Hof zu. Sie ١vohnen der Predigt bei, welche die Zuhörer
für die Jaina-Religion gewinnt. Der Minister bewirkt, daß alle von dem Täpasa abfallen;
nur Dhanamitra und Kirtisenä werden ihrem guru nicht untreu (XIX).
Nandimitra9), ein Freund Dhanamitras, überzeugt diesen davon, daß es eine Sünde
sei, zur Nachtzeit zu essen, und bekehrt ihn so zur Jaina-Religion. Dhanamitra wiederum
gewinnt Kirtisenä für seinen neuen Glauben. So werden auch diese beiden von dem Tä-
pasa Kausika abtrünnig, der nun von allen verlassen einen grimmigen Haß auf Vajrodara
wirft. Er faßt den Vorsatz, daß, wenn er durch seine Askese ein Verdienst erworben habe,
dies ihn in Stand setzen möge, seinem Feinde den Untergang zu bereiten10). So wird er
٤) Nachmals Yasodhana. 2) Nachmals Bhavisyänurüpä. 3) Nachmals Bandhudatta.
4) Nachmals der Asura Asanivega. 5) Nachmals Bhavisyadatta. c) Nachmals Dhanapati.
ØŸ) Nachmals Kamalasri.
٥) Nachmals Sumiträ. Im Bhavisyadatta-carita weichen einige Namen ab: König Prabhanjana,
Königin Dharini, Minister Vajrasena (Gattin?). Kirtisenäs Mann heißt Öathakatha. Dhanabhadrä statt
Dhanalaksmi, Nandibhadrä statt Gunamälä. Daß Prabhanjana der richtige Name des Königs war, ersieht
man aus 320,9, wo Dhanapäla ihn so nennt. Er hatte in 303,5 den Namen in MahÖyara geändert, wohl
nur dem Reime mit Vajjoyara zuliebe!
9) Nachmals der Indra des Acyutahinimels, namens Vidyutprabha.
10) Es wird das technisch nidänam genannt und gehört zum ärtam dhyänam vgl. Tattvär-
thädhigama Sütra IX 34 ZDMG 60 S. 539. Dasselbe Moti١٢ ist von Haribhadra im ersten Bhava seiner
Samaräicca-kahä ausführlich behandelt, ja es bildet das Fundament derselben. Dort macht nämlich der
Täpasa Agnisarman aus Haß gegen König Gunasena das nidänam, ihn in künftigen Existenzen um-
3Ù 


20*
Bhavisattakaha
nach seinem Tode als der Asura Asanivega in Tilakadvipa geboren. Sein ehemaliger Feind
Vajrodara kam auf einem Feldzug um und wurde als König Yasodhana wiedergeboren.
Kirtisenä ist über den Tod ihres Vaters in maßlosen Kummer versetzt; Dhanamitra tröstet
sie. Nandimitra, der Mönch geworden war, stirbt durch Nahrungsenthaltung und wird
im 16. Himmel Acyuta als Gott Vidyutprabha wiedergeboren. Sofort nach seiner Ver-
körperung erforscht er, ٦voher er gekommen sei; da sieht er seine unbestattete Leiche auf
der Erde liegen, steigt hinab und erweist ihr die gebührende Ehre. — Auch Dhanamitras
Mutter Dhanalaksmi bekennt sich zum Jaina-Glauben, macht sich aber über die schmutzigen
Mönche lustig. Von Samädhigupta eines Besseren belehrt, übt sie später das Pancami-
Gelübde mit Zustimmung und Ermunterung von Dhanamitra und Kirtisenä. Dhanadatta
und Dhanalaksmi werden nach ihrem Tode als die Eltern Bhavisyadattas wiedergeboren.
Dhanamitra wird vom Blitz erschlagen und als Bhavisyadatta wiedergeboren. Seine Frau
Gunamälä und seine Freundin Kirtisenä jammern über seinen Tod. Erstere wird Nonne
und wird als Sumiträ wiedergeboren; letztere stirbt aus Kummer und wird als Bhavi-
syänurüpa wiedergeboren. Ihr liederlicher Gatte ist in seinem nächsten Leben Bandhu-
datta (XX).
10. Hier endet die zweite Vorgeschichte. Es liegt auf der Hand, daß sie eine jai٦
nistische Erfindung ist. An derartigen Vorgeschichten ist die Erzählungsliteratur der
Jainas überreich. Meistens sind sie klägliche Erzeugnisse einer dürren Pfaffenphantasie.
Aber auch wenn sie sich über dieses niedrigste Niveau erheben, wie die uns hier beschäf-
tigende, so reicht doch gewöhnlich die Erfindungsgabe des Autors nur so weit, daß er die.
Personen einer Geschichte in der von ihm erfundenen Vorgeschichte in ähnliche Verhält-.
nisse zusammenbringt wie in jener, wodurch dann das Spätere seine Begründung in dem.
Früheren zu haben scheint. Nach einem zuweilen viel versprechenden Anfang verläuft
doch meistens alles nachher im Sande, wie hier.
Man beachte, daß der Bearbeiter der Legende auch die Aufgabe hatte, das Pancami-
Gelübde zu verherrlichen, der er aber hier nur in sehr dürftiger Weise Rechnung ge٦
tragen hat.
11. Der letzte Abschnitt endlich führt den Bericht über die Geschicke der Haupt-
personen, wie das nun einmal bei den Jainas herkömmlich ist, bis zu deren endgültiger
Erlösung. Sein Inhalt ist kurz folgender:
zubringen, und führt diesen Vorsatz achtmal aus, was in den weiteren acht Bhavas der Samaräicca-kahä.
erzählt wird. Dies Werk genoß bei den Jainas des höchsten Ansehens, wie es denn auch von Hema-
candra im Kävyänusäsana (Kävyamälä Nro. 70, S. 340) als Muster der sakalakathä genannt wird. Es٦
wäre daher nicht zu verwundern, wenn spätere Schriftsteller ihm manche Anregungen verdankten. Nun
findet sich das oben erzählte Grundmotiv der Samaräicca-kahä wieder in der romantischen Geschichte
vom vierten Cakravartin Sanatkumära, die nach einer unbekannten Quelle inhaltlich übereinstimmend
von Devendragani (Ausgew. Erzählungen in Mähärästri, S. 20 ff.), von Hemacandra (Trisastisaläkapurusa-
carita IV 7) und von Haribhadra im Neminähacariu erzählt wird. In diesem Falle ist die Entlehnung
dadurch beinahe sichergestellt, daß ein böser Täpasa, der aber hier nicht das nidäna macht, sondern die.
Rache vollzieht, ebenfalls Agnisarman heißt. Dadurch gewinnt auch die Annahme Wahrscheinlichkeit,
daß der Bearbeiter der Bhavisatta-Legende, der ihr die zweite Vorgeschichte hinzufügte, das Nidäna-
Motiv der Samaräicca-kahä entlehnt habe; die sich hieraus ergebenden chronologischen Folgerungen sind;
schon oben, S. 6*, ausgesprochen worden.


Abhandlung. 4. Über die Handschrift und die Umschreibung des Textes. 21 ‘
Durch die Reden Vimalabuddhis erschüttert, beschließt Bhavisyadatta Mönch zu werden.
Schon erwarten die Vasallen Thronstreitigkeiten zwischen Suprabha und DharaØŸiindra,
dessen Söhnen von Bhavisyänurüpä und Sumiträ; statt dessen zeigt sich ein Wettstreit
ihres Edelmutes. Suprabha wird der Nachfolger seines Vaters; Bhavisyänurüpä und Kama-
lasri nehmen ebenfalls wie Bhavisyadatta die Weihe (XXI). Nach ihrem Tode werden alle
drei im 10. Himmel als Götter ١viedergeboren: Kamalasri als Prabhäcüda, Bhavisyänurüpä
als Ratnacücla und Bhavisyadatta als Hemängada. Sie steigen zur Erde hinab, um die
Stätten zu besuchen, wo sie einst gelebt hatten; ٠ sie sehen einige ihrer Freunde und An-
gehörigen wieder. Als sie aber nach einer Spanne Zeit wiederum dorthin kommen, sind
auch jene schon alle dahingeschwunden. Von den dreien verschied zuerst Prabhäcüda und
Ù¦vurde als Suvasumdhara, Sohn des Gandharven-Kaisers, wiedergeboren; die beiden anderen
wurden dessen Söhne Nandivardhana und Srivardhana. Diesem übergab er zuletzt die
Regierung, um Mönch zu werden. Er erlangte das Kevala und mit dem Tode die Er-
lösung. — Seine beiden Söhne sahen einst, wie ein Jäger einen Gazellenbock, der in der
Begattung begriffen war, erschoß. Hierdurch zur Weltabkehr gestimmt, nahmen sie die
Weihe. Nach einem frommen Leben erlangen auch sie die Erlösung.
Die beiden letzten Gesänge dienen der Verherrlichung des Pancami-Gelübdes. Darauf
daß, wie oben erzählt, Dhanalaksmi dies Gelübde ausgeübt, dazu ermuntert von Dhana-
mitra und Kirtisenä, wird es zurückgeführt, daß diese drei Personen in vier Existenzen
miteinander verbunden waren und zuletzt die Erlösung erlangen konnten.
12. Zum Schlüsse fasse ich zusammen, was sich uns über das allmähliche’Zustande-
kommen des Gesamtinhalts ergeben hat. Den Kern bildete ein volkstümliches Märchen.
Dieses wurde zu einem Roman ausgearbeitet. Ob dabei schon ein Jaina die Hand im
Spiele gehabt hat, läßt sich nicht ausmachen; sicher ist dies aber bei der Zufügung des
zweiten Teils, der von dem Kriege gegen die Kurus handelt. Indem nun diesem Roman
die Tendenz, das Pancami-Gelübde zu verherrlichen, gegeben wurde, wurde er zu einer
Jaina-Legende, der dann die zweite Vorgeschichte angehängt wurde, frühestens gegen
Ende des 9. Jahrhunderts, ferner der Bericht über die schließliche Erlösung der drei Haupt-
personen. Dieser Stoff ist mehrfach behandelt worden, und die Bhavisattakaha ist keinesÙ©
falls die erste, wenn auch wahrscheinlich eine frühe Bearbeitung.
4. Ãœber die Handschrift und die Umschreibung des Textes..
Ehe ich die Sprache der Bhavisattakaha behandle, muß ich über die Handschrift
und die Orthographie eingehenderen Bericht geben. Denn da schließlich alles auf einer
Handschrift beruht, so kommen ihre Eigentümlichkeiten bei der Entscheidung nicht nur
textkritischer, sondern auch mancher grammatischen Fragen gar sehr in Betracht.
1. Die mir von Pannyäs Guläb Vijaya geliehene Handschrift enthält 67 Blätter
et١ya 27 : 12 Zentimeter, auf weißlichem Papier außerordentlich gleichmäßig und deutlich
geschrieben, 16 Linien zu 50 bis 56 Aksaras auf der Seite. Die Anzahl der Granthas
(zu 32 Aksaras) wird auf 3000 angegeben, muß aber nach meiner Berechnung wenigstens
400 mehr betragen. 18 Blätter und die letzte Seite hatte ich in Indien abschreiben können,
die übrigen 48 Blätter ließ Dr. Doshi in Ahmedabad auf seine Kosten photographieren


22*
Bhavigattakaha
und schickte mir zwei Abzüge im Sommer 1914, wofür wir- ihm zu großem Danke ver-
pflichtet sind. Ich bezeichne diese Hd mit A. — In den ersten Tagen nach Ausbruch
des Krieges erhielt ich eine zweite Hd auf 86 Blattern, die nur eine Abschi’ift von A ist,
offenbar für mich angefei’tigt. Sie ist eine genaue Kopie von A nach dem makika-
pratimaksikam-Prinzip. Dies Verhältnis kann man auf Schritt und Tritt feststellen
und auch noch direkt sehr augenscheinlich dartun. Es hat nämlich der Schreiber von A
auf s. 43 b in der Mitte der Seite in acht Linien einige Aksaras weiter auseinandei’ge-
schi’ieben und in die Zwischenräume Linien eingezeichnet, wodurch in der Mitte der Seite
eine symmetrische Figur entsteht, wie das oft in Jaina Hdd meist aber mit mehr Ziel’-
lichkeit und Geschick gescliieht, als es dem Anfertigei’ unserer Hd gelungen ist. Der
Schreiber von B liat auch dies genau kopiert, indem’er auf s. 56 b zwischen denselben
alaras Zwischenraum ließ؟ aber die Figur steht nun nicht in der Mitte dei’ Seite, sondern
ist nacli oben gerückt zui’ größei’en Hälfte auf der l’echten, zui’ kleinei’en auf dei’ linken
Seite des Blattes! Die Linien in den Zwischenräumen sind allei’dings weggelassen, weil
durch die Verschiebung und Halbierung keine l’echte Figur entstanden sein würde.. Ge-
legentlich kommen Abschreibefehler -in B VOI’, die icli jedoch nui’ da notiere, wo etwas
nicht in Oi’dnung ist. Jedoch muß der Schreiber von B für die ersten Blatter noch eine
andei’e Hd zu Hülfe gezogen haben; denn in B findet sich zweimal (5,8 und 39,8) eine
in A ausgelassene Zeile und in 32, 5 ein ausgelassenes Wort. Weitei’ aber hat diese Hd
gai’ keinen selbständigen Wert, und wird in dei’ Folge nui’ von A die Bede sein.
2. Unsere Hd hat alle Eigentümlichkeiten dei’ Jainaschrift: die Zeichen fül’ ttha
und ccha, für tta ttha ddha, fernei’ für ddha und ttha sind einandei’ sehr ähnlich und
können leicht verwechselt werden؟ bei ccha und ttha ist die Verwechslung so häufig, daß
ich sie nur dann notiere, wenn das betreffende Wort unklar ist1). Wie in den meisten
Jaina Hdd oft im Prakrit ya fül’ i geschrieben wird und umgekehrt, so auch in unserei’
Hd, was aber immei’ in den Noten vermerkt wird. Außerdem hat unsere Hd noch folgende
Eigentümlichkeiten die zumteil Besonderheiten der Digambara-Schrift sein mögen. 1. Fül’
ha wird fast immer va geschrieben, selbst vhha fül’ bbha. 2. ru sieht beinahe wie 1 aus
und letzteres ist leicht mit tu zu verwechseln. 3. la und ja sind einander sehl’ ähnlicli.
4. 0 wird mit dem bekannten Jainazeichen, u mit einem senkrechten Strichlein oben, ge-
schrieben; in ein-igen Fallen aber mit einem Zeichen, das wie rjja aussieht. 5. Das Zeichen
für jjha ähnelt sehr einem sa. — Endlich sei .noch dai’an ei’innert, daß in Prakrit Hdd,
und daher auch in unserei’, in Konsonantengruppen aus Nasal j- Konsonant dei’ Nasal
durch Anusvara ausgedi’ückt wil’d, außei’ in nn und mm (woneben öfters mm erscheint).
Ich schreibe statt des Anusvara n vor Gutturalen Palatalen Dentalen, n vor Lingualen,
m VOI’ Labialen (wie ich es auch dei’ Einfachheit lialbei’ im Sanski’it tue): also nk usw.,
aber mv, das für mb steht und als solclies im Glossai’ eingeordnet ist. Von ■nw ist wohl
zu untei’scheiden mv, womit in dei’ Hd oft V wiedergegeben wird, z. B. tamva.
3. Was nun die Orthogi’aphie betrifft, so ist zwischen den Prakrit- und Apabhransa-
Bestandteilen zu untei’scheiden (vgl. unten 7, 2). Bei ersteren herrscht die in den Jaina
Hdd übliche Orthographie, weshalb hiei’ nicht nähei’ darauf eingegangen zu werden braucht.
Ù¦) In vielen Prakrit-Hdd wird nevaccha und nevattha (= skr. nepathya) geschrieben, und
hatte ich mich bisher für nevaccha entschieden. In unserem Text muß aber nevattha geschrieben
werden, weil es 129, 8 mit parivattha reimt.


Abhandlung. 4. Über die Handschrift und die Umschreibung des Textes. ؟٤٠؛
Dagegen erfordert die Orthographie der Apabhramsa-Bestandteile unsere besondere Auf-
merksamkeit. Es handelt sich um die im Apabhramsa häufigen kurzen Vokale e und o,
sowie um den Anunäsika. Da die Devanägari-Schrift keine besondere Zeichen für kurzes
e und o hat, so werden diese Laute bald als e ö mit Vernachläßigung der Quantität, bald
als i u mit Vernachläßigung der Qualität je nach Laune des Schreibers wieder gegeben.
Ferner setzt unsere Hd (wie alle Präkrit Hdd mit sehr wenigen Ausnahmen) den Punkt
des Anusvära sowohl für den eigentlichen Anusvära, durch den die betreffende Silbe pro-
sodisch lang wird, als auch für Nasalierung des Vokals, die seine prosodische Quantität
unverändert läßt, und die ich Kürze halber als Anunäsika bezeichnen will. Da nun in
unserem Text die Quantität der Silben in jedem einzelnen Falle durch das Metrum genau
bestimmt werden kann, so habe ich sie in der Umschrift auch stets angedeutet. Die Länge
des Vokals wird durch das Längezeichen ausgedrückt; e und ö sind die langen, e und o
die kurzen Vokale. Ebenso unterscheide ich in der Umschrift Anusvära und Anunäsika,
die in der Hd beide durch den Punkt über dem aksara geschrieben werden; ersteren
gebe ich durch m wieder, letzteren durch das über den Vokal gesetzte Zeichen (~). Da-
durch wird zwar Deutlichkeit erreicht, aber es erhebt sich eine neue Schwierigkeit hin-
sichtlich der Apabhramsa-Endungen bei der Wahl zwischen e und i, o und u, wenn die
Grammatik und die Schreibweise der Hd sich widersprechen. So lautet der Akkusativ der
a-Stämme nach Hemacandra auf u, wie auch unsere Hd nach Konsonanten regelmäßig
schreibt; bildet aber die Endung für sich eine Silbe (z. B. bei den durch a erweiterten
Stämmen), so wird u geschrieben oder o, das nach Hemacandra aber nur im Nominativ
berechtigt ist. Die Endung des Gen. sing. fern, ist nach Hemacandra he, die Hd hat
fast nie he, sondern hi, und oft hi, welches letztere sicher fehlerhaft ist, da in der Sprache
die Nasalierung der Genitivendung nicht begründet ist. Leider bringt auch der Reim in
solchen zweifelhaften Fällen keine Entscheidung, wie sich aus Folgendem ergibt. Die
Endung der masc. a-Stämme im Gen. sing, ist nach Hemicandra ho, und so schreibt auch
unsere Hd. Aber dieses ho reimt zweimal mit dem äm der 2. pers. imper. 147,3. 188,13;
und mit pahu (prabhu) 175,11. 12. 310,12. 13. Ebenso entscheidet der Reim nicht, ob
eine Silbe nasaliert ist oder nicht; so reimen 176,9. 10 bhau (bhayam) mit hau (aham),
von denen ersteres den Anunäsika nicht haben darf, letzteres ihn aber haben muß; ähn-
lich reimen 95,9. 10 vihi und nihT.
So ١١7erden wir durch die unzulängliche Orthographie der Hd in peinliche Verlegen-
heit versetzt. Ich habe mich aus derselben durch ein etwas gewaltsames Mittel zu retten
versucht, nämlich durch die Einführung einer gewissermaßen historischen, d. h. der von
Hemacandra geforderten Orthographie der in Betracht kommenden Apabhramsa-Endungen,
wobei aber die Schreibweise der Hd in jedem Falle klar erkennbar bleibt. Soll nach
meiner Ansicht ein handschriftliches i als e gelesen werden, so schreibe ich e mit dem
Zeichen der Kürze; ebenso schreibe ich o, wo die Hd u statt eines von der Grammatik
geforderten o hat. Umgekehrt schreibe ich u, wenn die Hd o statt u hat. Schreibt die
Hd Anusvära, wo er nicht hingehört, so deute ich ihn durch ein oben rechts gesetztes
ldeines n an, z. B. gai", wenn gai gelesen werden soll und die Hd gaim hat; so schreibe
ich hen, wo he für handschriftliches him gelesen werden soll. Glaube ich umgekehrt den
Nasalvokal statt des einfachen der Hd setzen zu sollen, z. B. Ù¢ statt i, so setze ich den
einfachen Vokal in Exponentenform zu dem nasalierten, also ¿٠. Desselben Mittels bediene


24*
Bhavisattakaha
ich mich, wenn ein Endvokal vom Schreiber überhaupt falsch gesetzt worden ist. Endlich
schreibe ich e für zm der Hd, wo ich glaube ein kurzes nasaliertes e (also in metrisch
kurzer Silbe) annehmen zu sollen.
Durch die Einführung der angegebenen Bezeichnungen hoffe ich, den Text in gram-
matischer Beziehung für den Leser klarer gemacht zu haben. Ein weiterer Vorteil ist,
daß die Noten auf das geringste Maß beschränkt sind, indem fast nur die wirklichen Text-
verderbnisse in ihnen vermerkt zu werden brauchten.
Was die Umschreibung des Sanskrit im Glossar und in der Abhandlung betrifft, so
gebe ich auch den gutturalen und palatalen Nasal durch einfaches n wieder, also nk nc
nj jn, weil seine Qualität niemals zweifelhaft ist.
5. Abriss der Grammatik.
A. Lautlehre.
§ 1. Wollte man aus unserem Texte eine Lautlehre der in ihm enthaltenen Sprache
^zusammenstellen, so würde sie zum größeren Teile eine Lautlehre des Prakrit sein؟ denn, wie
unten (7,2) ausgeführt wird, ist die Mehrzahl der Wörter bezw. Wortstämme ohne weiteres
.aus dem Pkrit übernommen ). Nur insoweit als unser Text Erscheinungen bietet, die
in gleicher Weise nicht im Prakrit Vorkommen, oder die als dem Apabhrana eigen an-
-gesehen werden müssen, sollen sie hier behandelt werden. Eine Lautlehre des Apabhrana
ist eigentlich ein Unding, da dei’ Apabhrarnsa keine natürlich gewachsene Sprache ist;
ØŸersteht man aber darunter die Sprache, die dem Apabhrarnsa sein charakteristisches Ge-
präge gegeben hat, so reicht die Anzahl der beglaubigten Apabhrarn a-Wörter auch nicht
-dazu aus, eine Lautlehre jener Sprache zu geben. Was aus diesem Material etwa er-
-schlossen werden kann, hat Pischel in seiner Pkritgrammatik zusammengestellt. Nui’
.eine Beobachtung sei hier noch nachgetragen. In vielen Wörtern wird auslautendes ٠
zu u (Pischel, P.G. § 106). Dieser Wandel unterbleibt, wenn das Wort hinten einen Zu-
-satz enthält, tasya wird tasu; daneben kommt tasai vor, das für tasu ji steht, ebenso
tetthai jetthar für tetthu ji usw. In diesen Fällen ist ein enklitisches Wort angetreten;
-eine Ableitungssilbe finden wir in tettahe von *tettu = tatra, wofür Hem. IV 404
tattu lehrt; ebenso sind ettahe und jettahe zu erklären.
§ 2. Es ist vielleicht nicht überflüssig daran zu erinnern, daß die Jainas im Prakrit
übei’haupt die ya-sruti schreiben. Sie erscheint daher auch in unserem Texte, und zwai’
.nicht nur nach a und ä (worauf ihn manche Prakrit Hdd beschränken), sondern nach allen
Vokalen ziemlich regelmäßig; nur nach uüö erscheint öfters a ä neben ya ya, worauf
wir im folgenden Paragraphen zurückkommen. Da dieser dünne ?/-Laut dem a inhäriert,
-SO muß er natürlich verschwinden, wenn ein anderei’ Vokal an die Stelle von a tritt, also
gaya = gaja und gata, aber gau = gatah, und gainda = gajendra.
§ 3. In unserem Texte findet sich eine der ya-äruti ähnliche Erscheinung, die man
-nach ihrer Analogie va-sruti nennen könnte, wenn nicht das V sich aus dem vorher-
1) Gelegentliche Sanakritizismen sind nicht ausgeschlossen, wie apa gga = apavarga, apa-
hattha = apahasta.


Abhandlung. 5. Abriß der Grammatik. A. Lautlehre.
25*
gehenden Vokal statt aus dem a, bezw. durch dessen Einsatz-Artikulation entwickelte.
Folgt nämlich auf ein w, ü oder ö ein a-Laut, so kann zwischen beiden Vokalen ein v
als Hiatustilgei’ auftreten; z. B. suva neben sua und suya = suta und sruta, muvai
von ٦/muc, uvahi = udadhi; bhüva neben bhüa = bhüta; jövai und jöai ،sehen’.
Der Willkür des Schreibers scheint die Wahl der Form überlassen; so steht 167,9 juvalau
und zwei Zeilen ٦veiter juyalau. Wahrscheinlich hat der Dichter in den meisten Fällen
das v auch da gesprochen, wo es in der Schrift fehlt. Das läßt sich aus Reimen wie
den folgenden wahrscheinlich machen: sambhüaT— rüvaT 109,7; hüaT—SarüvaT
209,12; SarüvahT—parihüyaT 102,1; bhüahä— rüvahä 350,8; virüvao — sam-
bhüau 102,2. Offenbar wurde in diesen Fällen bhüva bezw. hüva gesprochen, wie es
auch 176,2 in dem Reime düau — hüvao geschrieben ist. Aber auch berechtigtes v von
rüpa ist in der Schrift ausgelassen in dem Reime sambhüyahä— virüahä 37,7, wo
wahrscheinlich beide Wörter m٤t v gesprochen wurden. Ähnliche Erscheinungen im Reime
kommen bei ö vor; kövä reimt mit löyä 237,8; löyanaT mit ukkövanaT (utkopana)
167,13. 14, während 78,26 löyanaT und ukköyapaT geschrieben ist, was wie der eben
erwähnte Fall sambhüyahä — virüahä zu beurteilen ist. Daß der Dichter 1wirklich
lövapa und nicht löyana in diesen Fällen sprach, sieht man aus 20,2, ٦vo löyanu mit
jovvaiiu reimt.
Ein solches hiatustilgendes v enfovickelte sich nicht nur vor ،z, sondern es muß auch
in bhüem bez١v. hüem gesprochen worden sein, da dieses Wort dreimal mit rüvem
reimt 65,1. 78,18. 285,9. 10.
Außer den im Vorhergehenden schon genannten AVörtern findet sich dieses eu-
phonische v noch in folgenden: am suva, Kuruva, pasuva, vahuva (durch a erweiterte
^-Stämme); kancuva = kancuka, juva uvajuva von yuta, bhuva = bhuja, huvaya
١= bhüta, huvavaha =. hutavaha, huväsa = hutäsa, gandhovaya = gandhodaka.
In ruvai (rövai) und ullöva = ulloca findet es sich auch im Präkrit.
Umgekehrt wird tihuaria = tribhuvana ohne v ٦vie stets im Präkrit geschrieben,
ebenso der Eigenname Bhavisänurüa = Bhavisyän urüpa, obgleich hier ein v ety-
mologisch berechtigt wäre.
Endlich beruht auf der Auslassung eines v nach n auch die Schreibweise suaranta
70,11 statt suvaranta i. e. suvaranta für sumaranta = smaran; vgl. § 5.
Ob die schwache Aussprache des v, die in den eben besprochenen Fällen wohl voraus-
zusetzen ist, seine Unterdrückung in Fällen, wo es hätte stehen sollen, und seine Ein-
schiebung, wo es etymologisch nicht berechtigt ist, veranlaßt hat, wage ich nicht zu
entscheiden. Es ist nicht nur in kuiya = kupita ausgefallen, sondern auch in bhävem
(im Reime mit äem) 300,2, sahäem, sahäyaho, päivi, parihäivi, lihäivi (§42).
Umgekehrt ist es eingeschoben in rava für raya = rajas, kheviya = khedita,
uvveva = udvega; letzteres schon im Präkrit, vgl. Hem. IV 227.
§ 4. In einem auffälligen Gegensatz zu dem Einschub eines euphonischen v hinter
einem ،Laut ist das Schwinden eines v, sowohl eines ursprünglichen als des aus b und p
im Präkrit erst entstandenen, vor einem w-Laut. Diese Erscheinung ist im Präkrit be-
kanntlich von einer gewissen Regelmäßigkeit. Im Apabhramsa hat dieselbe Lautregel
zur Folge, daß ganz allgemein der Nom. Acc. sing, der masc. und neutr. Stämme, die auf
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh. 4


26*
Bhavisattakaha
I endigen, statt auf I auf u ausgehend. Ich habe folgende Falle von Nom. und Acc.
notiert: ahau von ahava, ucchau von utsava, parihau von paribhava, saipbhau
von saipbhava, bhau von bhava, pahau von prabhava, sahau von svabhava, rau
von rava, lau von lava, VasauvonVasava, vandhau von bandhava, deu von deva,
Siu von Siva; ferner ahiu von adhipa, ma du von mandapa, kalau von kalapa,
pa u von pratapa, pau von papa, sau von ^apa, diu von dvipa. Eine Ausnahme
bildet nivu von nrpa.
§ 5. Wie das V VOI’ dem u des Nom. Acc. sing, der masc. und neutr. «,-Stamme
schwand, so auch, wenn auch nicht so durchgehend, das m in demselben Falle: duggau
von dui’gama, saipgau von saipgama, samagau von samagama, niyau von niyama,
ujjau von udyama, pancau von pancama, pai u von praräma, näü von nama,
thau von Präkrit thama (= sthana), kheu von ksema. Gegenbeispiele sind paramu
saipgamu, samagamu, duggamu.
Die Erklärung dieses Lautwandels wui’de schon oben gegeben, wo über die Präkrit’
form Jaupa für Yamuna die Rede war. Für duggamu trat nach § 9 duggamu, wo
dann das V vor u nach der obigen Regel § 4 schwand, wahrscheinlich zuerst mit Hinter-
lassung der Nasalierung des vorhergehenden Vokals, wovon aber in der Schi’ift keine Spur
zurückgeblieben ist. Del’ Ausfall von m vor u zeigt ferner bhauha 78,16 für bhamuhä
= bhru, das im Hala belegt ist. Außerdem ist er zu erschließen in vivaramuhu 194,14,
wo es mit Kusumauhu reimt؟ es scheint also dort vivarauhu gespi’Ochen worden zu sein.
§ 6. Eine ähnliche Rolle als Hiatustilger scheint auch h gespielt zu liaben. Unser
Text schreibt immer vicchoya vicchoiya, während Hem. DK VII 62 vicchoho gibt؟
f'ür sahu schi’eibt er einigemale sau sau.
§ 7. Ein unserm Texte eigentümliches Lautgesetz ist, daß die :Endsilben ¿١ hi, u, hu,
ohne Rücksicht auf ihre Bedeutung, nasaliert werden können, wenn die vorhergehende
Silbe mit n, nn, nn, ' oder MW anlautetØŸ z. B. in der 3. sing, supaT, bhapai, mannai
avagannai, gammai, summa!ØŸ imLoc. sing, navamai, dahamai; in der 2. sing. analiiÙ£
viyapahi, mannahl, avagannahl, ramahl, khamahi; im Acc. sing, niliiØŸ im Nom.
Acc.sing, näü, l’äpaü, blianiu, manniu, bhamiu, khamiu؟ imNom.plui’.fem. saunnaüy
paripunnau; in der 2. plui’. nisupahu, im Nom. sing, samuhu, parammuhu, etc.
Die Hd,schreibt den Anusvara in solchen Fällen meistens, läßt ihn aber auch manchmal
aus؟ so steht z. B. 213,5 khamiu kliamiu nebeneinander. Wenn man nun erwägt, daß
uns nur eine Hd ZUI’ Verfügung stellt und sie wie alle Hdd in der Weglassung oder Setzung
des Anusvara nicht peinlich genau ist (vgl. das in Abschnitt 4,3 über die Sclireibung dei’ Endung
des Gen. sing. fern, hiip statt hi Gesagte), so ist es eher zu verwundern, daß das angegebene
Nasalierungsgesetz doch mit großer Sichei’heit erkannt werden kann, und bin ich geneigt
es für streng verbindlich zu halten unter gewissen Bedingungen, die sich nocli nicht ge-
nauer erkennen lassen. Nach meinem Eindruck werden die Endsilben i hi u hu dann
davon getroffen, wenn sie nicht zum Stamm gehören؟ jedenfalls maclien die meisten zwei-
1) Die Regel wird im Nominahacariu nicht beobachtet؟ ich habe einige Fälle notiert: nara-
hivu 33, sacivahivu 76, tanubbhavu 45, saipbhavu 111, sabbhavu 60. 112, lavu 64, vandhavu
68, usavu 68, sacivu 70. 85. 114, payavu 61, nivu 61. Die Zahlen beziehen sich auf die Strophen.


Abhandlung. 5. Abi’iß der Grammatik. A. Lautlehre.
27*
silbigen Wörter wie nai nau mai mai mahi mahu؛) eine Ausnahme (aber nau). —
Das Nasalierungsgesetz beruht auf der Aussprache und zeigt, daß diese auf die Orthographie
in der Bhavisattakaha einen maßgebenden Einfluß hatte, wohingegen die Sprache des
Nminahacariu zu einei’ Buchsprache erstarrt ist, wie ihr denn auch das Nasalierungs-
.gesetz gänzlich fremd ist.
§ 8. Die Nasalierung tritt im Apabhraipsa statt des Anusvara in einigen Endsilben
nach Hemacandra IV 411 meistens in den Endsilben um hn him km ein. In unsei’m
Texte ist der Sachverhalt der, daß nur em im im Insti’. sing, der Stamme masc. neutr.
in dei’ Regel und am in jam tarn immer den Anusvara haben, also prosodisch lang sind.
Die Endung des Instr. plui’. hat einige Male echten Anusvara und zwar nur am Ende
jambisch schließender Verszeilen (210,1.2. 213,1.2. 229,1. 2. 233,1. 2. 241,1.2. 242,1. 2.
244,1. 2. 250,3. 4. 252,1.2), sonst ist sie immei’ kurz, also A¿; ebenso ist das K dei’
3. plur. immer prosodisch kurz, desgleichen ha im Gen. plur. und 1. plür., ü in dei’ 1. sing,
und ع in dei’ Endung des Nom. Acc. plui’. neuti’.2). Im Wortinnei’n tritt metri causa fül’
Anusvara dei’ Anunasika ein, der dann meist niclit geschrieben wil’d, in Vadhuyatta
neben Vandhuyatta und sihasa٠a fül’ sihasana.
§ 9. Ich habe schon mehrfach auf den im Apabhran a häufigen Wandel eines intei’-
volalischen m zu V Bezug genommen (Hem. IV 397). Hiei’ soll dei’ in unsei’m Text vor-
liegende Tatbestand ei’öi’tei’t werden. Die Hd schi’eibt nie وة, sondei’11 bietet dafür mv, V,
I odei’ m. Ähnlich sclion bei Hemacandi’a emva emvai emvahl, jima tima jema
tema, welche viel’ letzteren Wörter nur im Kommentar zu dem zitiei’ten Sutra jiva ti^a
je^a te^a geschrieben werden, sonst aber mit m. — Die Schi’eibweise mit mv in jamva
tamva jamvahi zeigt, daß die Doppelkonsonanz nur gi’aphisch ist, weil sonst davoi’ dei’
lange Vokal nicht stehen durfte؛ mv steht 'also für V. Dieser Laut ist aber von V so wenig
verschieden, daß beide im Reime einandei’ entspi’echen können. So 1’eimt 255,10 emva
mit deva, 219,6 evva mit savaleva, kema 249,7 mit seva und 271,10. 11. 317,8 mit
deva. Folgende Reime zeigen besagten Lautwandel in gemeinen Pkritwörtern: kumara
(lies kumara) —avara 346,10; sanibhamai (lies saipbha^ai) —taiubbhaväi 239,11;
vibbliama (lies vibbha a) —ta hbhava (geschrieben ta٠ubbhama!) 331,8. Auch
in solchen Wöl’tei’n findet sich die Schreibweise mit mv; kumvai’a 203,8; samvario
(geschi’ieben sampario!) 126,6; bhamvanu = bhramaija 233, 5. öfters ist V ge-
schrieben: kunkuva = kunkuina, nivisa = nimisa, bhavanta = bhramantah 180,10 ;
davaijaya = damanaka; savana = sramana, savanna = sämanya; saipjavai
von sam ٦ ب/yam; ujjavana = udyamana; pavä٠a = prama a. Umgekehi’t findet
sich m für V geschrieben, das also ii’rtümlich nasaliert gewoi’den sein muß: simii’a =
sibira, pihimipala = prthivipala. — über vivaramuhu im Reim mit Kusumauhu
194,14 ist oben § 5 gehandelt worden).
1) 158, 4 ist mahu geschrieben.
2) Hemacandra lehrt für den Apabhrarpsa nur im IV 353, aber für das Prakrit iin und ، III 26.
ن) Mit dem nasalierten V scheint der Wandel von vi (= api) in mi zusammenzuhängen. Für
unsern Text gilt beinahe als Regel, daß mi nach nasaliertem Endvokal steht. Besonders spricht für die
Regel, daß es immer vinni vi oder ve vi = dvav api, aber vihl mi = dvayor api heißt, und daß
beim Pronom. ind. vi nach reinem Vokal steht: 'ko-vi, ka-vi, kena-vi, kaho-vi etc., aber immer mi
in kahl mi, kai mi. Verstoße gegen die Regel kommen vor, wenn auch nicht gerade häufig, und sind


28*
Bhavisattakaha
§ 10. Im Apabhramsa ist Quantitätswechsel des auslautenden Vokals von Nominal-
stammen in der Deklination ins Belieben gestellt nach Hemacandra IV 330. Diese Regel,
wird durch unsei’n Text bestätigt. Der kurze Vokal ist darin im Allgemeinen bevorzugt
auch bei den Feminina (die daher im Glossar mit kui’zem Vokal aufgeführt und durch
die Zufügung von تم. als Fern, gekennzeichnet werden); doch findet sich auch der lange
Vokal, beim Anti’itt von Endungen namentlich am Ende trochäisch schließender Vers-
Zeilen. Es handelt sich um die Endungen ahl ahl, ehi ehi ihl, eÙ a ena iria, aT aT,
äo au ao au, 10 io, ae ae, ie ie.
Ferner lehrt Hemacandra IV 410, daß e und 0 nach Konsonanten meist kurz seien.
Es handelt sich wohl um diese Vokale im Auslaut und in den eben angegebenen End-
silben. Damit stimmt unsei’ Text; die Hd schreibt dann allei’dings meist i und u (nur ho
oft im Gen. sing, dei’ masc. neuti’. Stämme). Weiter bezeugt Hemacandra einen Wechsel
von ج und i durcli Aufstellung der Doppelformen ema ima, kema kima, tema tima
(IV 401), und der Absolutiva auf evi und ivi (IV 439 f.). Hiermit ist unsei’ Text in
vollständiger Übereinstimmung.
§11. Langer Endvokal erscheint statt des gewöhnlich kurzen unter metrischem
Zwange. Der Nom. sing, der masc. Stämme und der Gen. sing, lauten dann auf ö bzw.
ho aus, wofür sich zahlreiche Belege in den Anfangsstroplien der einzelnen Lieder in den
Sandhis XII—XIV finden. Auffällig ist abei’, daß auch unzweifelhaftes u nicht zu ü,
sondern zu ö verlängert wird: pävahö für pavahu 2. plur. 205, 6; nandao für nandau
3. sing. imp. 205,28; pankao für pankau acc. sing. 207,12. Man darf vielleicht daraus
schließen, daß schon die kurzen Vokale einander zum Verwechseln ähnlich waren, und
daß bei dei’ Verlängerung wie bei a zu ä eine weitere Öffnung des Mundes eintrat.
Ähnliches bei i im Verhältnis zu e. So ist das Futurum auf esai durch ;Ersatzdehnung
aus isyati entstanden, und in veraya ist e eine Verlängerung von i in viraga. Sonst
erscheint öfters e neben i in der 3. sing. act. und pass, pavae und pavijjae 205,7. 22; hier
liegt natürlich nicht einfache Verlängerung vor, sondern Nachwirkung‘ der medialen En-
dung te. Verlängertes i liegt in icchasi 205,13, karevi 31, 2 vor; verlängertes u kann
in 205,29 bei tasu jasu aus dem Metrum erschlossen werden.
Der Auslaut der Instr. Endung ist verlängert am Ende jambisch schließender Zeilen,
z. B. in narindiia 239,1; statt dessen nimmt sie den Anusvara in tainam 246, 1.
Soll die Endung hl verlängert werden, so tritt hirn ein, vgl. § 8. — Verlängerung in
der Fuge des Kompositums: janta-kamm’antaru, bhaviya-yaia = bhavyajana.
§ 12. In andei’en als den besprochenen Fällen kommt Quantitätswechsel besonders
bei a sporadisch VOI’ und steht mit ähnlichen Erscheinungen im Prakrit auf gleiclier Linie.
Verlängert ist a in parampara, sasura, niravaraha, uvahasai, verkürzt ist ä in
k ara neben kumara, pahana neben pahaija = päsä٠a, va٠ijja = vanijya,
karaiu 289,1 für kära٠u, saipbhalai neben saipbhalai, samaladdha = samalabdha,
vielleicht den Abschreibern schuld zu geben. — Der Wandel von vi zu mi scheint sich nun so vollzogen
zu haben, daß kahl vi zu kahl ^i wurde, worauf dann, wie in anderen Fallen, m für V substituiert
wurde. Auffälligerweise kommt in Hemacandras Beispielen nur vi vor. — Ob die Veränderung von
piva = iva im Präkrit zu miva auf Einwirkung des Apabhrana beruht, wage ich nicht zu ent-
scheiden, miva findet sich im Hala 7mal, Setubandha 24 mal, Gaudavaha keinmal; die Zahlen für
piva sind 7. 0. 29.


Abhandlung. 5. Abriß der Grammatik. A. Lautlehre.
29*
payahivam für payahi؟iam = pradaksivam — z ist verkürzt in niya = nita,
piya = pita. Über Verkürzung von i vor ٢bhü in der Zusammensetzung siehe § 18.
§ 13. Über die Veränderung der Qualität der Vokale ist aus unserem Texte wenig
anzumerken; die Regel Hemacandras IV 329 trifft für ihn wenigstens in größerem Maße
nicht zu. In den meisten Fällen handelt es sich um Wörter, die in der veränderten Form
bereits im Präkrit Vorkommen und daher hier übergangen werden können. Außerdem
finden sich liha für leha — lekhä, mahutta neben muhutta = muhürta, saurisa
für suurisa = supuru^a. uddhara für uddhura 35,7 ist vielleicht nur verschrieben.
Eigentümlich ist piyamma für pemma = preman. — In 4,3 steht kaehT= kavibhih
im Reime mit samcaehT, aber kaihT mahäsaihi reimend 3,4. Vielleicht ist die Schreib-
weise kaehT für kaihT auf Rechnung des Schreibers zu setzen; denn der unreine Reim
l—e ist nicht zu beanstanden, vgl. disai — karesai 19,5 sesu— sisu 244,6.
§ 14. Kontraktion zweier auf einander folgender a-Vokale liegt vor in ujjhä für
ujjhäya = upädhyäya, bhadärä für bhacläraya, vaddhävä für vaddhävaya;
piyära für piyayara = priyatara, ähnlich vacldära neben vadcja, ferner (schon im
Präkrit) unhäla = us^akäla, bhaijdära = bhänclägära, andhära = andhakära,
Bhavisatta für Bhavisayatta und٠ vielleicht kuluttiya, wenn es für kulauttiya =
kulaputrikä steht. Hiermit verwandt ist der Silbenverlust in bhaviyana neben
bhaviyäyana (bhavyajana), püriu für püriyau = püritäh 343,3, cena für ceya^ia
= cetanä. Auf schlechter Aussprache mag beruhen, wenn für tuhü einmal tum,
amhim für amhaT, tim für taT geschrieben wird. Silbenverlust bei Gleichklang in
vannahä für vannanahä 6,1 metri causa.
Abfall des anlautenden a, außer in dem schon im Präkrit häufigen ranna = ara؟iya,
in ravinda = aravinda; des anlautenden w in vaisai vaisai vaittha von upa٦٨vi6.
Samprasäraija liegt vor in rasöi = rasavati, paoha؟ia = pravahana, päu
für päva = päpa 17,1; vielleicht in rai für raya = rajas und äiu neben äyau,
insofern y nicht eigentlich Halbvokal ist, sondern ya-sruti.
§ 15. Was den Konsonantismus betrifft, so kommt als für den Apabhramsa eigen-
tümlich nur der schon besprochene Wandel vom m zu v in Betracht. Hemacandra lehrt
zwar IV 412, daß im Apabhramsa prakritisches mh in mbh übergehen könne; derselbe
Wandel kommt aber auch im Präkrit schon vor. Unser Text hat nur vimbhaya vimbhiya
= vismaya, vismita; derselbe Wandel liegt auch vor in bharai = smarati (Hem. IV 74)
und sambharai, ferner in bhiclai (etwa äkrämati) von ٦/ smit, anädare gatau,
Dhätupätha 32,37, womit wohl abbhidai = samgacchate Hem.IV 164 zusammenhängt.
§ 16. Vereinfachung von Doppelkonsonanz kommt in einzelnen Fällen, die dem Präkrit
noch fremd sind, vor und zwar:
1. mit Ersatzdehnung gäva neben gavva = garva, gäviya = garvita, sahäsa
für sahassa = sahasra, tävela = tadvelä, kili٠a für kili؟L٠a = klinna(?),
bhavisa = bhavisya.
2. ohne Ersatzdehnung Sarasai = Sarasvati, Sahasakkha = Sahasräksa,
Bhavisa für bhavisya in Bhavisatta, Bhavisä؟iurüa etc., asagäha = asadgräha1),
und schon im Präkrit samuha = sammukha (Hem. I 29 c).
l) Im Paumacariya findet sich asaggäha, z. B. na ya muncai didham-asaggäham 48, 75,
muncasu eyam asaggäham94, 22.58.


30*
Bhavisattakaha
§ 17. Verdoppelung einfacher Konsonanten (außer -den im Präkrit geläufigen)
weisen auf, nach langem Vokal: paritta = parita, Sakkeya = Saketa, sutta =
srotas, vegga = vega, ahiramma = abhirama, nach kurzem Vokal: viddaraiji
= vidära٠i١ vinnadanta = vinatayat; vigguppai, viggova von vi 1/gup; sonst
bei lz kudilla neben kudila = kutila, saipjalliya = saipjvalita, gahilla =
grahila; saipcallai, viyallai, vicalliya und ummillai schon bei Hem. IV 231 f.; in
der Fuge des Kompositums vahu-gguØŸa, puvva-kkiya, sa-pparivara, punna-pphala;
im Anlaut mani vvahai 31,13 niyavi kkiu 85,7.
Erhärtung liegt vor in raccanta viraccamana beide von rajyati.
Aspiration eines anlautenden p zeigen pharasu = parasu, phaipsaia = paip-
na (vgl. phaipsai = visaipvadati Hem. IV 129). — Im Prakrta Pingala findet sich
di ha für di٠na = datta; unser Text schreibt zwar immer dinna, aber aus dem Reime
cinhu —dinnu 251,11 ergibt sich, daß die aspirierte Aussprache des n auch dem Apa-
bhrana unseres Textes nicht fremd war. — Die von Hem. IV 396 erlaubte Erweichung
von lc findet sich in gara etc. = kara etc. als zweitem Gliede eines Kompositums;’ sie
ist aber auch im Prakrit bei den Jainas häufig und mag von doi’ther stammen.
§ 18. Sandhi im Satze kommt wie im Prakrit nur sporadisch vor und bietet ähn-
liehe Ei’scheinungen dar, wie die hier aufgeführten Falle zeigen: puttuppannu 34,8;
putt١uppannau331, 5; nä]uppannu70,7; tam’annittahi 70,5; hatth’utthallio
194,10; näm’ujj'ayäe 354,3; jatth’atthamiyai 5,9; dinnasisa 271,3; jih’ähära
.272,4; panca٠uvvaya 273,4; niravasanna für niru avasanna 244,14.
In einem allerdings prakritisierenden Stucke findet sich fünfmal kahiip vi ppaese
59, 4—8, also Verdoppelung des aus pr entstandenen p. Die einzige sonst im Anlaut vor-
kommende Doppelkonsonanz nh macht keine Position, auch nicht im Kompositum: jiÙ a-
nhavana-vihui, wo zu messen ist: ن ٧ رع ن I ن ن — I ٧ (266, 10).
Im Kompositum stimmen die Sandhiei’scheinungen des Apabhrarpsa mit denen des
Präkrit überein. Merke besonders asanni-huvau, gahill -hui aber samasaipjhasi-
hua, hallohali-huva, avasäilhua? payadhosai.
R Formenlehre.
a) Nomina.
§ 19. Die Nomina werden in der im Prakrit üblichen Form vom Apabhransa über-
nommen, wobei das in der Lautlehre Gesagte zu beachten ist. So erscheinen denn vo-
kalische stamme, z. B. mantiÙ a und manti = mantrin, vandiya und vandi = ban-
din, nama = naman, mana = manas, pausa = pravr saraya = sarad etc. —
Stamme wei’den wie im Prakrit durch a erweitert vahua = vadhu und bahu, sasua
= svaärü, maua = mrdu, kadua = katu, garua = guru, aipsuva = asru etc.
(vgl. §3); ebenso ة Stamme؛): vairiya = vairin, vandiya = bandin, dohiya =
1) Dies iya gebt nicht auf das alte besitzanzeigende Suffix ika (than bei Panini V 2,115) zurück.
Denn es vertritt auch das Nomina agentis bildende in (bei Panini: nini). Ebenso steht es in samiya
= svamin.


Abhandlung. 5. Abriß der Grammatik. B. Formenlehre.
31*
drohin, durayariya = dura rin, gabbhiya = garbhin, a uraiya = anuragin,
samiya = svamin, pasa d ya = pasandin, piya-bhasiya = priyabhasini,
vaiya = vadin. — Hem. IV 400 führt noch besonders avai vivai sainpai auf; davon
hat unser Text je einmal avai und sainpai (neben gewöhnlichem sainpaya).
Durch die Verwandlung der konsonantischen Stämme in vokalische ist die konsonan-
tische Deklination, von dei’ das Prakrit noch ansehnliche Reste bewahrt hatte, bis auf die
Nominative muddha = murdha, bhaya = bhrätä, die übrigens auch als Stammform
erklärt werden konnten, und das adverbial gebrauchte appain == ätmä vollständig ein-
gegangen. Es werden also die folgenden Stämme vokalisch flektiert: raya = rajan,
appa appaya appä٠a appaiay a appaia appa٠aya = atman, piya piyara = pitr
(nur in piuhara = pitr ha ist der Stamm fortgesetzt), bhaya und bhayara =
bhratr, maya maiya mayari = matr, bhattara = bhartr.
§-20. Stammerweiterungen. Hemacandra IV 429 ff. lehrt eine Anzahl Suffixe,
die im Apabhrarns a an Nominalstämme antreten können ohne deren Bedeutung zu beein-
flussen. Masculina und Neutra hängen « und ada an den Stamm, ulla an den des aus-
lautenden « beraubten Stamm; durch Kombination dieser Suffixe entstehen noch ad
ullaa ulla la. Von diesen Stammerweiterungen ist in unserm Text « bei «-Stammen
sehr häufig besondei’s im Non. Acc., wo es als u erscheint. Mit Verlängerung des voraus-
gehenden « scheint es in Hatthinayapura Mayanayadiva vorzuliegen (über « bei u-
und ¿Stammen siehe § 19). Von den übrigen findet sich da in parivankada zu pari-
vakra; (a)daya in Vädhuyattadau 209,11; sariradau 327,10; ettadau zu ettiya
= iyat; vielleicht steckt dies Suffix in andhalaya sohalaya; ferner ulla in bhaÙ dulla
= bhaijda 39,5; abbharahulla = *abhyarha 102,9 und ullaya in muhullaya =
mukha 78,13, fern, piyaulliya = priya 72, 8.
Bei weiblichen Stämmen kommt in unserm Text nur die Stammerweiterung auf a voi’
und zwar von ¿-Stämmen bhaintiya, phurantiya; a hamiya = astami; die Voka-
tive sahie = sakhi, vahiÙ ie = bhagini etc. Nach Hem. IV 433 wird das a weib-
licher «-Stamme beim Antritt des stammerweiternden « zu ¿١ der Auslaut also zu ¿«٠
Diese Regel ist in unsei’m Text nicht mit Sicherheit zu belegen: ekkalliya zu ekkalla,
dukkhalliya? Movierte Stämme bilden das Femininum meist auf ¿ i, wenn auch zu-
weilen die Form auf « daneben vorkommt, z. B. dinna neben dinni; die Feminina auf'
iya können dahei’ von dem ¿-Stamm abgeleitet sein, und sid es wohl auch tatsächlich.
§ 21. Einige Suffixe, die im Pkrit ZUI’ Ableitung namentlich von Adjektiven aus
Nominal- und Verbalstämmen dienen, werden in unserm Text oft gebraucht. Adjektiva
auf ¿r«, z. B. kandira dukkandira für krandin, gajjira für gai’jin, duvvasira für
durvasin, payasira für prakaäin, paloira für pralokin, bhamira für bhramin,
rankholira von rankholai = dolayati, lajjira für lajjalu. — Adjektiva auf avaxia
von Kausativen: darisavaia bhayavaia dayavaÙ a, vibhisavaia Suffix itta = tr
(Hem. II 159) in piyaitti fern, zu prijaitr. Vielleicht auch varaitta, einem varayiti
entsprechend; DK VII 44 gibt es mit abhinavavara wieder. Das Apabhraipäasuffix
für tr ist nach Hem. IV 443 «^««; es findet sich in lajja٠aya.
§ 22. Der Apabhraip6a hat zwar die drei Geschlechter bewahrt, scheidet sie aber
nicht streng. In unserm Text ist der Unterschied zwischen Masculinum und Neutrum bei


32*
Bhaviaattakaha
den stammen, die allein in Betracht kommen, soweit verwischt, daß ich bei ihnen im
Glossar die Geschlechtsbezeichnung weglasse und nur die Feminina durch ein zugesetztes f
kennzeichne. Nach Hemacandra endet nämlich das Masc. der Stamme im Nom. ٠Sing.
auf 0 oder u (IV 331 f.), das Neuti’. auf u, und bei den durch a erweitertem Stamm auf au
(IV 354); im Plur. endet das Masc. im Nom. Acc. auf a (IV 344), das Neutr. auf ahn
oder ahn (IV 353). Diese Regeln sind in unserm Text (bzw. dei’ Hd) nicht beachtet.
Nom. Acc. der Masc. (und Neutr.) endet nach Konsonanten fast immer auf u, das in einigen
Fällen auch geschrieben wird, wo das Metrum langen Vokal, also wohl ٠, verlangt; nach
stammerw.eiterndem a steht unterschiedlos u oder 0 im Nom. Acc. beim Masc. und Neutrum.
Die Endung OL oder al ist nicht auf Nom. Acc. plur. der Neutra beschränkt, sondei’n
findet sich auch bei Masc. seltener im Nom., öfters im-Acc., wie umgekehrt die maskuline
Endung a auch bei Neutren (siehe § 25). Handelt es sich bei den eben besprochenen Er-
scheinungen um das Zusammenfallen männlicher und sächlicher ۵-Stämme, die ja schon
im Sanskrit ziemlich weit fortgeschritten wai’, so sind andei’seits Fälle von wirklichem
Genuswechsel oder vielmehr Genusverwechslung im Apabhraipsa ganz gewöhnlich (Hem.
IV 445: lingam atantram). Dahin gehört es z. B., wenn das Attribut oder Prädikat ein
andei’es Genus als das Subjekt nimmt, so 48,8 und 81,5, wo das Subjekt im Neutr. plui’.
steht, das zugehörige Adjektivum abei’ im Fern. plur. Del’ gewöhnlichste Fall ist aber
der, daß sonst weibliclie Stämme männliche Endungen nehmen (selten umgekehrt), worüber
das Genauere bei der Deklination dei’ betreffenden Stamme mitgeteilt wird. Weiblich sind
gewoi’den vihi (vidhi) und sandhi.
§ 23. Was den Kasusbestand in unsei’m Texte betrifft, so ist der Ablativ mit dem
Genitiv zusammengefallen, wie bei den Stämmen ausgefiihi’t wird. Nach Hem. IV 345
soll die Genitivendung gewöhnlich (prayah abfallen. Aber in unserm Texte können
solche “unflektierte Genitive” durchweg als vordei’e Kompositumsglieder aufgefaßt werden.
Wirklich unflektierte Genitive pluralis sind 166, 4 amarinda vi — janavinda vi.
Sonstige Falle von unflektierten Formen sind selten, Z.-B. loyana für h 49,6, taruni
für 0hl 344,10. In den Beispielen bei Hemacandra ist der Nom. Acc. sing, dei’ masc. und
neutr. Stamme nicht selten unflektiert (auf a, a); solche Fälle sind in unsei’m Text so
.selten, daß ich glaubte, sie verbessern zu sollen, wo es sicli un.1 a hinter Konsonanten
"handelt, z. B. attha geschrieben für atthu, wie auch sonst in solclien Fällen das'؟،-Zeichen
zuweilen ausgelassen wird, z. B. tujjha für tujjhu, und umgekehrt das Zeichen irr-
tunlich zugefügt ist, z. B. pucchijjantu — siru dhu hl 101, 8. — Vertauschung von
Kasus findet statt beim Instr. und Loc. der männlichen Stamme: in.1 Singular wil’d
-die Locativendung i öfters für den Instr. gebraucht (siehe § 24). Im Plui’. soll nach Hem.
der Loc. nur auf ahirp, der Instr. auf ahiin und ehiip ausgehen; aber in unserm Texte
finden sich einige Loc. plur. auf ehi (ib.). — Gelegentliche Vertauschung von Kasus
gestattet sich der Dichter zuweilen, z. B. bhayahi für bhayahä Gen. plur. im Reim mit
verayahl, und ebenso puttihi für puttaho im Reim mit suttahf.
§ 24. Wie in § 19 dargelegt, beschränkt sich die Deklination im Apabhraipsa auf
vokalische Stamme, und zwar gibt es a-, i- und Stamme, sowohl männliche wie weib-
liehe. Danach würde es sechs Deklinationen geben, die aber durch vier Paradigmen dar-
gestellt werden können, da die spärlichen Stamme den ¿-Stammen analog flektiert zu


Abhandlung. .5. Abriß der Grammatik. B. Formenlehre.
33*
werden scheinen. Der Stammauslaut wird als kurz angesetzt, kann aber auch verlängert
werden. Auch das e in den Endungen ena und elfö kann lang sein, siehe § 10.
§ 25. Die masculinen und neutralen a-Stämme.
Nach Hemacandra läßt sich folgendes Paradigma aufstellen (unter Beiseitelassung
fakultativer unflektierter Formen im Genitiv und Hinweis auf § 8) .٠
Ù¨
Sing. Nom. Acc. naru, naro, nara. naru, nara. | phali
Instr. nareija, narem.
Abi. narahu, narahe.
Gen. naraho, narassu, narasu.
Loc. nare, nari.
Plur. Nom. Acc. nara.
Instr. narahT, narahT.
Abi. narahu.
Gen. narahä.
Loc. narahT.
Voc. naraho.
phalaT
Aus unserm Text läßt sich folgendes Paradigma ableiten, das durch die nachstehenden
Erläuterungen ergänzt wird.
Sing. Nom. Acc. naru, (narö), nara, narau, narao. — phalu, phalau.
Instr. nareija, narem, nare, (nari).
Gen. Abi. naraho, (naräsu).
Loc. nare, nari.
Voc. nara.
Plur. Nom. Acc.
Instr. Loc.
Gen.
Voc.
nara, (naraT), phalaT, (phala).
narahT, narehT.
narahä.
naraho.
Im Einzelnen ist folgendes zu bemerken:
Nom. Acc. sing. Der Nom. auf ö kommt zuweilen (z. B. jä٠antö vi 301,7), na-
mentlich in Varijavrttas und in einigen Mäträvrttas am Ende jambisch schließender Zeilen vor
(207. 221,1.2. 222,1.2. 223,1.2. 225,1.2. 226,1.2. 228,1.2. 230,3.4. 231,1.2). Einmal
findet sich auch der Acc. pankaö 207,12. Ferner ist wahrscheinlich ö zu lesen, wo die
Hd u hat, das Metrum aber langen Vokal verlangt; im Nom.: 22,4. 48,3. 51,5; im
Acc.: 21,9. 51,5. In diesen Fällen ist auch die Verbesserung von u in au möglich, wie
denn 23,2 die Hd sahantim jantim für sahantaT jantaT schreibt.
Instr. sing. Zwei Endungen kommen vor: ena und em, die erstere hat der Apa-
,bhramäa mit dem Präkrit gemein, die letztere ist ihm eigentümlich. In ena kann das e
kurz öder lang sein; im ersterem Falle schreibt die Hd meist was ich durch ena
wiedergebe. Wie schon oben § 8 bemerkt, wird am Ende jambisch schließender Zeilen
das a der Endung ena verlängert (geschrieben inä 203,1. 2. 212,1. 2. 217,3. 4. 219,1. 2.
239,1. 2. 251,1. 2) oder es nimmt den Anusvära (geschrieben inam'. 246,1. 2. 248,1. 2).
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh. 5


34*
Bhavisattakaha
Die dem Apabhrai^äa eigentümliche Endung ist ein (geschrieben ein oder iin, ersteres
namentlich nach 0). Verlangt das Metrum lange Silbe, so schreibe ich ein bzw. em für
handschriftliches iin; verlangt sie kurze Silbe, so schreibe ich e, das immer handschrift-
lichem - ¿مر entspricht. Der letztere Fall ist viel seltener (z. B. 21, 12. 46, 1. 121,8.
126,4 usw.). Statt der Instrumentalendung iin (d. h. 1) erscheint öfters ¿, wobei es Zweifel
haft ist, ob nur der Anusvara vom Schreiber ausgelassen ist, oder ob der Dichter den Loc.
für den Instr. gebi’aucht hat). Einige Formen auf ez pie 34,8, pakkhe 36,8, pari-
vare 71,7 würden für den Loc. sprechen, wenn nicht e und i beständig wechselten.
Gen. sing. Die Endung SU, aus ssa des Prakrit entstanden, findet sich in unserm
Text beim Nomen nur viermal (253,4. 342,7. 345,2), während sie im Neminähacariu die
üblichere ist أ-ssa kommt nur in halbpräkritischen Stücken vor (264,6). Sonst geht der
Gen. auf ho aus. Dafür wird einige Male hu geschrieben, wofür ich ho setze, und ebenso
he, eigentlich Endung des Femininum, wahrscheinlich ein Schreibfehler, weshalb ich es in
hoe verbessern zu sollen glaubte. Verlängerung des 0 ebenso wie beim Nom. sing. masc.
(205 1.2. 211,1.2. 214,1.2. 220,1.2. 232,1.2. 234,1.2. 235,1.2. 236,1.2. 240,1.2.
247,1. 2. 249,1. 2). Die Endung des Ablativs ist nach Hemacandra hu; aber nur einmal
(vippahu 289,2) findet sich hu in ablativischer Funktion, sonst 17 mal ho. Die Ähnlich-
keit beider Endungen, ho und hu, mag deren Zusammenfallen eingeleitet und begünstigt
haben. Aber daß der Genitiv wirklich die Funktion des Ablativs übernommen hat, beweist
der als Ablativ gebrauchte Genitiv mandirasu 342,7.
Nom. Acc. plur. Das von Hemacandra gelehi’te Verhältnis zwischen Masc. und
Neutr. im Nom. Acc. plur., wonach ersteres auf a, letzteres auf ai ausgehen soll, ist in
unserm Text, wie oben § 22 schon bemerkt, nicht bewahrt. Die neutrale Endung ai bei
a-Stammen dient, wie übrigens schon in der Jaina Mähärastri, zur Bezeichnung zweier
oder mehrerer Personen verschiedenen Geschlechts. Aber auch sonst ist ai bzw. ai nicht
auf ursprüngliche Neutra beschränkt, sondern findet sich oft bei ursprünglichen Masculina.
Ich gebe die Fälle aus dem Anfange des Gedichtes. Nom. gamaT =5= grämäh 5, 6.
vayaT = vädäh 43,2. Acc. dosai = dosan 3,4. kavolai = kapolan 17,10. harai
= bhärän, härän 17,11. vavarai = vyäpärän 22,6. suaia = sujanan 35, 5.
sayaia = svajanan. Einmal findet sich ai sogar beim Fern.: desa-bhasai 52,4. —
Die maskuline Form findet sich auch zuweilen bei Neutra, z. B. saya = ^atani 39, 9.
ghara = grhä٠i konstrui'ert mit ähöyai 65, 5.
Instr. Loc. plur. Die Endung beider Casus ist hi* 2). Bei den übrigen Stämmen
sind Instr. und Loc. gleichlautend, bei den männlichen und sächlichen «-Stämmen besteht
nach Hemacandra dei’ Unterschied, daß der Loc. nur auf ahi, der Instr. aber auf ahi und
ehi enden soll. In unserm Text kommen aber mehrere Locative auf ehi vor, wenn auch
die auf ahi häufiger sind, so turangihi = turangesu 51, 10.
Ù„) Ich habe folgende Falle notiert: saipbandhi 8,6. jani 26,1. 31,8. pauri mahayarii 34,10.
aikilesi 37,1. piyari 38,6. vavasai 42,6. kaddami 66,6. sajjhasi 83,10. daipsani 90,14.
saruvai 99,6. rasayani 100,7. anandi 148,1. Vandhuyatti 194,5. ravi, pahari 242, 10.
Bhavisayatti 250,15. Dhanavaisui 266,9. visesietc. 273,10.11. bhananti 287,12. vali 322,10.
nami 326,1. ariasani 326,7. 327,8. 348,1.
2) Ober hiiii statt hl siehe § 8.


Abhandlung. 5. Abriß der Grammatik. B. Formenlehre.
35*
§ 26. Die Feminina auf a.
Nach Hemacandra läßt sich folgendes Paradigma aufstellen, wobei wegen der
Quantität des Stammauslautes § 24 zu beachten ist.
Sing. Nom. Acc. mäla. Plur. Nom. Acc. mälao, mälau, mäla.
Instr. malae. Instr. Loc. mälahT.
Abi. Gen. mälahe. Abi. Gen. mälahu.
Loc. mälahi. Voc. mälaho.
Dies Paradigma gilt zwar noch für die Sprache in unserm Text, doch zeigt es einige
zum teil durch das Eindringen der maskulinen Deklination veranlaßte Besonderheiten.
Instr. sing. Statt der ursprünglichen Endung ae (z. B. kantae 103,3) oder äe
(z. B. pahae 2,3) wird gewöhnlich ai geschrieben, wofür ich ae setze. Aber noch häufiger
wird aim bzw. äim geschrieben, wofür ich ae bzw. äe setze1). Es kann nicht bezweifelt
werden, daß hier die männliche Endung eingewirkt hat. Denn einmal 41,6 endet der
Instr. auf em (mit Anusvära): kaläem—Kamaläem, wie auch 2,5 beim Pronomen: täem,
das sich auf das vorausgehende sampaya f. bezieht, und zweimal tritt sogar die eigentliche
Form des Masc. für das Fern, ein: pie؟ia für piae 123,10 und sui؟ia für suae 292,7.
Gen. sing. Ù  Die Endung he findet sich nur so geschrieben in Kamalasirihe 17,4
und suddhihe 205,26; sonst wird dafür hi geschrieben, wofür ich he setze. Öfters er-
scheint dahinter ein Anusvära, wohl irrtümlich vom Abschreiber zugefügt, was ich durch
die Schreibweise hen andeute. Möglich wäre übrigens auch eine Vertauschung mit dem
Locativ, vgl. PMA S. 49. — Die männliche Endung ho findet sich beim Nomen und Pro-
nomen zuweilen: Bhavisaho 87,4. äyaho 128,3. 171,10. suaho 138,10. taho 160,8.
170,5. annaho 171,9; durch den Reim gesichert mäyaho 46,9, Kallä؟iamälahö 211,1.
Ebenso der Abi. sälaho 18,10. vijjulaho 336,7.
Loc. sing. Statt des Loc. auf ahi findet sich der Instr. auf äe in sahäe 2, 3,
auf ae in dis aim 75, 4.
Voc. sing, ist aus dem Präkrit übernommen, hat aber kurzes e, wofür meistens i,
namentlich nach Konsonanten, geschrieben wird: kanti, mäe und mäi. Bei voraus-
gehendem i erscheint auf Grund der Dissimilation e: dhärie — bhadärie 95,2. pie 105,3.
sahie 307,2. 325,10. vahi؟iie 325,9. In den beiden letzten Fällen liegen durch a er-
weiterte ¿-Stämme vor.
Gen. plur. Statt hu hat die Hd auch ho. Die masc. Endung hä in mahilahä
53,10. sampayahä 252,12 und gayavaiyahä dühavahä 48,6, wenn letzteres nicht
vom Abschreiber versehen ist.
§ 27. Die männlichen ٦- und ^-Stämme.
Das Paradigma nach Hemacandra
Sing. Nom. Acc. aggi. Plur. Nom. Acc. aggiÙ 
Instr. aggiÙ a, aggim, aggiem. Instr. aggihT.
Abi. aggihe. Abi. aggihü.
Gen. aggi. Gen. aggihä, aggihu.
Loc. aggihi. Loc. aggihT, aggihu.
Voc. aggiho.
٦) Vergleiche suae—bhuaim i. e. suae-bhuae im Reime 239,3.


36*
Bhavisattakaha
Unser Text ergibt folgendes Paradigma:
Sing. Nom. aggi. Plur. Nom. Acc. aggi.
Instr. aggiia aggi. Instr. Loc. aggihi.
Gen. Loc. aggihi. Gen. aggihu, aggihfi.
Gen. sing. Die Endung bei den ¿-Stammen ist regelmäßig A¿. Hemacandra lehrt
überhaupt keine Endung, Kramadisvara (bei Lassen, 36) Ae; Pischel (P.G. § 379) vermutet Ae,
wie im Ablativ, ohne es belegen zu können. Im Nminahacariu stimmt, wie oben s. 3*
bemerkt, der Vokal der Endung mit dem Stammvokal überein (Aa, A¿, Au). Da nun ein-
mal der Genitiv guruhu 96,4 vorkommt, so scheint ein ähnliches Assimilationsbestreben
zu bestehen. Ich schreibe daher bei den männlichen ¿-Stämmen die Endung mit der
Hd A¿, zum Unterschied von der weiblichen he oder A£, wenn auch die männliche Endung
von den Fern, herübergenommen sein mag.
Gen. plur. Die von Henaacandra gelehrte Form Au ist nur einmal belegt: bhäihü
185,7, die mit dem Fern, übereinstimmende Endung Au dagegen fünfmal.
Von den U-Stämmen sind deklinierte Foi’men sehr selten.
§ 28. Die weiblichen ¿-Stämme.
Nach Hemacandra flektieren die weiblichen ¿- und u-Stämme wie die a٠Stämme;
es kann also auf deren obiges Paradigma verwiesen werden,
sich folgendes Paradigma.
Aus unserm Texte ergibt
Sing. Nom. Acc. devi.
Insti’. devie, vihie.
Gen. devihe, devihi.
Loc. devihi.
Voc. devi.
Plur. Nom. Acc. devio, deviu.
Instr. (Loc.) devih.
Gen. devihu.
Uber den Gen. sing, siehe bei den Stämmen §26. Dem Masc?entlehnt ist der
Instr. sing, di hl 223,15 mit si hl reimend. Nom. plur. putti 344,12. ١١٩■
b) Pronomina.
§ 29. Das persönliche Pronomen.
1. Singular.
Aus Hemacandra ergibt sich folgendes Paradigma:
1. Person 2. Person
Nom. hau tuhü
Acc. Instr. Loc. mal paT, taT
Abi. Gen. mahu, majjhu tau, tujjhu, tudhra.
Hiermit stimmen die Formen in unserm Text überein, soweit die einzelnen Kasus
Vorkommen, vollständig in der ersten Person, nicht ganz in der zweiten. taT habe ich
nur einmal notiert und zwar als Instr.; tuddhu für tudhra ist nicht ganz sicher, siehe
Glossar. Über den Nom. tum einmal für tuhü siehe § 14.


Abhandlung. 5. Abriß der Grammatik. B. Formenlehre.
37*
2. Plural.
Das Paradigma nach Hemacandra lautet:
1. Person
2. Person
Nom. Acc.
Instr.
Dat. Abi. Gen.
Loc.
amhe, amhaT
amhehT
amhahä
amhäsu
tumhe, tumhaT
tumhehT
tumhahä
tumhäsu.
Die Formen unseres Textes scheinen folgendes Paradigma zu ergeben:
1. Person 2. Person
Nom. Acc. Instr. [amhi], amhaT tumhi, tumhaT
Dat. Abi. Gen. amha, amhahä tumha, tumhahä.
Die Form amhi ist nicht belegt; einmal ist amha für den Instr. geschrieben 111,4.
Statt tumhi steht zweimal tumha (wahrscheinlich ein Acc., doch kann es auch Nom. sein).
Je einmal findet sich ein Instr. amhahT 284,6 und ein Loc. tumhahT 337,2. Ãœber
amhim für amhaT siehe § 14. — Die Gen. amhä؟ia tumhäp sind dem Präkrit entlehnt.
Von diesen Stämmen sind die Possessiva abgeleitet: tuhäraya1) f. tuhäri ،dein’;
amhäraya ،unser, mein’; tumhäraya f. tumhäri ،euer, dein’; ferner das Adjektiv am-
härisa = asmädr^a.
§ 30. Die geschlechtlichen Pronomina.
Der Apabhram6a hat die enge Zusammengehörigkeit der Stämme ta ja ka in der
Flexion bewahrt. Unser Text bestätigt die Vorschriften Hemacandras, doch fehlen die
von ihm gelehrten Formen tahäm jahäm kihe für den Abi. und tram dhrum für
tad yad. Als Schema kann uns das Paradigma3) von ta dienen; es ist zwar unvoll-
ständig, aber doch vollständiger als das der beiden anderen Stämme. Die Abweichungen
der letzteren sollen im Anschluß an ersteres besprochen werden.
a) De r Demonstrativstamm ta.
1. Singular.
Mase. Neutr. Fern.
Nom. so, so (su) tam sä
Acc. so, tam tam sä
Instr. tena, tem täe, täem, täe
Gen. tasu, tásu, taho tähe, tahe
Loc. tahT tähi.
2. Plural.
Nom. Acc. té táT täo
Instr. téhT
Gen. taha, tahü.
١) Im Text habe ich irrtümlich 103,7 tu0, und 149,8 tumhäri statt tuh° gesetzt. Im Glossar
ist tuhäraya hinzuzufügen, und die obigen Stellen unter tumhäraya sind zu streichen.
2) Für e o hat die Hd oft, bzw. meistens i u.


38*
Bhavisattakaha
Bemerkungen. Der Gen. sing, tasai, der sich mehrmals findet, steht für tasu ji,
siehe § 1. Der Acc. plur. tim 295,2 scheint für tal (§ 14) zu stehen, das aber selbst nicht
vorkommt, wahrend tenp 108,6 für te verschrieben ist. Die Formen tassa tammi tapa
sind reines Pakrit. Statt der weiblichen Formen kommen auch männliche vor wie bei
den Nominalstämmen, siehe § 26, Gen. taho, loc. tahe.
Das Relativum hat im Nom. sing. masc. jo, im Nom. Acc. neutr. jam, fern, ja (ja).
Ein Gen. sing, jaho ist nicht zu belegen. Als Instr. sing, ist nur jae, als Gen. jahi i. e.
jahe belegt. Der Gen. plur. ist nicht belegt.
Das Interrogativum hat im Nom. Acc. sing, beim Masc. ko, beim Neutr. kim kal,
beim Fein. kä. Im Gen. sing, fehlt kasu. Pluralformen sind nicht belegt؟ sie sind aus
dem Indefinitum zu ergänzen. Dieses wird mit VI pi mi gebildet. Doch hat sich köi =
ka^cit erhalten, daneben auch koi-vi. ١٢or dem vi findet sich öfters kurzer Endvokal
ko-vi ku-vi ka-vi ki-vi.
Als Partikeln (Konjunktionen, Fragepartikel, Adverbia) werden die Formen jaip
taip kipp käT tahl jahl kahl gebraucht.
Ù  Der Interrogativstamm kavapa wird nur adjektivisch gebraucht. Folgende Formen
sind belegt: Nom. sing. masc. neutr. kavapu; Nom. Acc. sing. fern, kavapa; Instr. sing,
masc. kavapenp.
Der 'Demonstrativstamm aya. Dieser vertritt den Stamm idam, von dem das
Neutrum imu nach Hemacandra erhalten ist; es ist in unserm Text nicht belegt, dagegen
-finden sich epa ehr. Unser Text liefert folgend'es unvollständiges Paradigma:
Ø›.Singular. 2. Plural.
Nom. Acc. ayau —
Insti’. aenp, epa ayae Instr. ayahl eh
Gen. ayaho ayahe Gen. äyahä*)
Der Demonstrativstamm eya. Das e des Stammes wird oft gekürzt und dann
meist als i geschrieben. Hemacandra.lehrt für Nom.. Acc. im Sing, eho, eha, ehu, im
Plural ei. Letztere Form ist in unsei’m Texte nicht belegt.
Das belegbai’e Paradigma ist folgendes:
1. Singular.
Masc. Neutr. Fern.
Nom.
Acc. } 1 eu, eu (iu) I } eha, eha, eya (iha, iya)
Gen. eyaho eyahe
2. Plural.
Nom. Acc. eya, eya (iya) - eyao (iyao)
Instr. eyahl — ٠
Gen. eyahä — -
) ayahi 248,15 ist für ayaha verschrieben, wie'49,7 amhahi für amhahä.


Abhandlung, o. Abriß der Grammatik. B. Formenlehre.
39*
§ 31. Pronominale Adjektiva.
Die von Hemacandra IV 402 gelehrten Stämme eha jeha keha als Substitute für
idr6 yädrs kTdr& sind in unserm Texte mehrfach im Sing, belegt. Die Formen lauten:
Nom. Acc. masc. neutr. ehau jehau kehau, fern, ehi, jehi und jehiya, Loc. ehai.
Präkritisch ist erisau, vgl. amhärisa. Dagegen finden sich die von Hemacandra IV 403
gelehrten Formen aisa taisa jaisa kaisa in unserm Texte nicht, Ù¡vas insofern beachtens-
wert ist, als die entsprechenden Formen aisä usw. in ähnlicher Bedeutung im Hindi ge-
bräuchlich sind.
Für die Pronominaladjektiva iyat kiyat tävat yävat werden meistens die präkri-
tischen ettiya kettiya tettiya jettiya gebraucht. Mit diesen Stämmen hängen tettau
und ettadau in derselben Bedeutung zusammen. Hemacandra IV 407 f. lehrt die Formen
evada tevada usw., es findet sich evadda evaddau = iyat. Die Formen ettula usw.
IV 408 fehlen. — jäma täma bzw. jäva täva werden nur als Partikeln bzw. Konjunk-
tionen gebraucht.
Von der pronominalen Flexion finden sich, abgesehen natürlich von den eigentlichen
Pronomina § 30, nur einzelne Spuren: anne vi 338,5. 342,4 Nom. Acc. plur., aber anna vi
Nom. plur. 246,10. 342,3, Loc. sing. ekkahT 14,2. 318,6. annahT 149,11. 247,9. 279.9.
c) Verbum.
§ 32. Die Verba des Apabhramsa sind teils dem literarischen Präkrit entlehnt, teils
sind sie ihm eigentümlich. Erstere sind nach den Lautgesetzen des Präkrit umgeformte
Verbalstämme des Sanskrit und die wahrscheinlich aus den Volkssprachen stammenden
Dhätvädesas. Letztere stammen wohl auch aus der Vulgärsprache und unterscheiden sich
von den Dhätvädesas vermutlich nur dadurch, daß sie der Aufnahme in die immerhin
höher stehende Präkrit-Literatur nicht gewürdigt worden waren. In unserm Apabhramsa
gibt es nur eine regelmäßige Konjugation, nämlich auf a, in welche die im Präkrit noch
häufigen Stämme auf e übergeführt sind, z. B. kahai, karai, karävai. Nur sporadisch
findet sich neben der regelmäßigen Form eine mit e im Stammauslaut. Ich habe folgende
Fälle notiert: karehi, kahei, gasei, dharei, niyacchei, niei (zweimal), pariharei,
pariharemi, malei, varei, valei.
Als ،Wurzel-Verba’ können jäi, thäi, thäi; ei, dei, nei, lei; höi gelten.
Vom Verbum finitum kommen vor: 1. das Präsens mit seinem Partizipium; 2. der
Imperativ, 2. und 3. Person; 3. Optativ, 2. Person sing, und plur., in der Bedeutung des
Imperativs; 4. das Futurum.
Vom Verbum infinitum1): 1. Participium präsentis (auch als Präteritum und Con-
ditionalis verwendet); 2. Participium perfecti passiv¡; 3. Gerundivum; 4. Absolutivum;
5. Infinitiv.
Abgeleitete Stämme sind: 1. das Passivum, das nur im Präsensstamm vorkommt,
2. das Causativum, von dem wohl alle Formen gebildet werden konnten, wenn auch nicht
alle zu belegen sind.
Aus dem Präkrit haben sich si = asi und äsi = asüt erhalten; letztere kann für
alle drei Personen sing, sowie für die 3. Person plur. (81, 5) stehen.
Ù¡) Viele Verba sind nur im Verbum infin. belegt, meistens im p.p. und ger.


40*
Bhavisattakaha
§ 33. Präsens.
Es sind zwei Reihen von Endungen im Gebrauch, die eine (p) ist dem Pakrit ent-
lehnt, die andere (a) ist dem Apabhrain a eigentümlich; nur für die 3. Person sing, gibt
es keine besondere ApabhraipSa-Endung. Hem. IV 382 ff. bietet folgendes Paradigma:
Singular. Plural.
1. Pers. (p) karami, (a) karau (p) karimu, (a) karahu.
2. „ (p) karasi, (a) karahi. (p) karaha, (a) karahu.
3. „ karai. (p) karanti, (a)karah.
Aus unserm Text ergibt sich folgendes abweichendes Paradigma. In demselben sind
die eingeklammerten Formen die nur ganz selten vorkommenden. Die Zahlen geben die
Anzahl der Fälle an; die von ai betragt mehrere Hunderte und ist daher nicht spezifiziert.
Singular. Plural.
1. Pers. karami 69, (karau 1) karah 25, (karahu 2)
2. „ karahi 47, (karasi 2) kai’ahu 14
3. „ karai (karae 15) karanti .65, karahi 10.
Einmal erscheint زهو statt si und ho statt'ط, siehe § 10.. Die Form iia-yäi،iimö ist
praktisch.
§34. Imperativ.
Die gewöhnlichen Formen des Imperativs, wozu die. der 2. Personen des Optativs (die
einzigen, die erhalten sind) kommen, sind folgende:
Singular Plural
2. Pers. karahi, karijjahi karahu 2), karijjahu
3. „ ٠ karau ل) . kai’antu.
Hem٠acandra lehrt als eigentliche Apabhrana-Endungen des Imperativs ¿١ w, 6 (IV 387).
In ünserm Text finden sich folgende Belege: kari kahi dai pahari pesi phusi mui
saipvari; usaru nisaru cadu dekkhu bhaiu suÙ u havu; aber kein Imp. auf e.
Praktisch sind folgende Imperative: jaya, jiha für jivahil, piccha, paisaha,
haja ha a, hasaha, marusijja = maiayes.
§ 35. Participiüm Präsentis (auch a'ls Präteritum und Conditionalis).
'Der Stamm des Part. präs. geht aus auf .anta, fern, anti, z. B. karanta. Nom.
Acc. masc. neutr. karantu karantau ( ao); fern, karanti, karanti oder mit Stamm-
erweiterung karant.iya. Unregelmäßig dinta, linta, hontau. Das Part, auf maua'ist
nicht mehr lebendig; die erhaltenen Formen, offenbar Entlehnungen aus dem literarischen
Pakrit,'sind folgende: anuharamaria, viraccamana, pujjamäba (pass.), vijjijjamana
(pass.), sannajjhamaÙ a, saddahaia.
Das Part. präs. wird im. Apabhrana gebraucht wie.' im Sanskrit. Außerdem dient
es zum Ausdruck e'ines Zustandes in der Vergangenheit,’ z. B. 294, 5 jo ciru Aggimittu
diu hontao, so öu Tilayadiu sap^pattao, "der früher der Brahmane Agnimitra war,
der ist jetzt hier in Tilakadvipa angekommen“. 'Hier ist die Bauer durch das Part, präs...
٠) Über nandao siehe .oben § 10.٩
2) anunaha 196,4.


Abhandlung. 5. Abriß der Grammatik. B. Formenlehre.
41*
das einmalige Ereignis durch das Part. perf. pass, ausgedrückt.• Derselbe Gebrauch liegt
vor in 81,1. 88,8. 182,4—7. 300,1. 344,4.10. 348,3.4. 351,7. In allen diesen Fällen
handelt es sich um den durch u (o) erweiterten Nominativ des Part. präs.
Nach Hemacandra III 180 wird im Präkrit das Part. präs. auch als Conditionalis
(kriyätipatti) gebraucht, wofür sich einige Belege im Paumacariya und in der Samaräicca
kahä finden. In unserm Text finden sich folgende zwei zweifellose Fälle von Conditionalis:
333,11 jai hau mi te٠a sahü tau karantu, tökim asamähie sahü marantu “wenn
auch ich mit ihm Askese geübt hätte, dann würäe ich nicht ohne Sammlung gestorben
sein.،، 145,2 aho jai Bhavisayattu acchantao tö vattai söhalao mahantao ،،Ach
١venn Bhavisyadatta da wäre, dann würde es ein großes Freudenfest sein،،. Eine kriyäti-
patti liegt aber auch in 28,4. 5 vor: vari dijjanti äsi puri annaho lahu-va٠ivaraho
appa-sävannaho; so na karantu täma ßya ehau dukkh’uppäyanu dummiya-dehau،،
"Besser wärest du einem andern jungen Kaufmann einem uns gleichgestellten in der Stadt
gegeben worden; er würde doch nicht ihr ein derartiges herzbekümmerndes Leid an-
getan haben،،.
§ 36. Futurum.
In unserm Text geht das Futurum auf ٠esai aus; ohne den ،Bindevokal’ e: esai,
desai, nesai, lesai, hösai. Es findet sich meistens die 3. Person sing., doch sind auch
1. sing, auf m٤, 2. sing, auf A¿, 1. plur. auf Aa, 3. plur. auf kl belegt. Folgende Formen
kommen vor: ävesai, esai, karesai, kahesai, jäesai, jäpesai, taresahä, desai,
dharesai, nesai, mä؟iesai, milesai, lahesai ٠hi, lesai, varesai, hösami °hi ٠hT.
Einmal 205,19 in einer präkritischen Stelle findet sich tähi = träsyati von dem
Fut. II des Präkrit auf ٠hai, welches Hem. IV 388 c. neben dem auf ٠sai für den Apa-
bhramsa erlaubt1). Ein Part. fut. ist nicht belegt.
§ 37. Participium perfecti passivi.
Das Part. perf. pass, wird regelmäßig aus dem Verbalstamm durch iya gebildet,
B. suniya von suÙ ai. Das Fern, geht ebenfalls auf iya aus. Stammerweiterung im
Masc. und Neutr. namentlich im Nom. Acc. ٠iyau häufig, seltener im Loc. sing, iyai
und Instr. Loc. plur. 0iyaöhT. Unregelmäßige Formen sind laiya zu lei, äya äiya
ävaya von ävai, nijjhäyau von nijjhäyai.
Neben dem regelmäßigen p. p. sind aber auch viele präkritische Fortsetzer
alter p.p. aus dem Sanskrit in den Apabhrarnsa übernommen worden. Außer kiya und
kaya zu karai, mua zu marai, suya neben suniya, bhüa hüa hua zu höi, niya zu
nei, thiya zu thäi und ähnlichen, handelt es sich um Formen auf Doppelkonsonanz wie
mukka zu muai, niutta zu niunjai, vutta, vidhatta, khitta zu khivai, pasiddha,
dittha, bhinna, uppanna, dinna und ähnliche. Zum Teil kommt daneben auch die
regelmäßige Form vor: bhagga und bhanjiya, bhutta und bhunjiya, patta und
päviya, vitthinna und vitthariya. Neubildungen des Präkrit bzw. Apabhrarnsa sind
cukka zu cukkai, dhukka zu dhukkai, thakka zu thakkai (vgl. lagga zu laggai),
١) In seinen Beispielstrophen finden sich folgende Futurformen: 1. sing, phuttisu, rüsesu;
3. sing, esi, sahesai, hösai, höisai; ferner 3. sing, gamihi. In den Strophen aus derUrvasi in PMA.
findet sich nur das Fut. II: jänihisi, pekkhihimi, sahThimi.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh.
6


42*
Bhavisattakaha
vuclda zu vuddai, sarpcalla zu sai^callai (daneben saincalliya), ahalla zu ahallai,
utthalla und utthalliya (geschrieben ucchÙ ) zu utthallai, ummilla zu ummillai =
unmilati; ferner khu ta zu khufjai, chitta zu chivai, chudha zu chuhai und ahn-
liehe Analogiebildungen wie adhatta vidhatta. Merke besonders ja na = jata neben
jaya, und = jnata neben naya und jä٠iya.
Das Femininum der unregelmäßigen p.p. lautet teils auf a aus, z. B. dhukka thakka
patta vidhatta ahalla, teils mit Stammerweiterung auf iya pavittiya, und wohl damit
gleichwertig auf i: khitti titti vutti di hi si hl pasiddhi saippunni avainni,
teils endlich endigen sie auf a oder ¡1. eukka und eukki, dinna und adinni.
Es bi’aucht kaum hervorgehoben zu wei’den, daß ebensowenig wie im Sanskrit und
Prakrit eine scharfe Scheidung des p.p. vom Adjektiv stattfindet.
§ 38. Gerundivum und Gei’undium.
Das Gerundivum (oder participium necessitatis bzw. fut. pass.) soll nach Hern. IV 438
auf ievvau evvau oder eva ausgehen. In unserm Text fehlt die erste Form, die dritte
steckt vielleicht in paripev ai 188,8, wenn es nicht einfach für pariievvai steht. Ver-
kürzte Formen sind devvau, nevvau, Ievvau. Das Gerundivum steht gewöhnlich im
Nom. masc. oder neutr. und geht dann aut' evvau odei’ ivvau aus, z. B. devvau bha-
ØŸivvau. Das Fern, geht aut' ivvi ausØŸ belegt sind palivvi, pillivvi, bhanivvi.
Der Locativ des Gerundivums wird als Gerundium in der Bedeutung eines flek-
tierten Infinitivs wie im Lateinischen gebrauchtØŸ belegt sind jivevvai, palevvaiÛ¶
pucchivvai, vanchiai, paripevai (für parinevvai).
Fortsetzer des alten Gerundivums aufapiya: ramapiya apicchapijja lajjavanijja
werden als Adjektiva gebi’aucht.
§ 39. Absolutivum (Hem. IV 439 f.).
In unserm Text geht das Absolutivum regelmäßig auf ivi (bzw. evi), evi, eppipu,
eviiju aus, z. B. karivi, karevi, kareppinu, karevipu; und zwar ist ivi bzw. evi
die weitaus häufigste Endung, während evi, evi u eppipu hinter jenei’ stark zurück-
treten. Da der anlautende Vokal der Endung ‘Bindevokal’ ist, so erklären sich leicht,
folgende Formen devi, devipu, deppipu; nevi, neppipu; levi (laevi), leviÙ u (lae-
vinu); hovi (hoivi), hoviu. Die von Hemacandra IV 439 gelehrten Absolutiva auf i
und avi sind nur fünfmal, bzw. einmal in unserm Text zu belegen: dei, lai, hoi, cinti,
pasai’i und niyavi (das aber vielleicht nur graphisch für nievi(2mal) odei’ niivi (2mal)
steht). Ein unregelmäßiges abs. ist gaippi = gatva (Hem. IV 442 schreibt gamppi vor).
Auf präkritische Partien ist das abs. aut' iUpa, ium, z. B. picchi n todium beschränkt.
§ 40. Inf'initiv (Hem. IV 441 f.).
Das abs. auf ivi dient auch als Infinitiv, z. B. dekkhivi. Von sonstigen Infinitiven
finden sich auf a hä: karanahä, kaha hä, dakkha hä und vannahä für vann-
a hä 6,1؟ auf a hl nui’ joyapahi. — In 328,5 jipavara-dhammu karai padi-
vajjai ist man geneigt karai als einen Infinitiv aufzufassen.
§ 41. Der Passivstamm.
Das Passivum wird 1’egelmäßig auf ijjai aus dem Verbalstamm gebildet: cintijjai,
dumijjai, mailijjai, joijjai, laijjai (zu lei) usw. Daneben kommen viele aus dem


Abhandlung. 6. Die Verskunst.
43*
Prakrit übernommene alte Passiva vor: vuccai, muccai; kijjai, gijjai, khijjai (kheijjai),
chijjai, dijjai, lijjai (laijjai), hijjai, pujjai, najjai (jäijijjai); vajjhai, dajjhai;
bhai;٠ai (bhariijjai); ädhappai, viclhappai; labbhai; khammai (khamijjai),
gammai, rammai, hammai; jimmai, summai; thuvvai, suvvai; disai.
Vom Passivstamm kommt außer dem Präsens das Part. präs. vor, z. B. pujjijjanta,
hammanta, vijjijjamä^a, pujjamäna.
§ 42. Der Causativstamm.
Das Causativum wird regelmäßig auf ävai aus dem ٦٢erbalstamm gebildet,« z. B.
karävai, jäpävai, ä؟iävai, utthävai, uddävai usw. Unregelmäßigkeiten sind folgende:
diyävai und devävai zu dei. Das ä ist verkürzt in sikkhavai dakkhaviya, dem sich
das nicht causative cintavai und der Dhätvädesa saccavai = pasyati anschließen. In
lihäivi parihäivi päivi ist das erste v ausgefallen, ebenso in samthäevi 352,2;
da es aber mit bhävivi reimt, muß entweder bhäivi oder wahrscheinlicher samthävivi
gelesen werden. Von .dem Causativstamme werden die übrigen Formen regelmäßig ge-
bildet. Außer dem Präsens sind belegt der Imperativ karävahu, jäijävahi, pillävahi
und häufig p.p. und abs. auf ivi.
Außer dem regelmäßigen Causativ finden sich viele alte Causative: gamai, cälai,
janai, tösai, dävai, dhärai, bhävai, vitthärai, ärähai (ärähijjai), vinivärai,
ävähai, nivvähai, samvähai, nivesai, uppäyai (uppäijjai); namentlich p.p. wie
käriya, ujjäliya, täriya, täsiya, sampäiya, pädiya, niveiya, äsäiya, nisärai,
häriya und andere.
6. Die Verskunst.
1. Gliederung der Bhavisattakaha. Dhanaväla gibt selbst an (352,9), daß sein
Gedicht 22 Sandhis in zwei KhaÙ das enthalte. Die Einteilung in zwei Khandas ist
zwar nirgends äußerlich angedeutet, aber wir dürfen annehmen, daß der zweite Kha^da
mit dem 13. Sandhi anfängt. Denn in den vorhergehenden 12 Sandhis ist der erste Haupt-
teil der Sage abgeschlossen und mit dem 13. Sandhi1) beginnt ein neuer Gegenstand.
Auch wird der 13. Sandhi mit einer Anrufung an den Jina (Candraprabha) eröffnet.
Sandhi ist in Apabhramäagedichten die übliche Bezeichnung für das, was im Sanskrit
Mahäkävya der Sarga ist2). Für sandhi wird einmal sandhipavesa (172,11) und in den
Kapitelunterschriften regelmäßig sandhi-pariccheo gebraucht.
Der Sandhi zerfällt in eine unbestimmte Anzahl (zwischen 11 und 26) kleinerer Ab-
schnitte von wechselndem Umfang, die, wie gleich gezeigt werden soll, Kadavaka heißen.
Das Kadavaka besteht aus einer zwischen weiten Grenzen schwankenden Zahl gereimter
Disticha. Den Schluß des Kadavaka bildet eine stets durch Einschaltung des Wortes
ghattä gekennzeichnete Strophe von größerem Umfang und in anderem Metrum (13 mä-
trävrttas) als die vorausgehenden Disticha, welche alle innerhalb desselben Ka.davakas,
mit ganz wenigen Ausnahmen, in einem Metrum abgefaßt sind (8 mäträvrttas und 4 varna-
؛) sandhi ist im Apabhramsa weiblich; ich behalte das Geschlecht des Sanskrit und Präkrit bei
2) Siehe oben S. 13, 5.
6


44*
Bhavisattakaha
vrttas). Am Anfang eines jeden Sandhi steht eine Strophe, die allemal in demselben
Metrum abgefaßt ist wie die ghattä-Strophen der nächstfolgenden Kadavakas (Aus-
nahme 279).
Mit diesem Tatbestand vergleichen wir die Angaben Hemacandras im Chandonu-
säsana٦), Anfang des 6. Adhyäya: sandhyädau kaclavakänte ca dhruvam syäd iti dhruvä
dhruvakam ghattä vä. Dazu folgende Randglosse: kadavasamühätmakah sandhis, tasyädau.
caturbhih paddhaddikädyaih chandobhih kadavakam, tasyänte dhruvam niäcitam syäd iti
dhruvä dhruvakam ghattä ceti samjnäntaram. ،Weil (eine solche Strophe) im Anfang
des Sandhi und am Ende des Kadavaka regelmäßig steht, heißt sie Dhruvä, Dhruvaka
oder Ghattä’. Aus der Randglosse ist zu entnehmen, daß der Sandhi aus einer unbe-
stimmten Anzahl (samüha) von Kadavakas besteht, und daß das Kadavaka aus einem der
vier Metra Paddhaddikä usw. gebildet wird. Paddhadikä ist nach Hemacandra eine Strophe,
deren vier Pädas aus je vier Ga؟ias von vier Moren bestehen. Bis auf zwei Punkte stimmen
diese Angaben mit dem Befunde in der Bhavisattakaha überein; die beiden Punkte sind:
1. daß nur vier Metren für das Kadavaka gebraucht werden sollen, während in unserm
Text deren zwölf Vorkommen; 2. wird nicht ausgesprochen, daß im Kadavaka nicht
Strophen von vier Pädas, sondern von nur zweien auftreten. Trotzdem kann es nicht
zweifelhaft sein, daß der von Hemacandra gemeinte Aufbau der Apabhramsa-Kävyas im
Wesentlichen derselbe ist, der in der Bhavisattakaha vorliegt* 2). Vielleicht würde der
Unterschied sich aufklären, wenn Hemacandras Kommentar, die svopajna vrtti, zum Chando-
nusäsana uns zugänglich wäre. — Hemacandra fährt fort: sä tredhä satpadi catuspadi
dvipadi ca. ،Sie (die Dhruvä) ist von drei Arten: sechsfüßige, vierfüßige und zweifüßige
Strophen’, kadavakänte prärabdhärthöpasamhäre ädye chaddapikä ca. ،Am Ende des
Kadavaka, wo der behandelte Gegenstand zusammengefaßt wird, führen die beiden ersten
(i. e. die 6- und 4 füßigen Strophen) auch noch die Bezeichnung Chaddanikä3). Also eine
6- oder 4 füßige Schlußstrophe kann Ghattä oder Chaddanikä heißen. Nun gibt es eine
zweifüßige Strophe von dem Schema 2X4 + 2 | 2 + 4 + 2 | 2 + 2 X4 + 3, und
diese Strophe heißt nach Pingala Ghattä und nach Hemacandra Chaddanikä. Für diese
sehr auffällige Tatsache ist die wahrscheinlichste und nächstliegende Erklärung die, daß
jene Strophe ursprünglich vorwiegend als Schlußstrophe des Kadavaka, die als solche neben
Dhruvä die technische Bezeichnung ghattä und chaddanikä führt, Verwendung fand,
weshalb denn diese technischen Bezeichnungen als Namen für die individuelle Strophe in
Aufnahme kamen. Wir kommen gleich auf diesen Punkt zurück4).
١) Ich benutze die einzige mir zugängliche Berliner Hd: Ms. er. fol. 683.
2) Hiernach scheint die Angabe im Sahitya Darpana 6,327: Apabhrain anibaddhe ’smin
sargah kadavakabhidhah I auf eine Ungenauigkeit Visvanathas (14. Jahrh.) zurückgeführt werden,
zu müssen.
3) Dazu die Randglosse: prarabdhasya prakaranayatarthasya kadavakänte bhangyantarenä’bhidhane
a padcatpadyav eva cha d nika٠sarpjne, na kevalarp dhruvadisaipjne cha d nikasaipjne ceti cä’rthah.
4) Für meine Hypothese scheinen auch schon die Namen ghattä und chaddanikä, die sich
nicht aus dem Sanskrit herleiten lassen, zu sprechen. Das Metl’um Chaddanikä erscheint bei Hemacandra
mitten in einer Reihe von Metren, die alle Sanskritnamen von jener phantastischen Art fuhren, die in
der indischen Metrik so beliebt ist. chaddanikä, offenbar ein hybrides Wort, ist wohl von chaddai =
muncati Hem. IV 91 abzuleiten, vgl. muktaka Bezeichnung allein stehender Strophen; also wohl die
von dem Kadavaka abgesonderte, d. h. Schlußstrophe. Ebenso durfte ghattä von ghattai = kipati


Abhandlung. 6. Die Verskunst. A. Die Metrik.
45*
Die Mehrzahl aller Kadavakas sind in der oben beschriebenen Weise aus einer An-
zahl gereimter Disticha und der ghattä-Strophe gebildet. Nur ein Siebentel derselben
im mittleren Teile des Gedichtes (203—252) weichen von dem normalen Bau insofern ab,
als eine besondere Anfangsstrophe in stets demselben Metrum hinzugefügt ist; vor der-
selben findet sich immer das Wort duvai. Es ist die von Pingala unter dem Namen
dovai bzw. doai d. h. dvipadi beschriebene zweifüßige Strophe (Schema: 6 + 5 X 4 + L,
das Genauere siehe unten; bei Hemacandra 7,6 heißt diese Strophe Upabhramarapadam,
doch weichen darin die Zäsuren ab).
Einmal besteht das ganze Kadavaka, 207 (abgesehen von der ghattä-Strophe), aus
solchen Duvai-Strophen; in 223 folgt auf die erste Duvai eine zweite, in 205 eine Strophe
in anderm Metrum, und in 224 vier Strophen im Metrum Ghattä. Es ist nun sehr merk-
٦vürdig, daß die beiden genannten Metra Duvai und Ghattä in unserm Gedicht immer
nur in Verbindung auftreten und zwar so, daß, wo eine Anfangsstrophe steht, die ghattä-
Strophe im Metrum Ghattä abgefaßt ist. Diese Zusammengehörigkeit der zwei zweifüßigen
Strophen Duvai und Ghattä legt die Vermutung nahe, daß ursprünglich eine besonders
übliche Art von Kadavakas aus Duvai im Hauptteil und Ghattä in der Schlußstrophe be-
stand. Wahrscheinlich verstand man sich erst später dazu, statt der dvipadis auch catu؟-
padis zu gebrauchen aber so, daß man nicht ganze Strophen, sondern nur Halbstrophen
in beliebiger Anzahl mit einander verband.
A. Die Metrik.
2. Bei unserer Beschreibung der in der Bhavisattakaha gebrauchten Versmaße müssen
wir die indischen Quellen über Apabhramsa-Metrik zu Rate ziehen. Allgemein bekannt
ist der Präkrta Pingala oder Pingalachandahsütra1), ein Werk das frühestens im 14. Jahr-
hundert abgefaßt wurde. Jetzt liegen zwei Ausgaben vor, eine in der Kävyamälä Nr. 41
(1894) mit dem Kommentar der Laksminätha Bhatta, die zweite in der Bibi. Ind. (1902)
herausgegeben von Chandra Mohana Ghosha mit vier Kommentaren. Außerdem gibt es eine
Sanskritbearbeitung des Präkrta Pingala von Dämodaramisra, das Väpibhüsa٠a2), in der
Kävyamälä Nr. 53 (1895) herausgegeben. Im Präkrta Pingala werden die mäträvrttas
und die varijavrttas behandelt. Die letzteren sind größtenteils die bekannten ،künstlichen’
Metra des Sanskrit, deren sich aber auch die Präkrit- und Apabhramsa-Dichter bedient
haben. Die mäträvrttas umfassen die verschiedenen Aryä-Arten und 40 eigentliche Apa-
bhramsa Metra, von denen schon Colebrooke Mise. Ess.2 2,139 f. eine tabellarische Ãœber-
sicht gegeben hat.
Hem. IV 143 gebildet sein (ghattai = gavesayati Hem. IV 189 kommt wohl nicht in Betracht) und
soviel wie ksepa, ksepaka sein, das in Rechnungen ein geläufiger terminus für eine hinzuzuaddierende
Konstante ist. Die Grundbedeutung wäre etwa ،regelmäßiger Zusatz’, von wo aus die Verwendung des
AVortes für die einer Reihe von gleichartigen Strophen hinzuzufügende Schlußstrophe in anderm Metrum
begreiflich wird.
٤) Nach Colebrooke Mise. Ess.2 2, 60 a metrical paraphrase of Pingalas Präkrit rules on prosody.
Der Verfasser ist nach dem Kommentar des ÖrTpati, wie Herr Todar Mall gefunden hat, Sumati, Sohn
des Apataratha.
2) Die Berliner Hd (816 Chambers 306) scheint nach einem Verse am Ende eine Abschrift einer
samvat 1600 = 1544 n. Chr. gefertigten Hd zu sein.


46*
Bhavisattakaha
Für die Metrik der Bhavisattakaha erweist sich aber der Präkrta Pingala als durch-
aus unzulänglich: von den 40 mäträvrttas dieses Werkes lassen sich nur wenige in jenem'
nachweisen. Ich mußte mich daher nach einer andern Autorität über Apabhramsa-Metrik
umsehen und fand dieselbe in Hemacandras Chandonusäsana, das ich in der einzigen mir
zugänglichen, aber sehr alten und ganz vorzüglichen Berliner Hd (Weber, Verz. II 1709
S. 268 f.) benutzte. Die Apabhramsa-Metrik ١vird in den Adhyäyas 5—7 gelehrt und
z١var behandelt der 5. Adhyäya die selbständigen Strophen, Adhyäya 6 und 7 die Dhruväs.
Mit Hülfe dieser Quelle lassen sich die meisten Strophenarten der Bhavisattakaha bestim-
men, d. h. ihre Namen feststellen. Allerdings lassen uns Hemacandras Regeln über den
innern Bau mancher Strophen im Unklaren und machen die Unzugänglichkeit seiner
vrtti schmerzlich fühlbar.
Unter I. werden die im Hauptteil der Kadavakas auftretenden Metra behandelt,
denen auch die einzige Anfangsstrophe, Duvai, beigezählt ist; unter a) stehen die varna-
vrttas, unter b) die mäträvrttas. Unter II. stehen die Ghattä-Strophen; es sind nur
mäträvrttas.
I. Die Metra im Hauptteil der Kadavakas.
Man beachte, daß das Kadavaka zumeist nicht aus ganzen Strophen (zu 4 oder
6 Pädas) gebildet ist, auf die sich die Namen bei Pingala und Hemacandra beziehen,
sondern aus halben Strophen (zu 2 oder 3 Pädas). Die wirkliche Strophe ist also doppelt
so groß als sie hier erscheint, wenn nicht ausdrücklich das Gegenteil angegeben wird.
Die Päda werden mit a, b, c bezeichnet.
a) Die ١٢arnavrttas.
1. ٧---٧-----zweimal. Reim: ab. Sankhai^äri (Pingala).
Bemerkungen: Die zweite Hälfte des 1. Bacchius ist aufgelöst (٧٧ — ٧) in v. 3 u. 14.
Vorkommen: 237,3—17.
2. ٧---٧ — —٧-----٧----zweimal. Reim: a b. Bhuangappajäya 56,9. Bhu-
janga 205, 28.
Bemerkungen: Die erste Länge ist aufgelöst (٧٧٧—) in٦ 2. bez. 3. Bacchius 205,9.
21; die zweite Länge (٧ ٧ — ٧) im 1. Bacchius 56,6; im 2. 56,2; im 3. 205,22. 28.
Vorkommen: 56. 86. 205. 250. 264.
3. —٧----٧----٧-----٧— zweimal. Reim: a b. Lacchihara (Pingala).
Bemerkungen: Die erste Länge ist aufgelöst (٧٧٧—) im 1. Creticus 1 a, 2a, 3a,
im zweiten lb; die zweite Länge (—٧٧٧) im 2. Creticus 3b. 6a.
Vorkommen: 69.
4. — ٧ — ٧ — ٧ — ٧-_٧ — ٧-٧ — zweimal. Reim: a b. Cämara (Pingala).
Bemerkungen: Die Länge ist aufgelöst im 1. Trochäus 2b. 4a. 6a; im 3. 4a.
7a. 8a; im 5. und 6. 6a.
Vorkommen: 63. Vgl. Nr. 12.


Abhandlung. ، 6. Die Verskunst. A. Die Metrik.
47*
b) Mätravrttas.
Vorbemerkung über die Gapas. Pingala operiert mit 6-, 5- und 4 zeitigen Gapas,
Hemacandra außerdem noch mit 3- und 2 zeitigen. Wenn nicht ausdrückliche Angaben
der indischen Metriker vorliegen, ist es oft zweifelhaft, welche Art von Gapas anzunehmen
ist; aber auch die indischen Angaben widersprechen sich öfters.
Bei 6 zeitigen Gapas findet gewöhnlich Kontraktion einer ungeraden More mit der
folgenden statt, also GG GG GG; seltener kommt Kontraktion der 2. und 3., oder 4.
und 5. Moren vor. Wenn letzteres zuläßig ist (wobei aber die erstere Art der Kontrak-
tion auch vorkommt), bezeichne ich dies als trochäischen Rhythmus.
Bei vierzeitigen Ganas kommt in einzelnen Metren Zusammenlegung von zwei
Gapas vor in der Art, daß die letzte More des ersten Gapas mit der ersten More des
zxveiten Gapas zu einer Länge kontrahiert wird, in welchem Falle stets eine Kürze sowohl
vor als auch nach dieser Länge stehen muß. Das Schema für zwei zusammengelegte
Gapas ist also ٧٧٧ — ٧٧٧. Mehr als zwei Gapas dürfen aber nicht in dieser .Weise
zusammengelegt werden.
In etwa 6 Siebentel aller Kadavakas besteht der Päda aus vier vierzeitigen Gapas.
Je nachdem der letzte Gapa ein Dactylus oder Amphibrachys ist, ergeben sich die nächsten
zÙ¡vei Typen.
5. 4X4. Kein Amphibrachys oder Proceleusmaticus mit Zäsur nach der l.More1).
Letzter Gapa ein Dactylus, der auch durch den Spondeus und gelegentlich durch einen
Proceleusmaticus vertreten werden kann; nur ausnahmsweise steht ein Anapäst (12,3. 32,2.
149,1. 268,3. 270,1). Reim: ab. Zusammenlegungen des 1. und 2., bzw. 2. und 3.
Gana sehr häufig.
Der Name des Metrums ist Adilä bei Hemacandra2), Arilä im Väpibhüsapa, Adillä
als Überschrift im Pingala Bibi. Ind. S. 220, Arilla in Prithiräj Rasäu, Alillaha im Text
des Pingala.
Pingala lehrt nicht Gapaeinteilung, wohl aber Ausschließung des Amphibrachys, und
bestimmt, daß zwei Kürzen am Ende stehen. Nach dem Kommentar Visvanäthas setzt die
sämpradäyiki paripäti fest: drei vierzeitige Gapas, dann ein zweizeitiger, und am Schluß
zwei kurze Silben. Damit stimmt die in der Bhavisattakaha beobachteten Form, bis auf
die gelegentliche Kontraktion der beiden letzten Kürzen. Hemacandra teilt folgender-
maßen ein: 6 4-2X4 + 2. Auch nach diesem Schema läßt sich unser Vers erklären:
wo wir Zusammenlegung des ersten und zweiten Gapas annehmen, ergibt sich ein sechs-
zeitiger Gapa mit trochäischem Rhythmus (GG٧-٧), und wo nach unserer Erklärung der
zweite und dritte Gapa zusammengelegt sind, wird der erste vierzeitige Gapa Hemacandras
ein Amphibrachys. Endlich wäre noch eine Einteilung in zwei 6 zeitige und einen 4 zei-
tigen Gapa möglich.
١) Ein Verstoß gegen diese Regel in 267,11 tö vi siri karivi kann durch Umstellung tö vi
karivi siri beseitigt werden.
2) Nach Hem. heißt das Metrum eigentlich Vadanaka, und nur dann Adilä, wenn die Pädas
Yamakas haben. Auch Pingala betont den Reim.


48*
Bhavisatkaha
Vorkommen: 12—51. 57. 58. 65—68. 70—85. 87 — 123. 125—137. 140—142.
144-202. 240. 259—263. 265-272. 275. 277. 278,1—4. 279—306. 308—312. 318—
/322. 328. 329. 331. 332. 343. 347—352.
Anmerkung. Einmal 77, 3-6 kommen zwei vollständige Adilä-Strophen von je
vier Padas vor, wie sich aus der Reimverschränkung in der ersten (a c. b d), der Gleich-
heit aller Reime in der zweiten und der Zusammengehörigkeit beider ergibt. — Zuweilen
endet die Zeile auf einen Trochäus (57,4—7 achtmal hintereinander); ich habe dann durch
Verlängerung der letzten Silbe den Spondeus hergestellt.
6. 4X4; zweimal. Letzter Gana ein Amphibrachys, wofür 224,18. 336,7. 346,10
Proceleusmaticus mit Zäsur nach der ersten Kurze erscheint. Auch im zweiten Gapa ist
٧^٧ zulaßig, nicht im 1. und 3. Gapa. (55,5b. 219,8 b. 223,7 b ist im 3. Gapa die
zweite Silbe des Proceleusmaticus die Partikel na, die vielleicht enklitisch war, während
sie im Prakrit proklitisch ist!). -Reim: ab.
Der Name ist bei Hemacandra: Paddhadika, im Prithiraj Rasau: Paddhari, bei
Pingala: Pajjhatia oder Pajjhalia, im Vaphuapa: Pajjhatika. Hemacandra lehrt
nur, daß der Pada aus viel’ vierzeitigen Gapas besteht, Pingala außerdem, daß der letzte
Gapa ein Amphibrachys ist.
Vorkommen: 1 — 11. 52. 53. 55. 60—62. 138. 139. 203. 204. 206. 208٠213.
215-236. 238. 239. 241—249. 251-258. 273. 274. 276. 278,5—13. 307. 313-317. 3
323—327. 330. 333—342. 344—346. 353. 354.
7. 6 + 3 X 4 f 3 Kurzen; zweimal. Zäsur nach der 12. More (fehlt in V. 4). Der
sechszeitige Gapa kann trochäischen Rhythmus haben. Amphibrachys im 2. vierzeitigen
Gapa V. 4. Reim: a b.
(Rasaka? Nach Hemacandra: 18 Moren + 3 Kurzen. Aber Zäsur nacli der 14. More.)
Vorkommen: 214,3—13.
8. 6j-2X4 + 2|2X4; einmal. Zäsur nach der 10. More. Erster 4 zeitiger Gapa
in a ٠٧٧٧ ٧ (nur V. 13 ٧٧—). Beide Padas enden auf Dactylus und reimen.
(Als Dhruva wurde die ganze Strophe, nach Hemacandra Kubjakusumam heißen.)
Vorkommen: 124.
9. 7X4 + 2. Zäsuren nach 10 und 8 Moren. Schema a: 2X4 + 2 |b:2-p4 + 2
c: 22؛X4 + 2; zweimal, abde enden auf Dactylus oder Spondeus, c f auf Dactylus.
Reime: a b, d e, c f. (v. 5 c der ei’ste Gapa ٧ ٧ ٧ ا ٧).
Nach Hemacandra: die dvipadi-strophe Gitisamam.
Vorkommen: 224,3—10 (nur vier Strophen). '
10. 6 +5X4 + 3. Zäsui٠en nach 10 und 8 Moren. Schema a: 6 + 4 |b:2X4¡
c: 2X4+ —٧; zweimal, a b c d e f enden auf Amphibrachys. Reime: ab, de, cf.
Del’ letzte 4zeitige Gapa auch in- cf ist ن غزرت ن, außer in 2 f, 9 f., wo das Metrum
durch Konjektur aufgefüllt werden mußte.
Nach Pingala: Maraha hä; aber keine Vorschrift über die vierzeitigen Gapas; in
seinen Versen enden a b nicht auf einen Amphibrachys. Die Strophe hat 4 Padas,
106 Moren. (Nach Hemacandra: die dvipadi-Strophe Upagarudapadam, aber keine Zäsuren !)
Vorkommen: 54.


Abhandlung. 6. Die Verskunst. A. Die Metrik.
49*
11. a:64Ø›|b:6-Ù -2X4 zweimal, ac enden anf Amphibrachys, bd auf Dac-
tylus oder Proceleusmaticus. Reime: ac, bd (ac wie a in 10.).
Nach Hemacandra als Dhruva-Strophe Kalaharpsa genannt.
Vorkommen: 64.
Uber die das Kadavaka 143 und 207 bildenden Strophen siehe Nr. 25 und Nr. 12.
Die Anfangsstrophe Duvai.
12. 6 1 5 X 4 + L zweimal. Zäsuren 16. 12. (Die Zäsur nach dei’ 16. More fehlt
209,1. 214,2. 237,1.) Der 1. und 5. vierzeitige Gaya 1) ٧ يدنئ ى. in 223,3 ein Dactylus),
der zweite ,٧٠٧— (15 mal اميي,), der dritte ist durch die Zäsur halbiert und hat die Form
٧٧ I ٧-٧ (nur viermal -I ٧٧), der vierte nie ٧-٧. Danach das Schema a: ,يطي-ما ٧٧
ارارا ,-يلي ,رايينن b: ٧ ياين٧ ,يايا. رارا. , ا٧٧,-. Reim: bd.
Dovai, Dvipadi bei Pingala, wo keine Zäsur vorgeschrieben wird, aber in der Muster-
Strophe steht sie nach 16 M. und es reimen ac, b d. Hemacandra lehrt eine Dvipadi-
Strophe Upabhramarapada von der Form 6 t 5 X 4 b 2, für die abei’ keine Zäsur
vorgeschrieben ist. ٦٦
Vorkommen: 203—226. 228. 230 -252. Das ganze Kadavaka 207.
13. a: — ٧ ٧ ٧ ٧ — V I b: ٧٧٧٧ —V I c:-٧— ٧٧— ٧٧ - zweimal. Reime: ab, de, cf.
Vorkommen: nur eine Strophe 205, 3. 4.
II. Die Ghatta-Strophen.
Vorbemerkung: Die Namen der Strophen bei Hemacandra bezeichnen nicht eigent-
lich ein spezielles Metrum mit bestimmter GaØŸa-Einteilung, sondern nur Schemata, in
denen die Anzahl der Moren in den geraden und den ungeraden Füßen bestimmt ist.
Für die Gaija-Einteilung der beiden Arten von Füßen gibt er meistens zwei oder mehr
Möglichkeiten an.
14. 7 X 4 + 3 K. Zäsuren: 10. 8. 13. Danach das Schema: a: 2X4 + 2 ؛
b:2 + 4 + 2|c:2 + 2X4 + 3K. ab de enden auf Dactylus oder Spondeus, cf auf
٢rribrachys. Im 6. Ga؟ia ٧ ٧٧؛ ٧ oft (20mal), im 7. 3mal. Reime: ab, de, cf.
Pingala nennt die Strophe Ghattä, Hemacandra Chacldaijikä; nach beiden ist sie
eine dvipadi.
Vorkommen: 203—250. Mangalastrophe in 203. 217. 230. 250.
15. a:6 + 3|b: 6 + 4 + 3 zweimal, ac enden auf Trochäus, bd auf Tribrachys
(einmal 331,12 auf Tribrachys). In bd kann der 6 zeitige Ga٠a trocbäischen Rhythmus
haben und der 4zeitige ٧ ٠٧٧ ٧ sein. (Beides wird in den geraden Pädas der Dohä ver-
mieden, mit welchen bd unserer Strophe sonst übereinstimmen.) Reim: b d.
Name nach Hemacandra: Abhisärikä.
Vorkommen: 1—9. 11—15. 21. 70—77. 79. 81—116. 141. 151—202. 251—266.
289—354. Mang٠alastrophe in 1. 70. 93. 151. 173. 191. 279. 289. 302. 318. 333. 344.
16. a: 2X4 | b: 6 + 4 + 3 zweimal, bd wie in Nr. 15; ac enden in Dactylus.
Reim: b d. — Name nach Hemacandra: Vakulämoda.
Vorkommen: 279 (nur eine Strophe).
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh. 7


50*
Bhavisattakaha
17. a: 2X4 | b: 6 + 2X4; zweimal, ac enden auf Dactylus oder Proceleus-
maticus; bd auf Dactylus. Reim: bd.
Bemerkung. 284d ist unregelmäßig. Name nach Hemacandra: Manmathatilaka.
Vorkommen: 281. 283—288.
18. a: 6 + 3 | b: 3X4; zweimal, ac enden auf Trochäus oder Tribrachys,
b d auf Dactylus (im 2. Gapa von b ein Amphibrachys). Reim: b d.
Name nach Hemacandra: Mängalika.
Vorkommen: 280 (nur eine Strophe).
19. a: 6 + 3 | b: 6 + 2 X 4. ac wie in NrÙ  18; bd wie in Nr. 17. Reim: b d.
Name nach Hemacandra: Kusumanirantara.
Vorkommen: 282 (nur eine Strophe).
20. a: 2X1 + 3•¡ b: 6 + 4 + 3; zweimal. Alle Pädas enden auf Trochäus.
Reim: b d.
Name nach Hemacandra: Vibhramavilasitavadana.
Vorkommen: 267 — 274. 276. Mangala in 267.
21. a: 2 X 4.+ 3 | b: 6 + 2 X 4; zweimal, a c wie in Nr. 20, b d wie in Nr. 17.
Reim: b d.
Name nach Hemacandra: Navapuspamdhaya.
Vorkommen: 277. 278.
22. a: 2X4 + 3؛ b: 3X4 + 3 Kürzen; zweimal, ac ١vie in Nr. 20، bd enden
auf Tribrachys. Reim: b d.
Name nach Hemacandra: Kinuaramithunaviläsa.
Vo rk omm en: 275.
23. a: 3 X 4 + 3 Kürzen; b: 6 + 4 + 3 Kürzen; zweimal. Alle Pädas enden auf
Tribrachys. In den ungeraden Pädas im 2. Gapa ٧ ٧٧• ٧ zuläßig, in den geraden Pädas
beim 4 zeitigen Gapa ebenso, und beim 6 zeitigen ist trochäischer Rhythmus gestattet
(wie 15 bd). Reim: b d.
Name nach Pingala: Ulläla; nach Hemacandra: Karpüra, wovon er folgendes Schema
gibt: 2X2 + 4 + 2X2 + l+ 2|2 + 4 + 2X2 + 3 Kürzen.
Vorkommen: 16 — 20. 22 — 27. 29—62. 64—66. 68. 69. 78. 80. Mangala in
17. 31. 57.
24. 2 X ، + 3; viermal. Alle Pädas enden auf Trochäus. Reim: b d.
Name nach Hemacandra: Märakrti. — Vorkommen: 67 (nur eine Strophe).
25. 3X4 + 3 Kürzen; viermal. Alle Pädas enden auf Tribrachys. Im 2. Gapa
٧ ٧٤٧y häufig, dreimal im 3. Gapa; Zusammenlegung des 2. und 3. Gapa im Mangala 117.
Reim: b d.
Name nach Hemacandra: Päranaka (Schema: 3X4 + 3 oder 6 + 4 + 5).
Vorkommen: 10. 28. 78. 117—140. 142—150. Mangala in 117. 131. — Das
ganze Kadavaka 143.
26. 4X4 viermal. Alle Pädas enden auf Dactylus. Reime: ab, cd.
Name: Adillä, siehe Nr. 5. — Vorkommen: 63 (nur eine Strophe).


Abhandlung. 6. Die Verskunst. B. Der Reim.
51*
B. Der Reim.
Der Reim ist in Indien wahrscheinlich aus dem Yamaka hervorgegangen. Unter
Yamakas1) versteht man Silbengruppen, die in identischer Gestalt an verschiedenen Stellen
des Verses, besonders gerne am Ende der Pädas, wiederkehren. Die Ausführlichkeit, mit
der die Lehre vom Yamaka von den’älteren Alankäraschriftstellern (Dapdin und Vämana)
behandelt werden, zeugt für ihre Beliebtheit in der klassischen Sanskritpoesie. Auch in
den Präkritkävyas fand dasselbe Kunststück Verwendung; so finden sich viele künstliche
Yamakas im Setubandha, und Hemacandra schreibt für die im Präkrit2) üblichen Galitaka-
Metra ausdrücklich Yamakas am Pädaende vor (Chandonu6äsana IV). Auch der Apa-
bhramäapoesie scheinen Yamakas nicht ganz fremd gewesen zu sein; denn Hemacandra
lehrt in seiner Metrik, daß die beiden Metra Vadanaka und Upavadanaka, wenn sie am
Pädaende Yamakas haben (yamite ٠nte) Adilä heißen sollen.
Statt eines Yamaka haben wir einen (reinen) Reim, wenn in den einander ent-
sprechenden Silbengruppen nur der Vokal der ersten Silbe der gleiche ist, nicht aber der
vorausgehende Konsonant. — Eine allgemein angenommene Bezeichnung für Reim haben
die Inder nicht gehabt. Erst im Sähitya Darp. X 6 wird er definiert und antyänupräsa
genannt. Die früheren Alankäraschriftsteller ignorieren aber den Reim vollständig3), auch
Hemacandra im Kävyänusäsana. Dagegen hat er im Chandonu6äsana Veranlassung vom
Reim zu sprechen4). Er nennt ihn anupräsa im Gegensatz zu yamaka; Gereimt heißt
sänupräsa, mit yamaka versehen yamita. — Präkrta Pingala nennt den Reim yamaka
(jama, jamaa, jamaka, jamakka).
Der Reim erscheint im späteren klassischen Sanskrit häufiger, meist nur als eine mehr
zufällige Verzierung des Verses, selten als gesetzmäßiger Bestandteil. Auch in der Präkrit-
Poesie kommt er vor, wenn er auch in der erhaltenen Literatur nicht gerade stark zu
belegen ist. Dagegen ist die Apabhramsa-Poesie recht eigentlich sein Gebiet; offenbar
war er eine volkstümliche Kunstform. Fast alle Apabhramsa-Strophen sind gereimt.
Beispiele ungereimter Apabhramsa-Strophen sind Pischel, Mat. Nr. 365, 2. 446; sie bilden
aber durchaus die Ausnahme.
Ich gehe jetzt dazu über, die Erscheinungen, die bei den Reimen in der Bhavisatta-
kaha zutage treten, zusammenfassend vorzuführen.
٦) Über eine ältere viel primitivere Kunstform, die auch yamaka hieß und ١vohl als Vorstufe des
klassischen yamaka betrachtet werden muß, siehe ZDMG 40,101. Wenn im Wechsel vortrag gebraucht,
hieß es pratimälä, Kämasästra S. 37.
2) Sähitya Darp. VI 326 heißt es von den Metren der Präkritkävyas: chandasä skandhakenai
1tat kvacid galitakair api. Nach Hem. Kävy. S. 337 hielten einige Kritiker die Galitakas im Setu-
bandha (und Räva٠avijaya, Harivijaya) für unecht: galitakäni tu tatra kair api vidagdhamä-
nibhih ksiptäniti tadvido bhäsante.
3) Der Grund dafür ist wohl nicht so sehr der Umstand, daß der Reim weniger kunstvoll als das
yamaka ist, sondern vielmehr der, daß der Reim, wo er auftritt, etwas Gesetzmäßiges ist und darum
ebenso wenig als ein alankära wie etwa ein kunstvolles Metrum zu betrachten ist.
4) galitakam evä’yamakam sänupräsam samämhri khanjakam: “ein Galitaka ohne ya-
makas, aber gereimt und aus gleichen Pädas bestehend heißt Khanjaka”.
7*


52*
Bhavisattakaha
Rein ist dei’ Rein , wenn die aufeinander reimenden Silben bis auf den oder die an-
lautenden Konsonanten der ersten Reimsilbe übereinstimmen. Auch solche Reime wollen
wir noch als rein gelten lassen, wo e bzw. 0 und i bzw. w, reiner und nasalierter Vokal,
ferner V (einschließlich vasruti) u'nd V einander entsprechen (siehe Abschni.tt 5 §§ 3. 9)٠
Wo die Ungleichheit aber weitergeht, betrachten wir den Reim als unreinØ›). Reine Reime
bilden dui’chaus die Mehrheit, unreine sind abei’ keineswegs selten. Es ist nun von In-
teresse festzustellen, welche Freiheiten der Dichtei’ sich in den Reimen gestattet, damit
man niclit etwa aus solchen Reimen falsche oder zu' weit gehende Schlüsse in sprachlicher
Beziehung maclie. Zu diesem Zwecke empfiehlt es sicli, zunächst die beiden Vei’sarten zu
untersuchen, in denen die Hauptmasse des Gedichtes abgefaßt ist, die Adilla (Nr. 5) und
Paddhadika (Nr. 6), jene mit daktylischen oder spondeischen, diese mit trochäischen Reimen.
Reine Re me weisen folgende Typen auf: akklarau—pahäi.raü, maggahi—laggahi; vasu—
tasu, liddhi —pasiddhi. 'Die erste Reimsilbe ist also in beidei'i Fallen eine lange bezw.
schwere Silbe. Namentlicli bei trochaischem Ausgang ist auch die fragliclie Silbe in den
I’eimenden Wörtern öfters gleichlautend؟ dann wird die ihl’ vorhergehende gern in den
Reim einbezogen, z. B. vihanu—nhiiu 4,8؟ bhamanti—gamanti 5,9؟ vihavio si—pavio si
10,6؟ aber’: rahanga—vihanga 60,5. Aber auch die drittletzte Silbe kann noch gleichgestaltet
sein, z. B. vanivarra —mahavaeija 4,5; dusiyar-- vamrsiyar, tarnvirai —cumvia 5, 7. 8.
Bei daktylischen Reimen sind dergleichen Vorkommen natürlich seltenei’, z. B. tlantao—
modantao 182,6; karaviya—dbaraviya 133,5; aber niunjai—paunjai 157,9. — Demgemäß
läßt sich über die reinen Reime Folgendes feststellen: Die erste Reimsilbe ist im Anlaut
gewöhnliclr verschieden gestaltet; stimmt sie aber auch im Anlaut überein, so liebt der
Diclrter’ zwar’ Gleichklairg der’ jener vorausgelrenden Silbe oder’ Silben, olrne daß er sich
aber dieserlralb eirre .Regel aufer’legt.
Bei den unreinen Reimen ist der’ Sitz der Unreinheit fast immer die erste Reimsilbe.
Um die Irier’bei eintr’etenden Erscheinungen auch lrinsichtlich des Häufigkeitsverhältnisses
einigermaßen einschätzen zu können, habe ich für die beiden Kategorien der daktylischen
und trochäischen Reime ungefähr gleiclr große Textgebiete untersucht, wobei ich aber
auclr den übrigen Teil des Werkes hinsichtlich der’ Reime aufmerksam dur’chgesehen und
Bemerkenswertes notiert habe. In' dem untersuchten Gebiet der’ daktylischen bezw. spon-
deischen Reime fand ich 83 unreine Reime, etwa ein Fünftel aller Reime, in dem der
trochäischen Reime 37 unr’eine, etwa ein Zehntel.
1. Am häufigsten wird die Unreinheit des Reimes dadurch lrervorgerufen, daß der
Vokal der ersten Reimsilbe wechselt;
a) bei geschlossener’ Silbe (36 bezw. 15 Fälle) z. B. virpviu—curnviu 27,8; vanna—
dirrna 9,1;
b) bei offener Silbe (11 bezw. 9 Falle), z. B. pesai — bhasai 23,6; Ou — desu
226,9. 229,8.
2. Ein ander’er Grund der Unreinheit ist, daß auf den kurzen Vokal der ersten
Reimsilbe einmal der verdoppelte Konsonant folgt und das andere Mal derselbe Konsonarrt
mit vorhergehendem Nasal (geschrieben als Anusvara; ob auch so gesprochen?), dies in
ل) Geradezu fehlerhaft sind die Reime komala kara-tanrvira 78,11; Pöyanapure-vihurahare 197,11;
suhavio —viccleao 269,3. In 270,4 b scheint ein Verderbnis vorzuliegen.


Abhandlung. 7. über den Apabhrapa.
53*
15 bezw. 9 Fallen, z. B.: jarppai—samappai 13,1؛ mahanta —patta 6,7 ٠, pakkhu—asainkhu
230, 8. Hiermit verwandt erscheint der Reim zwischen Nasalvokal und langem Vokal:
ahasivi-namainsivi 74,6, bhasaiu —daipsaiu 348,2 ٠, selbst visesaiu —danaiu 182,9.
302,4. Auch natura und positione langer Vokal können miteinandei’ reimen: paisivvau —
suhasevau 36,2, vgl. 149,10؛ nikkvau —dikkhivvau 51,4؛ loyaiu—.iovvaiu 20,2 (siehe
Abschnitt 5 § 3).
Die unter 1 und 2 angegebenen Ursachen der Unreinheit ei’scheinen zuweilen ver-
einigt: rauddu—vindu 54,9؛ samuddi—gaindi 239,14؛ samuddaho —vindaho 46,5؛ padi-
uttaru —mahantaru 37,4؛ mayaraau —ti٠u 65,4؟ ranjiu—pujjiu 15,7. Ferner jaisaru
—janmantaru 88,5; maggevi sai —bhavisai 28, 8. Besonderer Art ist: Piyasundari —
vasuindhari 197, 3.
Endlich begegnen wir, aber nur bei daktylischem Ausgange, einer Anzahl von Fallen,
bei denen wir wohl am sichersten gehen, zweisilbigen Reim anzunehmen. Es handelt sich
in dem untersuchten Gebiete um folgende Fälle: hariyandanu—lingaiu 13,6; jaip dhanu-
anga؟u 37,3; mahantaru —samcaru 44,1; nirantara—sajpvacchara 13,8; aiduttaru—sam-
vaccharu 48,2; samanniu —saTncalliu 44,12; kevalu —samujjalu 70,7; nimmalu —komalu
20,3؛ supujjai —auvvai 51,6. Besonders deutlicli ist die Zweisilbigkeit des Reimes in
den folgenden Fällen, wo sich Dactylus und Proceleusmaticus einander entsprechen: sana-
gaya-٠sahä saya 39,9; parimiu —kammiu 35,1؛ kalasahT— ghosahT 31,10; suresaru—-
vanivaru 70,8; parimalu —mahaphalu 67, 2.
Zum Schlüsse betrachten wir die nicht daktylischen Versenden der Adillastrophen..
Beim spondeischen Ausgang sind unreine Reime selten, z. B. panthi—kayatth 16,7;.
bhoggi —valaggl 26,5.- Anapastischer Verschluß kommt in den untersuchten Textab-
schnitten dreimal vor (12,3. 32,2. 40,5) mit durchaus reinen Reimen; proceleusmatischer
13mal, wobei 12 mal reiner viersilbiger Reim steht und nui’ einmal zweisilbigei’: bhavaja
— mihunaT 64,7; ein dreisilbigei’: ga dyalihT-dhavalehT 78, 15 außerhalb des abge-.
steckten Gebietes.
Die Beobachtungen, die wir bezüglich des Reimes bei den Adilla- und Paddhadika-
Strophen gemacht haben, gelten auch für alle übrigen mit daktylischem, spondeischem
und trochaischem Ausgang. In den meisten Strophenarten ist aber der Rhythmus des
Vei’sschlusses und folglich auch die Anzahl der Reimsilben nicht schon durch das Metrum,
bestimmt. In dem untersuchten Gebiete fand ich bei solchen Strophen 39 mal zwei-
silbigen, 25 mal dreisilbigen und 7 mal viersilbigen Reim. Mangelhaft ist der Reim
gu٠i —magi 20,9.' 10.
7. Uber den Apabhramsa.
1. Es kann keinem Zweifel untei’liegen, daß der Apabhraipsa eine Mittelstellung-
zwischen dem Prakrit und den neuindischen Sprachen einnimmt. Schwierigkeiten erheben
sich abei’, wenn man versucht, die eigentliche Bedeutung und die genauen sprachlichen-
Beziehungen des Apabhramsa festzustellen. Mancherlei Hindernisse stellen sich der For-
schung in den Weg, einen richtigen Einblicli in die sehr unklar liegenden Verhältnisse
zu gewinnen. Diese aufzuhellen sind unsere Quellen der Apabhraina-Literatur, trotz der
neuen Texte, unzulänglich. Besonders ei’schwerend ist abei’ der Widei’spruch, in dem die-


54*
Bhavisattakaha
Angaben der einheimischen Schriftsteller selbst unter einander Ù  stehen. Der Wert der
einzelnen ٠ Zeugnisse muß geprüft und festgestellt werden, ehe man ihnen Beweiskraft
zuerkennen darf. Als Richtschnur muß gelten, daß die alteren Zeugnisse den Vorzug
vor den jüngeren und jüngsten verdienen, nicht nur weil das überall gilt, sondern auch,
weil die jüngeren Schriftsteller keine Kenntnis mehr von den indischen Sprachverhältnissen
hatten, wie sie zur Zeit des Aufkommens und der Blüte der Apabhraina-Literatur lagen.
Das Bild, derselben hatte sich vollkommen geändert, als im Laufe des letzten halben Jahr-
tausends die neuindischen Sprachen zu Literatursprachen erhoben woi’den waren. Wenn
also jüngere Schriftsteller auch alte gute Nachrichten gehabt haben mögen, so ist doch
deren Entstellung durch Kombinationen mit neuzeitigen Sprachverhältnissen in jedem Falle
jnoglich, ja wahrscheinlich.
٠ Zunächst lege ich das Beweismaterial dafür vor, daß der Apabhransa das Mittel-
.glied zwischen dem Prakrit einerseits und den neuindischen Sprachen anderseits ist.
2. Die indischen Grammatiker von Hemacandra an behandeln den Apabhrarna als
.eine Art Prakrit (Pischel, p. G. § 3). Ausdrücklich erklärt ihn dafür Namisadhu (1069 n. Chi’.)
zu Rudrata Kavyal. 2,12: prakrtam eva ’pabhrain ah, und gemäß dieser wohl gemeinen
Ansicht lautet in der Hd des Nminahacariu der Marginaltitel: Neminathacaritrain Prakrta
Haribhadriip (sic). Wahrscheinlich gründete sich diese Ansicht auf die weitgehende über-
einstimmung des Wortschatzes in Prakrit- und Apabhrana-Werken. Denn im Apa-
bhraipäa können die Prakrit-Worter, tatsamas, tadbhavas und desis, Nomina wie Verba
(dhatvade^as), gebi’aucht werden, zum größeren Teil unverändert, zum andern durch ge-
wisse lautliche Veränderungen und durch Stammerweiterungen abgewandelt, wie im Abriß
der Grammatik ausgeführt worden ist. Rechnen wir trotz dieser Veränderungen die davon
betroffenen Wortstämme zu den Pkrit-Wörtern, was sie auch eigentlich sind, so kann
man sagen, und eine fluchtige Durchsicht des Glossars wil’d es bestätigen, daß weit über
neun Zehntel des Wortschatzes im literarischen Apabhrain a mit dem des literarischen
Prakrit übereinstimmt und voraussichtlich aus ihm übernommen ist. Das dem Apabhrain a
eigentümliche Element betrifft also weniger das Wörterbuch als die Grammatik؛ und wo
hier ein Vei’gleich mit entsprechenden Prakritformen möglich ist, erweisen sich diese auf
den ersten Blick als die .zweif'ellos älteren. Es steht also fest, daß der Apabhraipsa eine
weiter fortgeschrittene Stufe der Sprachentwicklung darstellt als das Prakrit.
3. Zu dei’ Ansicht, daß der Apabhrain a ein Prakrit sei, stellen die Angaben der
.älteren Poetiker im Gegensatz, wonach der Apabhrana ein gleichberechtigtes Glied in
der Dreiheit von Literatursprachen neben Sanskrit und Prakrit sei. Es muß betont werden,
daß die ältesten Schriftsteller, die den Apabhrainäa erwähneu — es sind alle Poetiker —
ihn nui’ als eine Dichtersprache kennen. Bhamaha, dei’ wahrscheinlich um die Wende
des 6. und 7. Jahrhunderts lebte*), sagt Al. 1,16:
sabdarthau sahit u kavyam, gadyam padyaip ca tad dvidha, I
Saipskrtam Pkrtaip canyadÙ¥) Apabhrain a iti tridha. II
1) Seine Zeit ergibt sieb daraus, daß er Al. 5,6 pratyak und kalpana noch nach Dignaga
(NyayaVarttika s. 44 1.1, vgl. Tatparyat k s. 102 1. lff.) und nicht nach dessen Varttikakara (Nyaya-
bindutk s. 78, 1. 13) Dharmak ti (ebenda s. 103, 1. 3) definiert.
2) Namisadhu zu Rudrata 2,11 zitiert diesen Halbvers und hat caitad statt canyad, was aber
keinen Sinn gibt.


Abhandlung. 7. Uber den Apabhraina.
55*
Die drei Sprachen der Poesie sind also Sanskrit, Pakrit und Apabhraipa; letzterer ist
alles, was nicht Sanskrit oder Prakrit ist (anyad). — Der nächste Poetiker Daidin sagt
Kavyadaräa I, 32 von der schonen Literatur (vänmaya):
tad etad vanmayam bhuyah Saipskitam Prakrtaip tatha I
Apabhraipsaä ca misrarp cöty ahur äptäs caturvidham. I!
Das Gemischtsprachliche ist das Drama und kommt daher bei dei’ Spracheinteilung nicht
in Betracht. Spatere Poetiker verstehen unter . Prakrit die Mähärä t 1 und führen dahei’
andere Pakts als besondere Literatursprachen auf. Ich führe noch Rudrata (9. Jahrh.).
Kävyäl. 2,11. 12 an.
vakyam bhavati dvedha: gadyan chandogataip ca, bbuyo fpi .!
bha hhedanimittah soclha bhedo 'sya saipbhavati: II
Präkrta-Saipskrta-Mägadha-Pisaca-bha a ca Suraseni ca, I
sa ho tra bhuribhedo desavise ad Apabhraipsah II
Das vielleicht älteste؛) Zeugnis über den Apabhraipsa ist in einer Inschrift Dhara٣
senas II., Königs von Valabhi, enthalten-, derselbe rühmt seinen Vater Guhasena als
Saipskrta - Präkrtapabhrana - bha traya - pratibaddha - prabandha - racana-nipunatarantah-
karah. Unter prabandha werden poetische Weke verstanden أ nach Rudrata 1Ö,2 sind
pi’abandhas Gedichte, Erzählungen, Romane usw. (kävyakathäkhyäyikadayah). Hiei’ ist
also von der Verwendung des Apabhraipsa als Dichtei’sprache die Rede. Da Guhasenas
Inschriften von 559—569 n. Chi’, datieren, so ist für die Mitte des 6. Jahi’hunderts das
Bestehen einer Apabhraipsa-Literatur bezeugt.
'Der Widerspruch dei’ zuerst erörterten Ansicht, nach dei’ dei’ Apabhraipsa eine Art
Prakrit sei, zu der im vorhei’gehenden belegten, daß er mit Sanskrit und Prakrit gleich-
gestellt sei, ist aber nui’ ein scheinbarer, denn die erstei’e Ansicht betrachtet den Apa-.
bhraipsa nach seinem sprachlichen Charakter, die letztei’e nach seinei’ Geltung als Lite-,
ratursprache.
4. Daß der Apabhraipsa eine Vorstufe des Neuindischen ist, zeigt aufs deutlichste-
das AtGuzetl worüber Sir G. A. Griei’son im Linguistic Sui’vey of India vol. IX part. II.
s. 353 ff. berichtet hat. Seine Quelle ist die von einem Schüler Devasundai’as 1394 n. Chr.
verfaßte Sanskrit-Grammatik für Anfänger, Mugdhavabodhamauktika, hei’ausgegeben von
H. H. Dhruva 1889; ihl’ Wei’t besteht darin, daß Erklärungen und Beispiele in dei’Volks-.
Sprache, also AltGuzerät gegeben sind. Seitdem ist ein Werk ähnlicher Art der 141٥.
n. Chr. von Guparatna, Schüler Devasundaras, vei’faßte Kriyaratnasamuccaya herausgegeben
woi’den, in 'der öri Yaäovijaya Jaina Granthamala Ni’. 10, Benares 1908. Die Guzerati
Erklärungen finden sich zwar nur s. 16—19, sie ei’gänzen abei’ in willkommener Weise-
nach der Seite des Verbums die Mitteilungen Gi’iei’sons. — Die Übereinstimmung mit dem.
Apabhraipäa ist in vielen Fällen sehr weitgehend, ebenso auch in andern die Verschieden-
heit. So stimmen der Nom. Acc. masc. neutr. im Sing, und Plui’., der Loc. sing, überein,,
ebenso der Instr. sing. Devadattai, woneben Alt-Guz. auch die Formen u und ٢ hat. Dei’
Gen. sing, wird durch Zusatz von tapau hervorgehoben; aber während tapau im Apa-
bhraipsa gewöhnlich liintei’ den eigentlichen Genitiv tritt und flektiert wil’d, ti’itt es im.
ل) Wenn nämlich Bhamaha nicht gleichalterig sein sollte.


56*
Bhavisattakaha
Alt-Guz. an den Stamm, und zu nau verkürzt wurde es zur Genitiv-Endung (jung no), naT
zur Dativ-Endung (jung nS). Hier sieht man also die moderne Flexion durch Affixe in
der Entstehung.
Ich gebe hier das Paradigma des Verbums im Alt-Guz. nach dem Kriyäratnasam-
uccaya. Der Anusvära steht wohl überall für den Anunäsika, der aber nur einmal in
der 2. Sing, geschrieben Ù¡vird.
Präsens Sing.
Plur.
Optativ Sing.
Plur.
Imper.
hum karaum,
amhe karaum,
hüm karijaum,
amhe karijaum,
tüm kari,
tum karam, eu karai
tumhe karau, e ghapä karaim
('،“Pr٠٠> "٠؛k ٠<؛ümhikarijo, | ،a٢؛
(.karau (sing, plur
Futur. Sing, hüm karisu, tüm karisii, J karisii
Participium präsentis. Der Stamm karata liata, pass, sulata kTjaita wird als
Opt. und Condit. gebraucht. Flektiert Nom. Acc. karatu (selten), karatau, fern, kijati als
Adjektiv. Als Prädikat bildet es das Präteritum: Sing, karatau, Plur. karatä.
Participium perfecti passivi geht gewöhnlich auf iu, neutr. iwn aus: padhiu;
unregelmäßig kidhau, lidhau, didhau, giu. Als Prädikat bildet es das Präteritum (wie
das Part. präs.).. Sing, padhiu (iü), Plur. act. caliä; pass, pämyäm (präptäs), vikyäin
(vikritäni).
_ Participium necessitatis: karevau karivau, fern, jimavi; levau. In passivischer
Konstruktion dient es als Optativ: amhe bhikha jimavi, jünaü vastra pahiravaum —
bhunjimahi vayam bhaiksam jirnam väso vasimahi. — karivä levä werden als Infinitive
gebraucht.
Absolutivum: kari lei dei; es wird auch als Infinitiv gebraucht.
Nomen agentis: karaijahära, lenahära.
Das Passiv um wird regelmäßig auf iai, kontrahiert ii gebildet: kahiai, kahii; un-
regelmäßig sind kijai, lijai, dijai. — Ein potentiales Passiv wird auf äyai, kontrahiert ä¿,
gebildet: boläyai, vikäi ،es kann gesagt, verkauft werden’.
(Das Causativum ist nicht belegt.)
Wenn man das Verbum im Alt-Guzerati mit dem des Apabhramsa (siehe oben S. 40*0،.)
vergleicht, so ergibt sich im Verbum finitum eine große Übereinstimmung außer in 2. sing.;
(man beachte den Ausfall des H im Plur.). Jedoch hat A. G٠ einen vollständigen Optativ,
während im Apabhramäa regelmäßig nur die 2. Person sing. plur. und zwar als Imperativ
gebraucht werdenÙ¡ und sich von sonstigen Formen (3. Person) nur Spuren finden. Auch die
Formen des Part. p.p. und Part. nec. lassen sich unschwer mit denen des Apabhramäa
vereinigen (abgesehen von den unregelmäßigen p.p.). Dagegen besteht ein tiefgehender
Unterschied hinsichtlich der Form1) des Part. präs. Das Suffix ist im Apabhramsa anta
an tau, im Alt-Guzerati ata atau; die erste Silbe ist also kurz bzw. reduziert und zwar
nicht nur im Guzerati, sondern in allen neuindischen Sprachen. Die neuindische Form
kann nicht wohl aus der des Apabhramsa bzw. Präkrit abgeleitet werden, sondern scheint
١) Seine Verwendung als Präteritum und Conditionalis findet aber im Apabhramsa wie auch zum
teil schon im Präkrit eine Analogie; siehe oben S. 40* § 35.


Abhandlung. 7. Ãœber den Apabhramsa.
57*
auf die schwache Form des sanskritischen »Suffixes zurückzugehen. Während also der
Apabhramsa in Übereinstimmung mit dem Präkrit die starke Form des Suffixes verall-
gemeinert hat, haben die neuindischen Sprachen die schwache Form verallgemeinert.
Schon hieraus ersieht man, daß der Apabhramsa keineswegs mit Vulgärindisch gleichzu-
stellen ist. — Im Alt-Guzeräti treten zwei Arten des Sprachbaues hervor: die eine stellt
sich dar als eine größtenteils lautliche Weiterbildung schon im Apabhramsa vorhandener
Flexionsformen und Pronominalstämme; die andere beruht auf dem neuindischen Prinzip
der Neubildung durch Umschreibung, wobei die Hülfswörter alsbald zu Affixen herab-
sinken. Diese Art der Formbildung ist in den übrigen neuindischen Sprachen viel früher und
durchgreifender zur Geltung gelangt als im Alt-Guzeräti; wenn auch zumteil älter, sind sie
doch hinsichtlich der Flexion weniger altertümlich als das Alt-Guzeräti, dessen vermittlende
Stellung zwischen Apabhramsa und Neuindisch auf den ersten Blick erkennbar ist.
5. Wenn eben an dem Part. präs. gezeigt wurde, daß das Neuindische in diesem
Punkte geschlossen dem Apabhramsa gegenübersteht, so sei jetzt, um irreführendem Ein-
druck vorzubeugen, im Vorübergehen darauf hingewiesen, daß sich andere sprachliche
Eigentümlichkeiten des Apabhramäa in der Gesamtheit oder doch in der Mehrzahl der
neuindischen Sprachen nach weisen lassen. Ich hebe zwei Tatsachen hervor. Die erste
betrifft den Interrogativstamm kavana des Apabhramsa (Hem. IV 367). Derselbe hat
Fortsetzer in allen neuindischen Sprachen außer Sindhi hinterlassen. Ich stelle die Formen
nach Hoernle, A grammar of Gaudian Languages, S. 288 zusammen: Beng. kon, Or. kau,
kap, E. Hindi kavan kaün kaun, W. Hindi kaunu kaun, Mar١v. kon kup kan,
Panj. kaup, Guz. kop, Mar. kop, Nep. kun.
Eine zweite Tatsache ist der im Neuindischen weit verbreitete aber doch sporadische
Wandel von intervokalischem m zu ü, der zuerst im Apabhramsa auftritt (Hem. IV 397).
So wird näma im Maräthi zu nämva oder im Panj. zu näum, beides offenbar aus
näva entstanden, das nach Verklingen des auslautenden a wie näv oder näü lautete. Die
andern Sprachen bieten ncm oder ähnlich in der Schriftsprache, aber die vulgäre Aus-
sprache wird wohl näv oder näü sein. Den Beweis liefern die Ortsnamen, deren Endglied
gräma ist. Wenn gräma zu gäü wurde, geben die Engländer es durch gaon oder sehr
selten ähnlich1) wieder, z. B. in dem Namen Girgaon einer ١٢orstadt Bombays. Beim
Durchgehen des Index zu Thackers Reduced Survey Map of India 3. Ausgabe, Ù¡vorin alle
Ortsnamen in Hunters Gazetter of India in derselben Schreibweise enthalten sind, finde
ich 143 Ortsnamen auf gaon (einschließlich der sieben in der Anmerkung genannten) und
nur 20 auf gram bezw. gam (5) und gama (1). Die Namen auf gaon verteilen sich
auf die einzelnen Provinzen folgendermaßen: Bombay 31, Haiderabad 9, Berar 15, Central
India 10, Central Provinces 38, Punjab 1, N.Ù¡V. Provinces 4, Oudh 4, Nepal 1, Bengal 20,
Assam 8. Der Bestand läßt sich für Räjputäna und das Indusland nicht mit meinen
Mitteln nachweisen, da sie in diesen Landesteilen keine Namen mit skrt gräma im zweiten
Gliede bieten (dagegen viele mit pur oder nagar)2). Die mitgeteilten Tatsachen zeigen,
Ù¦) gaum in Belgaum Jabugaum, gawn in Majjhgawn, gao in Marmagao, gong in Nawgong,
Oolgong, Chittagong.
2) Die Verteilung der Ortsnamen auf gräma ist sehr auffällig. Häufig im Dekhan und Bengalen,
sind sie spärlich im nördlichen Indien und fehlen ganz in Sindh und Räjputäna. Ich stelle die Tatsache
fest, ohne Vermutungen über ihre Gründe anzustellen.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh.
8


58*
Bhavisattakaha
daß sich ein dem Apabhramsa eigentümlicher Lautwandel über den größten Teil des Ge-
bietes der neuindischen Sprachen wenigstens in dei’ volkstümlichen Aussprache verbreitet
hat. — Der Hauptsache nach scheint die im Apabhraipsa eingetretene Sprachentwicklung
ihren Foi’tgang in den neuindischen Sprachen genommen zu haben, wahrend diese in ein-
zelnen Erscheinungen untei’ sich übereinstimmend doch zu jenem in unleugbarem Gegen-
satz stehen.
6. Nachdem wir im Vorhergehenden die Stellung des Apabhraipsa in der indischen
Sprachentwicklung behandelt haben, wollen wir jetzt den Spuren nachgehen, welche den
Einfluß des Apabhraipsa (oder eines ihm sehl’ ähnlichen Idioms) auf das Pkrit verraten.
Zunächst sei daran erinnert, daß, wie wir in 3. gesehen haben, das Bestehen einer Apa-
bhraipa Literatur um die Mitte des 6. Jahrhunderts inschi’iftlich feststeht. Wenn ein
Fül’st in Apabhraipsa-Poesie dilletiert, muß die Apabhraipäa-Literatur über ihre Anfänge
langst herausgewesen sein, und wir müssen ihren Anfang spätestens in das 5. Jahrh. setzen 1).
1) Aus noch früherer Zeit wurden wir nicht nur ein Zeugnis für den Ap , sondern sogar ein
Sprachdenkmal haben, wenn die Ap.-Strophen, die einige Hdd der Urvasi im 4. Akt einschalten, von
Kalidasa herrührten. Aber Shankar Pandurang Pandit hat in dei’ Vorrede zu seiner Ausgabe dieses
Dramas (BSS Nr. 16) die Unechtheit jener Strophen bewiesen und Th. Bloch hat in seiner Leipziger
Dissertation, Vararuci und Hemacandra, 1893, s. 15 fg. sich ihm angeschlossen und weitere Grunde hin-
zugefügt. Man wird schwerlich in einem andern Texte so handgreifliche Anzeichen- der Einschiebung
finden wie hier. Denn die Ap.-Strophen stehen meistens mit der vorhergehenden Prosarede nicht in
Zusammenhang, sondern zuweilen sogar in Widerspruch. Bloch hat als Beispiel dafür Strophe 11 (nach
Pandits Zahlung) 'angeführt; das von ihr gesagte gilt aber auch von str. 3, 18, 21, 23, 27, 29, 31.
Shankar Pandits und Bloclis Kritik in diesem Punkte hat sten Konow in seinei’ Anzeige von des
Letzteren Dissertation (GGA 1894 s. 475) nicht widerlegt, noch auch Pischel PG § 29. Denn daß alle
nordindischen Hdd die betr. Strophen haben, ist kein Grund für ihre Echtheit. Selbst wenn diese Hdd
den besseren Text gaben, was keineswegs ausgemacht ist, wurde das niclit ausschließen, daß in Nord-
indien, wo ja der Ap. heimisch war, in spaterer Zeit die Ap.-Strophen dem an sich noch so guten Text
zugefügt woi’den sein konnten. Allerdings sind sie nicht in dem üblichen Sinne interpoliert, sondern
sie gehören zusammen und bilden, wie die oi’chestischen Anweisungen besondei’s nahe legen, ein Libretto
für eine Pantomime (nta, vgl. DasaUpaka I 9) mit Gesang. Dergleichen Aufführungen habe ich vor
44 Jahren öfters an Hofen von Rajputfiirsten gesehen, als eine besondere Form des so sehr beliebten nac.
Die Tänzerin (oder ihrer zwei) führte mimisch eine als bekannt vorausgesetzte Szene auf und sang dabei
Verse zu der üblichen Musikbegleitung; ein Hauptreiz lag in der Mimik (abhinaya). In unserer Panto-
mime, die natürlich die aus der Urvasi bekannte Szene darstellen sollte, wil’d wohl ein nata die Haupt-
rolle gespielt und die Strophen gesungen haben, in denen der König spricht, wahrend die andern Strophen,
in denen von dem verlassenen Elefanten und den Haipsas die Rede ist, von ihm untergeordneten San-
gern oder Sängerinnen vorgetragen wurden. Die Pantomime hat ein Gesangvorspiel (Verse 1 — 5 in
Pakt), wie es auch im nac vor dem Auftreten der Haupttänzerin üblich ist; und es fehlte ihr auch
nicht ein passender Schluß. Natürlich kann ein Libretto niemals einen zusammenhängenden Text geben,
sondern wird immei’ einen fragmentarischen Eindruck machen; denn den eigentlichen Vorgang stellt die
Mimik dar (padärthäbhinayätmakarp .... nrtyam, Dhanika ad 1. c.); die Strophen bi’ingen nur den rasa
zum Ausdruck. Im vorliegenden Falle ist es zudem zweifelhaft, ob bei der Einflechtung des Libretto in
den kalidäseischen Text auch alle seine sti’ophen aufgenommen worden sind. Unsere Pantomime muß
sich außerordentlicher Beliebtheit erfreut haben, um der Ehre gewürdigt zu wei’den, mit Kalidasas Text
verflochten zu werden. Aber das allein erklärt noch nicht, daß es geschah. Darüber hat nun Prof.
K. H. Dhruva in der Vorrede zu seiner Guzerati-Übersetzung der Urvasi (Pakramnl prasadi kiipvä
Vikramorvasiya natak, 3. Auflage, Ahmedabad 1912) s. 42 eine ansprechende Vermutung geäußert. Die
des Sanskrit unkundigen Zuschauer, deren Zahl im Lauf der Zeit schnell wuchs, wurden von dem 4. Akt
kaum etwas verstanden haben, da er bis auf die Schlußszene in reinem Sanskrit abgefaßt war, wahrend


Abhandlung. 7. Ãœber den Apabhramsa.
59*
In einem Exkurs werde ich eingehender über die literarischen Präkrits handeln.
Hier nur eine Vorbemerkung über das wichtigste derselben, die Mähärästri (Mabärästrä-
srayäm bhäsäm prakrstam Präkrtam viduh, Dandin Kävyäd. I 34). Wenn die Literatur-
sprache eines begrenzten Gebietes, in dem sie sich mit Anlehnung an die dort übliche
Umgangssprache gebildet hatte, auch in andern Ländern mit abweichenden Dialekten über-
nommen wird, so verliert sie ihre auf der Bodenständigkeit beruhende Widerstandsfähig-
keit gegen den Einfluß fremder Volkssprachen. Bei der Mähärästn macht sich eine der-
artige Einwirkung sowohl in der Literatur als in den Vorschriften der Grammatiker durch
das Aufkommen von Spracherscheinungen geltend, die eigentlich im Apabhramsa berechtigt,
in der Mähäräs؛ri aber als Vulgarismen zu betrachten sind. Diese Erscheinungen wollen
wir ØŒjetzt im Einzelnen aufzeigen.
7. Die hochklassischen Werke Setubandha und Gaudavaha sind begreiflicherweise von
solchen Vulgarismen frei, abgesehen von nicht allzu reichlichen Desiwörtern, die aber
auch schon im Häla erscheinen und nicht als eigentliche Vulgarismen galten. Anders aber
verhält es sich mit dem Paumacariya, dem ältesten auf uns gekommenen Kävya in Jaina-
Mähärä§tri. Nach des Dichters, Vimalasuris, eigener Angabe ist es 530 nach Vira (Vire
siddhim uvagae) abgefaßt. 530 n. Vira ist nach der traditionellen Ansetzung des Nirväpas
١٢h١as gleich 4 n. Chr. Da aber in dem Werke selbst diriära, lagna1), Yavanas und
Sakas erwähnt werden, so kann es frühestens im 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. ent-
standen sein, und ١vir müssen annehmen, daß das Nirväiia einst später angesetzt wurde,
als jetzt und seit langem üblich ist, wie denn auch in der Tat manche frühe Daten in
der Vira-Ära nach der üblichen Berechnung um etwa drei Jahrhunderte vordatiert scheinen.
Im Paumacariya finden sich Vulgarismen verschiedener Art: 1. Spracherscheinungen,
die in gleicher weise auch im Ap. Vorkommen; 2. solche, zu denen sich Analoges im Ap.
findet; 3. solche, welche Vorläufer der im Ap. üblichen Formen zu sein scheinen. Was
die direkten Übereinstimmungen betrifft, so würden sie in höherem Maße zu verzeichnen
sein, wenn nicht der Text nach den Vorschriften der Präkritgrammatiker korrigiert wäre.
Dies ist wenigstens in der verbreitetsten Rezension der Fall. Eine zweite Rezension, die
nur durch eine Hd zweifelhafter Güte vertreten ist, ٦veicht im Textbestande nicht uner-
heblich ab und bietet eine Anzahl orthographischer Eigentümlichkeiten, die auf einer Laut-
erscheinung des Ap. beruhen, nämlich dem Wandel des intervokalischen m in nasaliertes v
(v), wofür die Hdd mv oder v zu schreiben pflegen. So schreibt die genannte Hd des
Paumacariya öfters jämva tämva für präkrit jäva täva (Ap. jäma täma, yäva täva);
in den übrigen Akten die Präkritpartien in Verbindung mit dem abhinaya der Sanskritstrophen ihnen
noch ermöglichte, einigermaßen dem Gange des Stückes zu folgen. Mit Rücksicht auf solche Zuhörer
seien die Ap.-Strophen eingelegt worden und zwar in der Zeit zwischen Hemacandra und dem Präkrta
Pingala, wie Dhruva aus der Form des in ihnen zur Anwendung gebrachten Apabhramsa schließt. Auf
letzteren Gegenstand werden wir später zurückkommen. Wie dem auch sei, jedenfalls betrachte ich es
als über jeden vernünftigen Zweifel erhaben, daß die Apabhramsa-Strophen nicht von dem Dichter der
Urvasi. selbst herrühren.
Ù¤) Es handelt sich um das Horoscop Hanumats 17,106 ff., das in der verbreitetsten Rezension, der
ich in meiner Ausgabe gefolgt bin, 5 Gäthäs, in der andern 18 Gäthäs umfaßt, in beiden sachlich, so
viel ich davon verstehe, übereinstimmt. Es werden die Planeten (in der Vulgata heißt Mars Ara, 3Aqijs'.)
und die Zodiakalbilder genannt. Es liegt also ganz zweifellos die von den Griechen entlehnte Astro-
logie vor.
8


60*
Bhavisattakaha
fast immer savara für Samara, und umgekehrt Räma٠a und Ramvap für Räva٠a,
selbst' einmal Nernala für Nevala. Für das von der Grammatik geforderte Ha٠umä
(Hem. II 159) haben die Hdd des Paumacar. Hariumo Hafluvo Hapuo, die ein *hanuva
nach Art des Ap. zur Voraussetzung haben.
Von wirklichen Ap.-Formen finden sich folgende im Paumacar. Einige Male lautet
das Absolutivum auf evi, wie karevi sunevi lahevi; der Interrogativstamm kavaÙ a
(Hem.-IV 367) kommt in mehreren Formen vor, und navi ist nicht selten wie im Ap. als
einfache Negation gebraucht, wahrend Hemacandra (II 178) navi nur als ablehnende Inter-
jektion für das Prakrit, wo es übrigens nicht belegt ist, zuzulassen scheint.
Als Vulgarismen im Prakrit des Paumacar a, zu denen der Ap. Analogien bietet, können
folgende betrachtet werden. Neben den echten Infinitiven auf uip ium findet sich ebenso
dafür das Absolutivum auf ü٠a iü$a gebi’aucht, wie im. Ap. die Absolutiva auf eppi
eppi٠u evi evi٠u (Hem. IV 410 f.) Dienst tun für die viel seltener gebrauchten echten
Infinitivformen. Im Paumacar. tritt sehr oft der Loc. plur. auf esu für den Instr. plur.
ehiip ein (und umgekehrt). Das Versmaß kann, keinen Gl’und für diese Vei’tauschung
abgegeben haben, da beide Endungen in metrischer Hinsicht gleichwei’tig sind. Vielmehr
dürfte der Grund gewesen sein, dag in der Volkssprache wie im Ap. beide Kasus gleich-
lauten: Ap. narahl narehi. — Der Acc. sing, der stamme auf' ä I (0 ü (u) geht nach
der Grammatik auf am im um aus; dafür schreiben aber die Hdd ebenso oft ganz regellos
und ohne Übereinstimmung untereinander ä i ü. Diese Erscheinung ist so häufig, dag ich
sie in der varia lectio nicht detailliert angegeben, sondern im Text die eine oder die
andere Form gesetzt habe, für welche in jedem einzelnen Falle die Mehrheit dei’ Hdd
entschied. Auch hier wird wohl der Grund der Vertauschung in dem Umstande zu suchen
sein, 'dag in der Volkssprache wie im Ap. die genannten Stamme im Nom. und Acc. gleich-
lauteten. Eine ähnliche Ursache wil’d auch wohl folgenden Erscheinungen beim Femininum
des Pronomens etad zugrunde liegen: der Nom. sing, endet öfters auf kurzes statt langes a,
z. B. esa puri 35,31 f. 46, esa thii 37,62,, esa kaha 38, 5 und im Acc. sing, wird statt
eyaip auch esa gebraucht, z. B. esa dehi suya 98,7. Im Ap. lautet nämlich der Nom.
und Acc. sing, des Femininum eha (Hem. IV 362)أ wahrscheinlich hatte die ältere Volks-
Sprache dafür esa im Nom. und Acc., das der Dichter ins Prakrit aufgenommen hat und
zwar mit kurzem odei’ langem Auslaut je nach Bedürfnis des Metrums.
Sehl’ lehri’eich ist endlich noch ein im Paumacai’iya oft gebrauchtei’ Ausdi’uck der
Vergleichung, sowohl der Upama als der utpreksa. Es wil’d nämlich najjai = jnayate,
und zwai’ stets ina Singular, auch beim Plural des zugehöi’igen Nomens, mit oder ohne va
für unsei’ ‘wie’ gebi’aucht, z. B. parivario bhadehiip najjai Indo vva devehim 102, 51;
soyamanio najjai gaya$ayale uggateyäo 102,11; türaim...sadde٠asayalaloyaip
najjai äurayantaiip 102,33. Im Ap. wird in demselben Sinne navai gebraucht (Hem.
IV 444); dies ist offenbar aus navvai entstanden, da im Pkrit navvai und najjai,
wie Hemacandra IV 252 lehrt, für jnayate eintreten können, und die Verwendung dieses
Passivs zum Ausdi’uck des Vergleichs durch das Paumacar. erwiesen ist.
Die angeführten nicht-prakritischen Formen und Idiome des Paumacariya*) stammen
٤) Dieses Gedicht ist für einen weiteren Leser- bzw. Hörerkreis bestimmt, da es ja den Jainas
einen Ersatz für das Ramayana bieten sollte. Dichterischen Wert hat es nur im allerbesclieidensten
Maße, abgesehen von Leichtigkeit der Diktion und Flüßigkeit der Verse. Daß ein populärer Dichter


Abhandlung. 7. Ober den Apabhramsa.
61*
zweifellos aus der Vulgärsprache, die derjenigen ähnlich war, welche vom Ap. reflektiert
wurde, aber doch noch auf einer älteren Entwicklungsstufe stand.
8. In ein jüngeres Zeitalter führt uns das Vajjälaggam, über das Julius Laber in
seiner Bonner Dissertation Über das Vajjälaggam des Jayavallabha, Leipzig 1913 ein-
gehend berichtet hat. Das Vajjälaggam ist, wie das Saptasatakam Hälas, eine Anthologie
von ursprünglich 700 Präkritstrophen, gesammelt und geordnet von einem Svetämbara,
aber nicht gedichtet von Jaina Autoren. Diese Dichter gehören nicht, oder doch höchstens
zu einem geringen Teile dem Mahärä؟tra-Lande an, was wir doch für die meisten Autoren
der Strophen in Hälas Anthologie annehmen müssen, sondern der Mehrzahl nach dem
übrigen Indien, und gerade dieser Umstand verleiht der Sprache des Vajjälagga für unsere
gegenwärtige Untersuchung besondere Bedeutung. Es ergibt sich nun, daß auf diese
jüngere Dichtersprache der Apabhramsa einen viel weiter gehenden Einfluß erlangt hatte,
als auf die Sprache des Paumacariya. Laber hat alle sprachlichen Eigentümlichkeiten des
Vajjälaggam sorgfältig zusammengestellt; ich hebe daraus das für unsere Frage Wichtige
heraus, indem ich auf seine Arbeit mit L nebst Seitenzahl und auf obigen Abriß der
Grammatik mit Ab. verweise. Häufig ist die m-sfuti L 17, Ab. § 3 und umgekehrt Aus-
fall eines primären und sekundären v vor u oder o L 19, Ab. § 5. Der oben erwähnte
Wechsel von m und v zeigen atthavaijam und puhaml L 27, Ab. § 9; häufiger ist die
Aspiration statt der Verdopplung von Nasalen und l L 21, wovon nur ein Beispiel in
Ab. § 17. Ebenfalls ist oben schon über den Acc. auf ä und & statt am und im gehandelt
L 21 f., sowie über die Verwendung des Absolutivs auf üna für den Infinitiv; ferner fanden
wir dort auch das Absolutiv auf evi, neben dem im Vajjälaggam auch solche auf ivi und i
Vorkommen L 28 f., Ab. § 39. Beim Nomen wird die Endung am oft u' L 27 f., der Gen.
sing, endet zuweilen auf ha wie im Neminähacariu, der Gen. plur. auf ham, auch beim
Pronomen täham L 28, der Loc. honiai L 28 (vgl. das für e geschriebene a L 10):
alles bekannte Ap.-Formen. So ist auch pai = tvayä und tvayi zweifellos das paT
im Ap., L 28. Auch beim Verbum drängen sich, außer den eben، genannten noch weitere
Ap.-Formen ein: 2. Pers. sing, auf 3. plur. auf hi (i. e. AÙ¢), 2. Imp. sing, auf u und
2. plur. auf hu, endlich das Futur hösai, L 28 und die Paradigmen im Abriß. Ap.-Par-
tikeln sind ji, jäma-täma, emai L 28. Endlich ist das Ap.-Affix da mehrfach belegt
in muddhada L 29. — Dieses Eindringen von Ap.-Formen könnte man als Entlehnung
aus der Ap.-Poesie auffassen, mit der jene lyrischen Dichter vertraut gewesen wären. Dann
müßte man aber auch Formen aus andern literarisch verwendeten Präkrit-Dialekten er-
Ù¡varten, z. B. der Sauraseni; aber nichts derart trifft zu, nicht einmal Erweichung harter
Dentale, die sich sonst gern in Mähärästri-Strophen einschleicht. Wir werden daher zu
der Annahme gedrängt, daß diese Lyriker ebenso wie Vimalasüri gelegentlich Formen der
Volkssprache nicht vermieden, wobei denn zu Tage träte, daß die Volkssprache seit Vimala-
süri sich nicht unbeträchtlich ١veiterentwickelt hatte. Solche aus der gemeinen Sprache
stammenden Formen galten zweifelsohne dem verfeinerten Geschmack als Vulgarismen,
nach indischer Bezeichnung als apasabdas oder apabhramsas; sie wurden daher in
nicht ängstlich Vulgarismen zu meiden braucht, ist selbstverständlich. Das gilt selbst für das Sanskrit:
Siddharsi gebraucht zahlreiche apasabdas in seiner Upamitibhavaprapanca Kathä, weil sie sarvajanöcita
sein sollte; trotzdem schreibt er einen guten Stil.


62*
Bhavisattakaha
klassischen Werken wie Setubandha und Gaudavaha mit Fleiß gemieden. Auch in den
spateren Kavyas der Jainas scheinen sie gemieden zu wei’den bis etwa auf das gelegent-
lieh bei Devendragani sich findende Absolutiv auf evi (Erz. in Mähär. § 61).
9. 'Wir wollen nunmehl’ untersuchen, ob sich tfer Einfluß der dem Ap. ähnlichen
Vulgärsprache auch in den Lehren der Grammatiker nachweisen läßt. Für das Vorhanden-
sein von Vulgarismen der besprochenen Art in der Mähäras؛r glaube ich den Grammatiker
Carjcla (Pr k ta Laksapam, ed. Hoernle, Calcutta 1880) als Zeuge anführen zu dürfen.
Derselbe behandelt, wie auch Pischel (P. G. § 34) sagt, vornehmlich Maharastri, mit Ein-
Schluß von Jaina-Prakrit (arsa), was ja bei einem Jaina erklärlich ist. Andei’en Sprachen,
nämlich Ap hrarpsa, Paisaciki und Magadhika ist der letzte Abschnitt (bha a ltaravidhana)
Vorbehalten, der aber auf drei Sutra reduziert ist. Wenn also in dem Hauptteil des Werkes
neben den Mähäat’!formen auch einzelne aus dem Ap. gelehrt werden, wie der Gen. plur.
auf aham neben ayam, und der Nom. haurp neben ahain, so ist die Annahme be-
rechtigt, daß sich dergleichen Ap.-Formen in derjenigen Präkrit-Literatur fanden, welche
Capda vorlag.
Noch in anderer Weise können uns die Gi’ammatiker Aufschluß über die volkssprach-
liehe Unterströmung im Normal-Prakrit geben.. Wenn sie nämlich Wörter aufführen, die
nicht nach den sonst geltenden Regeln aus den entsprechenden Sanskrit-Prototypen ab-
geleitet sind, sondern nach ‘sporadischen’ Lautgesetzen, so wird in vielen Fällen die Quelle
dieser ‘Ausnahmen’ die dem .Einfluß des Sanskrit nicht mehl’ untei’stehende Volkssprache
gewesen sein. Es läßt sich nun für eine Anzahl solchei’ Wörter zeigen, daß jene spora-
dischen Lautgesetze mit denen des Ap. übereinstimmen. Chai’akteristisch fül’ den Ap. ist
der Wandel des intei’vokalischen m in £ wofür meist mit wil’klichem odei’ auch nui’
graphischem Verlust dei’ Nasaliei’ung V einti’itt. Das Gegenstück zu diesem Lautwandel
ist dei’ Ubei’gang von V in ه?و, der offenbar über £, das irrtümlich für V gesprochen wurde,
eingeti’eten ist. In vielen Fällen mag die Aussprache zwischen den drei Lauten beständig
geschwankt haben, in andei’n setzte sich der eine odei’ der- andere Laut wenigstens für die
Schrift fest. Für intei’vokalisches هدو trat V ein in Ahivannu = Abhimanyu (Hem. I 243)
und in den Dhatdesas navai ==.namati, ravei = amayati (ranjayati); umgekehrt
m für V in dem Dhatvadesa gamasai = gavesayati, und in kamandha = kabandha
-(Hem. 1239. Var. II 19), nlma und niva = nipa, amela und aveda = apida Hem. I
234. Var. II 16)٤). amela wird auch als De& aufgeführt mit der abweichenden Bedeutung
juta (DK I 62). Pischel, p. G. § 248, führt noch aus dem Jaina-Pkrit eine Anzahl von
Fällen des Wandels von sanskritischem in هوو auf, die ebenso zu beurteilen sind. — Auf
Grund dei’ im Ap. geltenden Lautgesetze erkläre ich auch folgende von Hemacandra I 178
٦لآةللآ۴ر٢؟ ها’لا١ج١م؟ دسلآل؟ لألآة آغ٦أ Jaunct ي Ima, Cauت ٠ Camunda, liia = ٦٠iuka١
aiumtaa = atimuktaka. Die beiden ersten Wörter, aber ohne Anunasika, sind im Prakrit
zu belegen. Die lautliche Entwicklung bei diesen Wörtern war folgende. Nach dei’ oben
erwähnten Lautregel wurde Yamuna zu Javuna, und da nun im Ap. gewöhnlich V vor u
ausfällt, so wui’de *Javuna zu Jäunä, indem die Nasalierung auf den vorausgehenden
Vokal zurücktrat, als Anunasika, der wahrscheinlich meist nicht geschrieben wurde.
1) Es-sei noch auf die Doppelform eines Deslwortes nämlich vibbhavan und vibhamana =
upadhana DE VII 68 hingewiesen als einen Fall des Wandels vom m zu V d. h. V.


Abhandlung. 7. Ãœber den Apabhramsa. 63*
Interessant ist die Form aTunitaya bzw. aimumtaya neben aimuttaya; beide Formen würden
nämlich im Ap. aufeinander reimen und dürften daher auch in der Aussprache einander
näher gestanden haben, als es nach der Schrift den Anschein hat.
Eine andere für den Ap. und zwar für die Vräcata oder Abhira genannte Art des-
selben charakteristische Lauterscheinung ist die Bewahrung bezw. Setzung eines r hinter
einem Konsonanten. So sehr diese Lautfolge dem Präkrit widerspricht, wo sonst r aus-
nahmelos vorhergehendem Konsonanten assimiliert wird, so erlauben doch die Präkrit-
grammatiker (Vararuci III 4. Hemacandra II 80) nicht assimiliertes dr neben dd. Die von
ihnen aufgeführten Beispiele habe ich nicht in der Literatur gefunden, dagegen häufig
vandra = vrnda. Hem. erwähnt auch vodraha = taruna und führt es im DK VIII SO
an1). Diese seltsame Lauterscheinung ist offenbar aus dem Ap. in das Präkrit eingedrungen,
und das Des!wort vodraha dürfte daher aus dem Vräcata- oder Abhira-Apabhramsa ent-
lehnt sein; dasselbe gilt wohl auch von dem Desiwort sankhadraha (DK VIII 14).
10. Schließlicli dürfen wir eine wichtige Quelle, die zweifellos sehr viel altes Sprach-
gut aus den Volkssprachen erhalten hat, hinsichtlich ihres Verhaltens zum Ap. nicht
ununtersucht lassen, nämlich die von indischen Schriftstellern gemachten Sammlungen von
Dhätvädesas und DeSiSabdas. Erstere sind Verba, die entweder gar nicht auf ein Sanskrit-
Prototyp zurückgeführt oder nur gegen die üblichen Lautgesetze von einem solchen ab-
geleitet werden können; Desisabdas werden die übrigen ١Vörter meist2) ähnlichen Charak-
ters, namentlich solche Nominalstämme, genannt. Beide Kategorien sind erst von Hema-
candra getrennt worden; in den früheren Desikosas waren sie nach seiner Angabe vereinigt
ich fasse sie unter dem Namen ،fremdes Sprachgut’ zusammen. Das gesamte von Hema-
candra überlieferte Material beläuft sich auf etwa 4000 Wörter, von denen aber noch
nicht der zehnte Teil in der vorhandenen Literatur belegt ist. In den klassischen Präkrit-
Gedichten ist nach Pischel (P.G. § 9) die Zahl der Desis eine verschwindend kleine, größer
ist sie in denen der Jainas, und in der Bhavisattakaha beträgt sie weit über zweihundert.
Es liegt auf der Hand, daß das fremde Sprachgut aus solchen Sprachschichten stammt,
die während eines langen Zeitraumes unabhängig von dem Einfluß des Sanskrit, mit dem
sie ja wohl ursprünglich mehr oder weniger gleichartig gewesen sein werden, sich weiter-
entwickelt haben, während das Präkrit fortgesetzt zum Sanskrit in Wechselbeziehung
stehend größere Gleichheit des Wortschatzes bewahrte. Nicht das Präkrit, sondern jene
andern Sprachschichten sind der Boden der Desabhäsäs, aus denen die Desis in ihrer Mehr-
zahl entnommen sein ١verden. Hemacandra schließt zwar (DK I 4) von den Desis die den
Sprachen einzelner Länder wie Mahärä?tra, Vidarbha, Abhira eigentümlichen Wörter aus,
und will jene als einen Bestandteil des Urpräkrits, das nach den Jainas eine Ursprache
ist, anerkannt wissen. Aber in seiner Grammatik II 174 erklärt er für im Präkrit be-
rechtigt auch bhäsäsabdas, d. h. Wörter, die in Mahärästra, Vidarbha usw. gebraucht
würden, und führt als Beleg 11 Nomina und 3 Verba an, von denen 7 bzw. 2 im Desi-
kosa bzw. unter den Dhätvädesas stehen. RatneSvara in seinem Kommentar zu Sarasv. K. A.
١) Aus den beiden Zitaten im Kommentar, die beide Anfänge einer Aryä sind, geht hervor, daß
dr im Präkrit wie im Ap. nicht Position machte.
2) Zu den DeSis werden auch gerechnet solche aus dem Sanskrit abgeleitete Wörter, welche eine
neue Bedeutung angenommen haben, oder welche mit ungewöhnlichen Formantien gebildet sind. Erstere
kommen für uns hier nicht in Betracht.


64*
Bhavisattakaha
S. 127 gibt denn auch in der Tat Mahärästra als Ursprung der De6is an: Mahärästra-
desiyatväd desiäabdänäm. Auf einen andern Ursprung führt eine Notiz in Taru٠avä-
caspatis Kommentar zu Kävyäd. I 33, wo zur Erklärung von deäi gesagt wird: desi iti
Mägadhi grhyate. Die Mägadhi soll ja (Sarasv. K. A. 2,17c) die Sprache der hinapätras
sein, und die Sprache der gemeinen Leute muß doch an echt volkstümlichen Wörtern
Überfluß haben. Bedenken könnte machen, daß die Desiwörter nicht die der Mägadhi
eigentümliche Lautgestalt haben ; aber es ist anzunehmen, daß sie diese bei der Aufnahme
in die Mähärä؟tri verloren und gewissermaßen ein Mähärästri-Ge١vand angenommen haben.
Der Wert der beiden letztgenannten Zeugnisse wird aber in etwas durch ihr geringes Alter
und ihre Unkontrollierbarkeit beeinträchtigt.
Die Annahme, daß Volkssprachen die Quelle der Desis waren, wird schon durch den
Namen selbst äußerst wahrscheinlich; darum ist es aber von Bedeutung zu sehen, wie
weit sich dieselbe mit Hilfe der neuindischen Sprachen als richtig erweisen läßt. Für die
Dhätvädesas haben Pischel im 2. Teil seiner Ausgabe von Hemacandras Präkritgrammatik
und Weber in den Anmerkungen zum Häla zahlreiche Entsprechungen aus den neuindischen
Sprachen beigebracht; es kann aber doch erst etwa ein Viertel der Dhätvädesas in diesen
nachgewiesen werden. — Anders aber liegen die Verhältnisse bei den Deäis im engeren
Sinne, d. h. den Nomina. Überraschend ist das Vorkommen einiger Telugu-Wörter:
akkä bhagini 16= tel. akka sister, eldest sister. — attä svasrü, pitrsvasä I 51 = tel.
atta mother in law, father’s sister. — addäya darpa٠a I 14 = tel. addamu mirror. —
appa pitr 16 = tel. appa father. — avvä ambä 15 = tel. avva grand mother, mother,
any old woman. — üra gräma I 143 = tel. üru village, town. — cicci hutäsana III 10
vgl. tel. ci c car a fiery. — pa a jyestho bhrätä IV 46 vgl. tel. anna elder brother. —
pulli vyäghra VI 79 = tel. puli tiger1).
Um über das Verhältnis der Desis zu den indoarischen Sprachen eine annähernde
Vorstellung zu erhalten, habe ich eine Stichprobe gemacht und dazu die mit jh—n an-
lautenden Wörter untersucht. Ich teile das Ergebnis im folgenden mit (H. hindi; B. ben-
gali; P. panjabi; M. maräthi; S. sindhi; G. guzeräti): jhakkiya vacaniya III 55. vgl. H.
jhakki a foolish teller. P. perverse, contrary. S. jhak-nu to talk foolishly. — jhankhai
vilapati, H. jhakh-nä to chatter, P. jhakh prating. — jhadi nirantaravr§؛i III 53 ebenso
M. S. (und nach DK VIII 34 auch Sanskrit!) — jhaijti laghürdhvakeääh III 53. M. jhämt
the hair or the hair of the pubes; P. jhand; S. jhamdi the first hair on a childs head. —
jhäda latägahana III 57, M. H. jhäd, S. jhädu a bush, a tree; P. jhär a thornbush. —
jhotti ardhamahisi III 59, P. jhoti a young female buffalo. — tanka khadga khanitra
IV 4, ebenso B. — tattaia tiraskarini IV 1, G. H. P. tatti a screen. — tära adhama-
turanga IV 2, B. M. tär a puny horse. — tikka tilaka IV 3, P. tikkä, H. tika, M. tikä,
G. tikki, S. tikidä a mark on the forehead. — tippi tilaka IV 3, P. tipp, B. |ip a
stain of any colour applied by the finger. — tola äalabha IV 2, M. tol a locust. —
dalla pi؛ikä IV 7, B. dälä a basket, M. däli a low and spreading sort of basket. —
däli 6äkhä IV 9, P. däli, B. H. P٠ däl a branch, a bow. — dira kandala IV 9, M. dir
Ø›) In der Bhavisattakaha findet sich ein genau dem Telugu entsprechender Ausdruck als Ersatz
für iti, nämlich bhanivi, abs. von bhanai (siehe Glossar). Im Telugu wird so ani, abs. von anuta
،sagen’, dem letzten Wort des betr. Satzteils suffigiert (A. H. Arden, A progressive Grammar of the Telugu
Language, Madras 1873, S. 225). Das sanskritische iti krtvä ist davon immerhin noch recht verschieden.


Abhandlung. 7. Ãœber den Apabhramsa.
65*
a new shoot or sprout. — dungara ¿aila IV 11, G. dungar, M. domgar, S. clümgaru
a hillock, a Hill. — dungha udancanaviäeso nälikeramayali IV 11, S. dümgho a ladle
made of a split cocoanut. — dola locana IV 9, G. M. clolo the eye. — dolä sibikä
IV 11, H. P. dolä, G. P. B. doli a kind of sedan, a litter. — dhakkai chädayati H IV 21,
siehe Pischel a. a. 0. ١vozu noch H. P. clhak-nä to cover kommt. — dhenku؟ia matkupa
IV 14, M. dhemkü؟i a bug. — ٠akka ghrä٠a IV 46, P. nakk., H. G. M. näk the nose.
— l.iatthä näsärajju IV 17, P. natth, H. G. nath, M. näth a nose ring, a nose-rope of
a bullock. — ؟lijjhüra jir٠a IV 26, M. nijhür poor, lean, meagre. — ٠ippa؛tha adhika
IV 31, H. M. B. nipa؛ exceedingly. — ٠ijja supta IV 25, M. nij sleep.
Die vorstehenden 27 Wörter finden sich in einer Gesamtzahl von 360; davon kommen
die ersten 22 auf die 160 Desis, die mit jh bis dh anlauten, die letzten 5 auf etwa 200
mit n anlautende Desis. Schon im Sanskrit sind die mit jh bis dh anlautenden Wörter
volkssprachlichen Ursprungs verdächtig; so ist die reichliche Ausbeute leicht erklärlich.
Aber die spärliche Entsprechungen bei den mit n anlautenden De6is beweist, daß wir der
Lösung des Problems vom Ursprünge der Desis kaum um einen Schritt näher gekommen
sind1). Denn wenn die Desis einst auch nur zum größeren Teile gebräuchliche Wörter
der Volkssprache gewesen wären, so wäre es schwer verständlich, daß nur wenige Prozente
derselben Ableger in den neuindischen Sprachen hinterlassen haben sollten. Die meisten
Desis erscheinen wie Petrefakten älterer Literaturschichten, nur einem verhältnismäßig
kleinen Teil scheint eine längere Lebensdauer beschieden gewesen zu sein. Beständiger
scheinen die Verba gewesen zu sein; aber immerhin ist der bei weitem größere Teil der
Dhätvädesas ohne Fortsetzer in den neuindischen Sprachen.
11. Welche Rolle spielen nun die Desiwörter und anderes fremdes Sprachgut im
Apabhramsa? Darüber können wir uns eine ungefähre Vorstellung auf Grund unseres
Textes machen. Er enthält etwa 120 Desis und beinahe 100 Dhätvädesas. Vergleicht
man damit den Wortschatz meiner Mähärästri-Erzählungen, die bedeutend mehr fremdes
Sprachgut als die klassischen Präkritgedichte enthalten, so findet man halb so große Zahlen,
nämlich 59 und 44. Selbst wenn man in Rechnung zieht, daß sich der Umfang beider Texte
wie etwa 6 zu 5, der ihres Wortschatzes wie etwa 9 zu 7 verhält, bleibt ein starkes
Ãœbergewicht auf seiten der Bhavisattakaha; auf gleichen Umfang umgerechnet stellen sich
die Verhältniszahlen auf 9 und 5. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß der Ap.
bereitwilliger vulgäre Sprächelemente aufnahm als selbst ein populären Zwecken dienendes
Präkrit. Es kommen aber in beiden Texten dem reinen Präkrit fremde Wörter vor, die
keine Aufnahme in den Desikosa gefunden haben und nur zumteil mit dem Neuindischen
sich berühren. Solcher Wörter hat der Präbrit-Text gegen 20, der Ap.-Text gegen 60 2).
Hier gilt also auch das eben von den Deäis gesagte.
Die Grammatiker führen dem Ap. eigentümliche Wörter auf; ich meine nicht Pro-
nomina, Adverbia usw., was zur eigentlichen Grammatik gehört, sondern Nomina, Ad-
jektiva usw., also Bestandteile des Wörterbuchs. Trotzdem sind unter den von Hema-
٦) Herr Todar Mall hat aus dem Punjabi und Hindi, welche beiden Sprachen er gleichmäßig
beherrscht, außer den oben angeführten Übereinstimmungen noch weitere 150 aus dem ganzen Desikosa
zusammengestellt.
2) Genau läßt sich die Zahl nicht feststellen, da viele dieser Wörter nur einmal belegt sind und
darum ihre Richtigkeit zweifelhaft ist.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh.
9


66*
Bhavisattakaha
candra IV 421 f. aufgeführten Ap.-Wörtern einige, die sich im Desikosa wiederfinden,
nämlich vunna visanria = vu٦n٦a bhita udvigna VII 94. — kodda kautuka = kudda,
kodda äscarya II 33. — khedda kridä vgl. kheddai ramate H IV 168. khedda und
kodda werden von Hemacandra II 174 übrigens auch für das Prakrit zugelassen, ebenso
von Trivikrama, siehe Pischel in Bezzenberger Beiträge III S. 253, 261. — Endlich dava-
dava avaskanda = davadava dhäti V 35. Eine scharfe Unterscheidung zwischen Ap.-
Wörtern und Desis gab es augenscheinlich nicht: einige hielten ein Wort für Ap., andere
für eine Desi, und Hemacandra der Polyhistor und Kompilator bringt es fertig, im zweiten
Adhyäya seiner Grammatik die eine, und im vierten die andere Ansicht vorzutragen.
Nach Hemacandra IV 395 hat der Ap. auch besondere Verbalstämme wie cholla usw.
für taksi us١v. Im Kommentar bemerkt er, aus dem ،usw.’ folge, daß die unter den Desis
vorkommenden Verba hier zu nennen seien1). Aber die von ihm angeführten Beispiele
finden sich nicht unter den Desis, d. h. den Dhätvädesas. Hier kann also desi nicht die
bei Hemacandra übliche technische Bedeutung haben. Pischel übersetzt daher: ،die Verba,
die sich in den provinziellen Sprachen finden (die Provinzialismen sind)’, wohl mit Recht,
insofern er die in den Beispielversen gebrauchten Verba in neuindischen Sprachen nach-
Ù¦veist2). Aber Provinzialismus ist ein schiefer Ausdruck, da jene Verba nicht auf je eine
Provinz beschränkt zu sein scheinen, vielmehr bei zweien (chollai und jhalakhai) feststeht,
daß sie in 2 bzw. 4 neuindischen Sprachen Entsprechungen haben.
12. Die im Vorhergehenden besprochenen Tatsachen lassen Schlüsse auf die Stellung
des Ap. nur im Allgemeinen zu, vornehmlich weil die Herkunft des fremden Sprachgutes
im Desikosa sich im Einzelnen nicht feststellen läßt. Wenn auch die Angabe Hemacandras,
daß die Desis nicht Wörter der Desabhäsäs seien, in einzelnen Fällen durch die Ent-
sprechungen einzelner Desis im Neuindischen als unzutreffend nachgewiesen werden kann,
so läßt sich derselben doch so viel entnehmen, daß schon damals, in der Mitte des 12. Jahrh.,
der Zusammenhang der Desis mit der Volkssprache, den man a priori und besonders mit
Rücksicht auf die Dhätvädesas anzunehmen geneigt ist, nicht mehr offen zutage lag.
Anderseits wurde aber ein gewisser Zusammenhang auch nicht ganz verkannt, wie aus
der Angabe desselben Hemacandra (II 174) hervorgeht, daß manche Wörter im Prakrit
aus den Desabhäsäs stammen; mehrere der von ihm angeführten Beispiele finden sich
überdies, wie oben gezeigt wurde, im Desikosa. Die Tatsachen erlauben uns also nur
allgemein gehaltene Folgerungen. Wenn, wie wir sahen, der Ap. beinahe doppelt so viel‘
fremdes Sprachgut als das Prakrit in ungefähr gleichgroßen Textproben aufweist, so muß
der Ap. zu der Quelle des fremden Sprachgutes viel engere Beziehung haben als das
Präkrit. Wenn ferner diese das Vulgärindische gewesen sein sollte, so kann der Ap. nicht
mit ihm direkt oder indirekt identifiziert werden. Denn in unserm Text finden sich nur
etwa 5°/o aller Desis und Dhätvädesas; wir müßten einen vielfach höheren Prozentsatz
erwarten, wenn der Ap. ein altes Vulgärindisch wäre. Die bisher mitgeteilten Tatsachen
sprechen für die Annahme, daß der Ap. eine Dichtersprache ist, die durch Aufnahme der
Flexion, Pronomina, Adverbia usw. sowie eines beschränkten Teiles des übrigen Wort-
schatzes der Volkssprache aus dem literarischen Präkrit hervorgegangen ist.
١) ädigrahanäd desisu ye kriyävacanä upalabhyante, te udähäryäh.
2) Das im Sütra genannte chollai ist guz. chol-vu to scarpe, hindi chol-nä (cholni a s’carper).


Abhandlung. 7. Ãœber den Apabhrarnsa.
67*
In einem Punkte aber wird der Ap. in engster Beziehung zur gleichzeitigen Volks-
sprache gestanden haben: in dem was man den Geist der Sprache nennen kann und was
sich nicht so direkt wie die lautliche Form aufzeigen läßt. Hinsichtlich des Sprachgeistes
gleichen sich Präkrit und klassisches Sanskrit, abgesehen von den vollendetsten Erzeug-
nissen der klassischen Poesie, in hohem Grade, so daß sich z. B. Prosaerzählungen in
beiden Sprachen fast nur durch die lautliche Form unterscheiden und mit Leichtigkeit aus
einer Sprache in die andere umgesetzt werden können. Auch eine wörtliche Chäyä ist
meistens noch ganz gutes Sanskrit. Dahingegen ist der Gedankenausdruck in der Bhavi-
sattakaha ganz anders als in irgend einem Präkrit-Gedicht und wäre wohl in einem solchen
unmöglich. Dasselbe gilt auch von den Strophen des Präkrta Pingala. Auf manches
١vird wohl der in der Ap.٠ Poesie gesetzmäßige Reim nicht ohne Einfluß gewesen sein, in
der Hauptsache aber gibt sich darin der Geist der Volkssprache zu erkennen,• der sich im
Ap. trotz seiner sonstigen Anlehnung an das Präkrit überall Bahn bricht. Dadurch
wurden Ap.-Gedichte dem Verständnis nicht literarisch gebildeter Zuhörer näher gebracht.
13. Wir wollen jetzt versuchen, aus den Angaben der Inder selbst festzustellen, was
der Ap. wirklich war, und gehen dabei von der grundlegenden Tatsache aus, daß Ap. der
generelle Name für die literarischen Idiome ist, die weder Sanskrit noch Präkrit sind.
Das geht schon aus dem ältesten Zeugnis, dem oben (S. 54, 3) angeführten Verse Bbämahas
hervor: Samskrtam Präkrtam cänyad Apabhrarnsa iti tridhä (nämlich die Sprache des
Kävya). Dasselbe ist auch aus Dapdins Definition zu entnehmen: AbhTrädigirah kävyesv
Apabhrarnsa iti smrtäh, was man so umschreiben kann: wenn die Idiome der Abhira usw.
in Gedichten auftröten, nennt man sie (nicht Abhira usw. sondern) Apabhrarnsa. Wäre
Apabhrarnsa die Bezeichnung der Volkssprachen der Abhiras usw. gewesen, so hätte der
Plural apabhramsäh stehen müssen; der Singular zeigt, daß Apabhrarnsa die generelle
Bezeichnung für Dichtersprachen war, zu denen gewisse Volkssprachen Material lieferten.
Von dieser Voraussetzung aus ist auch eine Äußerung Namisädhus (zu Rudrata 2,12) zu
verstehen, wo er über Dialektmischung folgendes sagt: Abhiri bhäsä Apabhramsasthä
kathitä, kvacin Mägadhyäm api drstä. Er versteht also unter Abhiri bhäsä nicht den
Ap. selbst, sondern nur ein Element desselben. Aber dies für den Ap. charakteristische
Element findet sich nicht ausschließlich im Ap., sondern zuweilen auch in der Mägadhi1).
Durch dieses ihm eigentümliche Element steht der Ap. in enger Beziehung zur
Volkssprache, wie das ja schon in Davdins Ausspruch angedeutet ist. Ausdrücklich er-
kennt dies Rudra|a an: bhüribhedo desaviäesäd Aprabhramsah. Ähnlich deute ich die
Definition des Ap. beim älteren Vägbhata (unter Jayasimha, Mitte 12. Jahrh.) im ١٢äg-
bhatälamkära (Kävyamälä Nr. 48): Apabhramsas tu yac chuddham tattaddesesu bhäsitam
2,32). ،،Apabhrarnsa ist das, was rein (d. h. unvermischt mit andern Sprachen) in den
١) Auch die Grammatiker kennen eine Abart der Mägadhi, die einige Eigentümlichkeiten mit dem
Ap. gemein hat; sie heißt ’Öäkäri (Pischel, P. G. § 24). Vielleicht bezieht sich Namisädhus Notiz auf die
ÖäkärT. Es wäre aber auch möglich, daß es Werke in Ap. gab, deren Grundstock nicht das gemeine
Präkrit, sondern die Mägadhi war. Jedenfalls dürfte aber feststehen, daß diejenige Sprachschicht, aus
der der Ap. hervorgegangen ist, sich bis in das östliche Hindostan wirksam erwies.
2) Der Kommentator Simhadevagani, dessen Zeit unbekannt ist (er erwähnt eine ältere vrtti zu
4,78), gibt folgende Erklärung: yat tesu tesu Karnäta-Pancälädisu [ergänze desesu] suddham aparabhäsä-
bhir amisritam bhäsitam, so ،pabhramso bhavatity arthah. Man beachte die Nennung von Karnäta.


68*
Bhavisattakaha
einzelnen Ländern gesprochen wird1).” Hier werden nicht Ap. und Landessprache einander
gleichgesetzt; durch suddham wird der Unterschied hervorgehoben: die Landessprache ist
suddha ،unvermischt’, der Ap. ist es nicht, sondern, wie wir gesehen haben, durch und
durch mit Präkrit verquickt (Präkrtam eva Apabhramsah).
Nach dem, was die eben angeführten Zeugnisse und die bisherige Untersuchung über
den Ap. ergeben haben, dürfte sein Verhältnis zum Präkrit und zu den Desabhäsäs dies
gewesen sein, daß er dem Präkrit den größten Teil des Wortschatzes, das grammatische
Gefüge den Desabhäsäs entnommen hat, in diesem Sinne also eine Mischsprache war. Eine
gewisse Analogie in dieser Hinsicht bieten die neuindischen Sprachen, wenn sie in der
Literatur auftreten, ١vie Hindi und Bengäli, ja selbst die nichtindische Kawisprache, nur
daß sie nicht bei dem Präkrit, sondern bei dem Sanskrit unbegrenzte Anleihen für das
Wörterbuch machen. Aber es besteht auch noch hinsichtlich des grammatischen Teils ein
Unterschied, insofern derselbe in den neuindischen Literatursprachen durchaus der betref-
fenden Volkssprache entnommen ist (wenn auch nicht notwendig der gleichzeitigen, da
veraltete Formen lange in der Poesie weiter geführt werden), während im Ap. außer den
ihm eigentümlichen Formen auch noch präkritische zulässig waren. Die Analogie mit
den neuindischen Literatursprachen läßt die Ansicht begründet erscheinen, daß die älteren
Desabhäsäs nur in der Form des Ap. Eingang in die Literatur erhielten, also nicht rein
und unvermischt, sondern als volkstümlicher Einschlag in die Grundmasse der älteren
präkritischen Literatursprache. Darum reden die älteren Zeugnisse auch nicht von De6a-
bhäsäs, sondern von dem Apabhramsa generell, und die erste Einteilung desselben ist nicht,
wie wir gleich sehen werden, auf Desabhäsäs gegründet, sondern auf dem Grade der Be-
teiligung der Volkssprache an der Zusammensetzung der literarischen Sprache. Auch der
diese Einteilung verwerfende und dafür die dialektische Verschiedenheit im Ap. betonende
Rudrata führt dennoch die Einteilung nach seinem Prinzip nicht aus.
14. Ich führe hier einige Zeugnisse aus älterer Zeit an, die erkennen lassen, daß
man unter Desabhäsä (synonym mit janmabhäsä, Vikramänkadevacar. 18,6) die im münd-
lichen Verkehr, also zu praktischem Zweck gebrauchte Muttersprache verstand. Das Ge-
werbe der Hetären erfordert, daß sie sprachkundig seien, so schon im Kau|iliya S. 125:
bhä§äntarajnäh. Nach dem Jainakanon (Pischel, P. G. §30) sollen sie die 18 deäabhä?äs
kennen: atthärasadesibhäsävisärayä. Von den 64 Fertigkeiten, welche nach dem Kämasästra
S. 33 eine Hetäre besitzen soll, ist die 48. deäabhasävijnänam, und zwar nach dem
Kommentar S. 39 aprakääyavastujnäpanärtham taddesiyair vyavahärärtham. Dagegen ver-
langt die 55. Fertigkeit, kävyakriyä, Kenntnis der literarischen Sprachen; denn sie besteht
nach dem Kommentar in samskrtapräkrtäpabhram6akävyasya karauam. Ein im Kämasästra
S. 60 zitierter Vers gibt dem nägaraka (etwa feiner Lebemann) den Rat:
nätyantam Samskrtenaiva nätyantam desabhäsayä |
kathäm go§؛hisu kathayaml loke bahumato bhavet ||
١) Pischel P. G. § 4 versteht Vägbhatas Ausspruch dahin, daß Apabhramsa die reine Sprache des
betreffenden Landes sei. Gibt es auch eine ،unreine’ Sprache des Landes und wie verhält sie sich zur
reinen, dem Apabhtamsa ? Unrein könnte nur die Sprache der Gebildeten genannt werden, weil sie mit
zahlreichen Sanskritwörtern vermischt ist, und rein di٩ Sprache der infima plebs. So dachte aber
kein Inder.


Abhandlung. 7. über den Apabhrainsa.
69*
Da nach Kamasastra s. 57 die goghs vorzüglich von ga٠ikä s, pithamardas, vi؛as und
vidugakas besucht wurden, und diese Personen im Drama Sauraseni und nahe verwandte
Dialekte reden, so ergibt sich, dag schon vor Vatsyayana die Wirklichkeit nicht mehr der
Bühnenpraxis hinsichtlich der Verwendung des Prakrits entsprach. Wichtiger aber ist
die Folgerung, die man aus obigem Verse zu ziehen berechtigt ist, nämlich dag schon
damals die Gebildeten beim Gebrauch der Muttersprache Sanskritwörter in groger Zahl
anwandten, wie das auch im Neuindischen der Fall ist. Die Ãœbertragung dieses Zustandes
auf die Literatursprache ist charakteristisch für das Neuindische im Gegensatz zu dem auf
präkritischer Grundlage weitergebildeten Apabhrainäa.
Endlich mag noch darauf hingewiesen wei’den, dag Hemacandra, ein jüngerer Zeit-
genosse und Landsmann Vagbhatas, Deabhaga und Apabhrana nicht identifiziert. Er
erwähnt im Prakrit gebrauchte Wörter, die Vidarbhadidesaprasiddha sind (II 174), also
Wörter der Desabhasas, und ebenso spricht er von solchen Wörtern im Desikoga 1,4,
die nicht in ihm aufgenommen werden. Wenn nun Desabhasa und Apabhrans a dasselbe
bedeuteten, waren jene Wörter alle Apabhranawörter. Hatte Hemacandra diese Ansicht
gehabt, so würde man eine Andeutung darüber um so mehr erwarten dürfen, als ja die
Darstellung des Ap. im Plane seiner Grammatik lag. Dag der Ap. in enger Beziehung
zu gewissen Deéabh as steht, war allen Autoren, die ihn erwähnen, seit Dadin nicht
verborgen, aber ihn mit ihnen zu identifiziei’en war den Theoretikern der letzten Jahr-
hunderte Vorbehalten.
15. Wenn man abei’ auch in der alteren Zeit, wie aus den angeführten Zeugnissen
hervorgehen dürfte, sich des Unterschiedes von Desäbhägä und Apabhrans a im allgemeinen
bewugt war, so lag doch bei der engeren zwischen beiden obwaltenden Beziehung die
Möglichkeit einer Verwechslung nahe. So sagt ein Zitat in Ravikaras Kommentar zum
Prakrta Pingala (Boilensen Urvasi s. 509): desabhägäm tathä kecid Apabhranain vidur
budhah. Hiei’ ist die Gleichung Desäbhägä = Apabhraipsa zwar ausgesprochen, aber auch
durch kecit angedeutet, dag sie nicht allgemein anerkannt war. Der erste, der Dehha a
mit Apabhrarpsa verwechselte, scheint Kgemendra (Mitte des 11. Jahrh. n. Chr.) gewesen
zu sein. Derselbe empfiehlt zur Vorbereitung eines Dichters im 1. sandhi seines Kavi-
ka habharapa (Kävyamälä part IV s. 123) unter anderm: kavyegu mädhuryamanoramegu
kuryad akhinnah srava hhiyogam II 16 II gitegu gäthäsv atha desabha kavyeu dadyat Sara-
sesu kar٠am. Da gäthä der Name der arya im Prakrit ist, so sind mit gathasu Prakrit-
gedichte gemeint؟ mit desabhagäkävyesu müssen also Apabhraipsagedichte bezeichnet
sein, der .di’itte Zweig der indischen Literatur, aus dem ein angehender Dichter poetische
Anregung empfangen konnte. Wie hier Ksemendra Desabhäa für Apabhraipsa setzt, so
in folgendem Falle umgekehrt Apabhrarpsa für Desäbhägä. In dem Märchen (K. s. s. 6,147 f.)
schwört nämlich Gudhya, in keiner der drei Sprachen dei’ Menschen zu reden, wenn
Sarvavarman dem König Satavahana in sechs Monaten, statt der üblichen zwölf Jahre, die
Kenntnis des Sanskrit beibrächte. Da Sarvavarman sein Wort hält, so wäre Gudhya
zu ewigem Schweigen verurteilt gewesen, wenn er nicht zufällig den Pisacas ihre Sprache,
die Paisaci oder bhutabhasa, Gespenstersprache, abgelauscht hätte, in der er die Brhat-
katha abfafit. Nach Somadeva sind die drei Sprachen Sanskrit, Pkrit und die Desäbhägä.
Letztere ist nach der Vorstellung des gemeinen Mannes, die natürlich dem Märchen zu-
gründe liegt, die Muttersprache, janmabhägä, neben der es noch die zwei gelehrten Sprachen


70*
Bhavisattakaha
Sanskrit und Präkrit gibt. In diesem Sinne rühmt ein älterer Landsmann Somadevas der
Kaschmirer Bilha٦ia (Vikramänkadevacar. 18,6) seinen Heimatsort: yatra stripäm api kirn
aparam janmabhäsävad eva pratyäväsam vilasati vacah samskrtam präkrtam ca. Ksemendra
aber, der sich rühmt1), von dem großen Abhinavagupta das sähitya gelernt zu haben,
verstand das bhäsätrayam des Märchens als die in der Poetik gelehrte Dreiheit der Dichter-
sprachen und sagt von Gu؟iädhya: PaisäcTm anapabhramsasamskrtaprakrtäm äritah (I3,51). —
Es ist wohl möglich, daß wie Ksemendra so auch andere zur Gleichsetzung von Desabhäsä
und Apabhramsa durch die Verwechslung der drei literarischen Sprachen mit den drei
menschlichen Sprachen veranlaßt worden sind. Das oben angeführte Zitat Ravikaras zeigt
aber, daß diese Ansicht nicht ungeteilte Annahme fand. Sie findet sich sonst erst bei
ganz späten Schriftstellern, deren keiner älter als das 16. Jahrh. sein dürfte, Laksmidhara
Märka؟ideya RämatarkavägT&a. Wenn man ihre, im einzelnen oft einander widersprechenden
Ansichten2) genauer untersucht, so findet man, daß sie die alte Lehre Bharatas über
bhä$äs und vibhäsäs, die in der Folgezeit vergessen gewesen zu sein scheint und erst
im Sähityadarpana 6,328 wiederum anklingt, mit sonstigen älteren Lehren kombinieren
und mit den derweilen gänzlich veränderten Sprachverhältnissen ihrer Zeit in Einklang
zu setzen suchen. Daraus ergeben sich verschiedene Versuche von Begriffsbestimmung
und Einteilung der Sprachen, die einen verwirrten und durchaus willkürlichen Eindruck
machen3). Jedenfalls dürfen die Angaben dieser bhäsänirüpakas, wie sie Premacandra
Tarkavägisa an dem in der letzten Anmerkung verzeichneten Orte nennt, nicht als glaub-
würdige Zeugnisse gelten, am wenigsten wenn sie alle Landessprachen, arische und dra-
vidische zum Apabhramäa rechnen, weil es im Widerspruch mit den alten und darum in
erster Linie glaubwürdigen Zeugnissen steht. Aus demselben Grunde müssen wir Pischel.s
Ansicht (P.G. § 28) ablehnen, daß wir als Apabhramsa zunächst die Volkssprachen Indiens
und erst in letzter Linie bestimmte Präkritdialekte anzusehen hätten, die aus Volkssprachen
heraus zu Literatursprachen nach Art des Präkrit umgebildet worden seien.
16. Nachdem wir die Stellung des Ap. zum Präkrit und den gleichzeitigen Volks-
sprachen erörtert haben, untersuchen wir nunmehr die inneren ٦٢erhältnisse desselben,
seine Spaltung in verschiedene Dialekte, um daran anzuschließen was sich über seine
Entstehung vermuten läßt. Der Ap. galt ebensowenig für eine Sprache wie das Präkrit,
sondern es war ein Genusname, unter dem man mehrere Varietäten zusämmenfaßte, wie
schon aus dem Ausdruck Abhirädigirah in dem oben angeführten Verse Da٠dins hervor-
geht. Nach dem Kommentator Tarunaväcaspati soll mit ädi an die Ghürjara(sic)٠Sprache,
also wohl an den Gurjara-Apabhramsa gedacht sein.
١) Brhatkathämanjari 19, 37. Bhäratamanjari S. 850, v. 8.
2) Siehe Lassen, Inat. ling. Prac. S. 11 ff. 19 ff. Pischel, P.G. § 3. 4.
3) So erklärt Rämacarapa imKom. zu Sähityadarpana (N. S. P. 1902) S. 356 vibhäsä Apabhramsädi;
Märjcandeya aber und ähnlich Rämatarkavägisa betrachten vibhäsä und Apabhramsa als zwei ver-
schiedene Klassen. Nach dem Zitat des Ravikara (a. a. 0.) richtet sich im Sanskrit und Präkrit die Form
nach den Vorschriften der Grammatik, im Ap. ist die Umgangssprache maßgebend: Apabhramsah sa
vijneyo bhäsä yä yatra laukiki. Premacandra Tarkavägisa zu Dandin 1,35 formuliert den Unterschied
zwischen Ap. und Präkrit folgendermaßen: desanämöpalak.sitäh sarvä eva bhäsäh Präkrta-samjnayö
’cyante ... jätyädinämöpalaksitänäm tv Apabhramsa؛vam.


Abhandlung. 7. Ober den Apabhramsa. 71*
Ursprünglich scheint die Dreiteilung des Ap. üblich gewesen und ei’st von Rudrata
aufgegeben woi’den zu sein (Al. 2١12). Dessen Kommentator Namisadhu sagt: Prakrtam
eva Apabhrai ah, sa canyair Upanagarabhlra-Gramyatva-bhedena tridho ’ktas, tannira-
sartham uktam ^bhüribhedaد iti.
Über die drei Arten des Ap. verdanken wir einige Aufklärung dem Grammatiker
KramadSvara, von dem es nach Zachariaes Untersuchungen (Bezzenb. Beiti’. 5, s. 26) nicht
feststeht, ob er alter oder jünger als Hemacandra ist. Jedenfalls ist seine Darstellung des
Ap. nicht von derjenigen Hemacandras abhängig und lehrt manche abweichende Formen.
Am Ende des Abschnittes über den Ap.٤) heißt es: agradir Vracatdau, 67 (was mit
agradi gemeint sei ist unklarØŸ wahrscheinlich ist es fehlerhaft). Dann folgt: Vracadir
Apabhrain abhedah. tatra Vracadau dohadau yuktarephasamuccaraiam, sarpih sappih );
jrudru-prabhrti prayoktavyam; ktva eppi piwa. Zu übersetzen wäre: ‘Vracadi ist eine
Art des Ap.’ Die erste Art des Ap. umfaßte also eine Gruppe von Dialekten, deren Haupt-
Vertreter Vracata wäre. Ich halte es aber für nicht ausgeschlossen, daß ein Abschreiber
tatra Vracate vorfand und in Vracadau nach dem vorhergehenden Sutra änderte, da
Vracadi fast unmittelbar vorausging. Dann wäre zu übersetzen: ،Vracata usw. ist die
Einteilung des Ap. (d. h. der Ap. wil’d in Vracata usw. eingeteilt). Im Vracata . . .’
Bei diesei’ Annahme wäre Vracadi genau parallel dem Abhadigi rah bei Davdin. —
Das ganze Sutra sagt also: ‘Im Vracata, der in Dohas usw. vorkommt, wil’d r in Ver-
bindung mit Konsonanten ausgesprochen, jru di’u und andei’e Wörter gebi’aucht, für tva
(lies ktva) eppi und piinase?0 Nagare 1’äsakädau 68. ‘Das Ubi’ige im Nagara, der
in Rasakas usw. vorkommt.’ Lassen liest das letzte Woi’t vä sakadau; daß darin ein
Metrumname steckt, ist wegen des vorhergehenden dohadau und ,des folgenden gathadau
sicher. Nun nennt Hemacandra im 5. adhyaya seines Chandonuäasana als zweites der
Apabhranametra den Rasaka, als erstes einer besonderen Gruppe. Meine Verbesserung
kann somit als sicher gelten. Der Nagara stimmt also mit dem Vracata bis auf die für
diesen charakteristischen Formen überein. PrakrtamiSra Upanagare gathadau 69.
‘(Das Übrige) mit Prakrit gemischt im Upanagara, dei’ in Gäthäs usw. vorkommt.’ Mit
Gäthä usw. sind die Prakritmetra gemeint, die nach Hemacandra, Chand. adhy. 4, die
Unterai’ten Gäthä, Galitaka, Khanjaka und Sirsaka umfassen.
Die drei Apabhraipsas Kramadsvaras finden sich ebenso bei Märkaideya: Nägaro
Vräcatas CO ’panägaras ceti te trayah I Apabhranah, pare suk abhedatvan na prthan
matah II Aufrecht, Cat. Ox. s. 181 a2). Die letzte Bemerkung bezieht sich auf Rudrata 2,12,
der die Dreiteilung des Ap. verwarf: bhuribhedo desav isesad Apabhranah. Die Dreiteilung
galt offenbar von Alters her und entsprach auch wahrscheinlich den urspi’ünglichen Spi’ach-
Verhältnissen, bis sicli im Laufe der Zeit dialektische Unterschiede deutlicher abzeichneten.
Ehe ich hierauf naher eingehe, teile ich mit, was wil’ aus Henaacandra über die ver-
schiedenen Arten des Ap. 'lernen können.
1) Veröffentlicht in lassen Inst. ling. Prac. s. 449ff. Andere Quellen, siehe Pischel p. G. §37,
sind mir nicht zugänglich.
2) Dieselben drei Namen finden sich auch unter den 27 Apabhransas, die ein Zitat in Krsnapanditas
Pr k tacandrika aufzählt, Peterson 3. Report, s. 347.


72*
Bhavisattakaha
17. Hemacandra unterscheidet im Kavyanusäsana den eigentlichen Apabhraip^a vom
Gramya Ap. Er führt s. 330 aus, daß das mah k vya in Sanskrit, Prakrit, Apabhraipsa
und Gramya-Apabhraipiia verfaßt und je nach der Sprache in sarga, äsväsa, sandhi und
avaskandhaka eingeteilt sei. s. 337 heißt es: Apabhrain^abhäsänibaddhasandhibandham
Abdhimathanadi, Grämyäpabhrananibaddhavaskandhakabandham Bhlmakävyadi. Dasselbe
sagt mit zum teil denselben Worten der Hemacandras Werk stark benutzende 1) 'jüngere
Vagbhata im Kävyanusäsana (Kävyamälä Nr. 43) s. 15.
In seiner Grammatik aber behandelt Hemacandra den Apabhraipsa, als wäre er eine
einheitliche Sprache, ohne die verschiedenen Arten desselben ausdrücklich oder namentlich
zu unterscheiden. Wahrscheinlich schließt er den Grämyapabhrain a überhaupt aus; denn
wenn ich- recht habe, den Prakrtamisra Kramadisvaras darunter zu verstehen, finden sich
auch unter den von ihm zitierten Strophen keine, die darin abgefaßt ist. Dagegen können
wir 21 Strophen 2) wegen der Erhaltung von r und von r hinter Konsonanten dem Vracata
Kramadlävaras zusprechen. Die große Mehrzahl seinei’ Beispielverse sind aber nach dem
von Kramadisvara angegebenen Kriterium (äe?ah) in Nagara-Ap., nur daß auch sie in
Dohas, dem Metrum des Vi’äca١a nach Kramadisvara, abgefaßt sind. Außer diesen beiden
Arten des Ap. finden sich in den Beispielen Hemacandras Spuren von noch zwei andern.
Nach seinem Sutra IV 446: äaurasenivat (Kom. Apabhranse prayah öaurasenivat
karyam bhavati) und IV 329 Kom.: tasyapi (d. h. Apabhraipäasya) kvacit Prä-
krtavac Chaurasenivac ca karyam bhavati sollte man viele Beispiele eines iurasenl
Ap. erwarten. Aber als solche ließen sich nur etwa 372. 396,3. 404. 422,6. 446 auf-
fassen, insofern sich in ihnen Erweichung intervokalischer Dentale findet. Ferner lehrt
Hemacandra IV 396 die Erweichung intervokalischer Verschlußlaute überhaupt, aber nur
in den drei zu diesem Sutra gegebenen Beispielen ist dieser Lautwandel belegt, den übrigens
auch Kramadisvara und zwar im Anfang seiner Darstellung des Ap. lehrt. Wahrscheinlich
handelt es sich in beiden Fällen um ältere Ap.-Dialekte, die darum in den früheren
Grammatiken 5), aus denen Kramadisvara und Hemacandra schöpften, eingehendere Berück-
sichtigung gefunden hatten.
18. Wir kehren zu der alten Einteilung des Apabhraipsa in drei Arten zurück.
Von diesen scheint der Vraca؛a oder Vracada der älteste und die beiden andern jüngere
Modifikationen desselben gewesen zu sein. So wenigstens erscheint der Sachverhalt bei
Kramadisvara, dessen Darstellung in erster Linie dem Vracata gilt. Daß dieser ein indi-
vidueller Dialekt ist, beweist die für ihn charakteristische Bewahrung von r und von r
hinter Konsonanten. Da diese Lauterscheinung auch in den Prakritinschriften des west-
liebsten Indiens aufti’itt, so muß die Heimat der Vracata eben dort gewesen sein. In der
Tat schreiben zwei Autoren des 17. Jahrh. Marka deya im Prakrtasarvasva und Rama-
tarkavagisa im Pktakalpataru den Vracada dem Indusland (Sindhudesa) zu (PischelP.G.
Ù„) Vergleiche z. B. Hem. Kavy. s. 126 ff. mit Vagbh. s. 3 ff. und 64 ff. besonders die Schilderung
der Jahreszeiten, wo V. einen Prosaauszug aus den Versen H.’s macht.
2) 360,1. 370,2.4. 377. 379,2. 391,1.2. 394. 399. 404. 414,1-3. 418,4. 420,4. 422,1.4.6. 423,1.
438. 445,3.
3) Namisadhu verweist am Ende seiner Skizze des Pakrits (zu II 12) auf ein granthantara, worin
also auch der Apabhraipsa behandelt gewesen sein durfte: visesatas tu bhaalaksanaip granhntaad
avaseyam iti. Für den Apabhraipsa speziell verweist er auf die Umgangssprache: tasya ca lak naip
lokad eva samyag avaseyam.


Abhandlung. 7. Ãœber den Apabhramsa.
73*
§ 28 und Lassen, Inst. Ling. Prac. App. S. 5). Die Etymologie von Vräcata oder Vräcada gibt
über die Heimat des Dialektes keinen sichern.. Aufschluß. Das Wort enthält offenbar die
im Ap. gebräuchliche Stammerweiterung da (sanskritisiert zu ta), der Stamm ist also
vräca, der, wie das r nach einem Konsonanten zeigt, aus der betr. Sprache selbst stammen
muß. Lassen (a. a. 0. S. 389) führt vräca auf vrätya zurück, was ،homines caerimoniarum
incuriosos’ bedeutet; ،constat eo opprobrio afflictos fuisse incolas Indi fluvii’. Dabei führt
er Jacquets Berufung auf das Land an, das jetzt Wuch heiße. Aber Wuch hat nichts
mit vrätya zu tun; es ist damit vielmehr Uch (in Bhawalpur) gemeint, vgl. Grierson, The
Languages of India, Calcutta 1903 S. 67. Es ist zudem nicht wahrscheinlich, daß ein Volk
sich vrätya genannt habe, da diese ja äryavigarhita sind, Manu II 39. Ich glaube,
vräca geht auf vräja, abgeleitet von vraja ،Hirtenstation’, zurück, sei es durch falsche
Sanskritisierung oder, wenn es reines Präkrit ist, durch präkritische Erhärtung des j zu ،?,
die auch in vaccai von der Wurzel vraj vorliegt, vgl. Pischel P. G. § 202. Dann würde
vräca soviel wie gopäla sein, vgl. Kamasutra S. 184 vrajayosit = gopi. Als Parallele
verweise ich auf Braj Bhäkhä, die Sprache der vrajas oder Hirtenstationen. Es braucht
wohl kaum ausdrücklich gesagt zu werden, daß darum diese beide Sprachen nicht mit einander
identifiziert werden sollen. — Was nun meine Gleichsetzung des Vräcata mit der Abhiri
bhäsä Namisädhus anlangt, so stütze ich mich auf folgendes. In seiner kurzen Skizze
des Ap. (zu Rudrata II 12) führt Namisädhu als die für diesen charakteristischen Eigen-
tümlichkeiten gerade die dem Vräcata zukommenden an — Erhaltung oder Zusatz von r
nach Konsonanten, Erhaltung von r — und tut nachher den schon oben erwähnten Aus-
spruch: Abhiri bhä§ä Apabhramsasthä kathitä. Für ihn ist also Vräcata der eigentliche
Ap. und was am Ap. das Eigentümliche ist, nennt er Abhiri bhäsä. Daraus scheint der
Schluß, daß Vräcata und Abhiri bhäsä sachlich dasselbe bedeuten, unvermeidlich.
Auch für Da٠din scheint die Sprache der Abhiras der Hauptvertreter des Ap. zu
sein, wie aus dem schon angeführten Verse Abhirädigirah kävyesv Apabhramsa iti
smrtäh hervorgeht.. Die Erklärungen der Kommentatoren setze ich in die Anmerkung1).
19. Ehe ich sie bespreche, wird es zweckmäßig sein, kurz über die Abhiras über-
haupt zu berichten. In den Epen und Puräpas werden die Abhiras oft und vielfach in
Verbindung mit Südras erwähnt und als dasyus und mlecchas bezeichnet. Nach dem
Kastensystem sind sie eine pratiloma-Kaste (Brahmane mit Amba§؛ha-Mädchen); auch
daß die Abhiri als mahäsüdri nach den Lexikographen bezeichnet wird, zeugt von ihrer
niedrigen, dabei aber doch nicht unangesehenen Stellung. Darum hält Pargiter (Märka؟ideya
Pur. Übers. S. 312 note f) die Abhiras für einen ،aboriginal tribe’, D. R. Bhandarkar für
eine ,foreign horde which made incursions into India both south and eastÙ¡ etwa gleich-
zeitig mit den Öakas (Ind. Ant. Bd. 40, S. 16). Die Abhira-Dynastie folgte nach dem
Vis٠u Puräna IV 24,14 den Andhrabhrtyas; auch inschriftlich werden Fürsten als Abhira
Tarunaväcaspati erklärt: Abhirädideso näma Abhirapräyall pascimasamudrapärsva-
vartijanapadah, tatra pracurä glh Abhirabhäsä. ädisabdena Ghürjara(sic) bhäsä grhyate.
Das Land Abhira dürfte also wohl bis zura Rann of Cutch gereicht haben. Die anonyme Glosse
Brdayamgama sagt: Abhiro näma pa^cimärna vatire vartamäno desavisesah؛ athavä
Abhirädayah gopälädayah. — Premachandra Tarkabägisa (in der Bibi. Ind. Ausgabe des Kävyädarsa)
sagt: Abhirädigirah Äbhiriprabhrtayo gopäla-caridäla ٠ sakärädinäm vyavahara٠Iyä
bhäsä Apabhramäanämnä bhäsänirüpakair nirüpitäh.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh.
10


74*
Bhavisattakaha
genannt. Mit diesem alten Stamme der Abhiras sind zweifellos die jetzigen Ahir gleich-
zusetzen. Diese sind durchweg Viehzüchter, wenn sie auch hin und wieder zu andern
Gewerben übergehen. Baines, Ethnography (im Grundriß) S. 56 sagt: ،under this name
(Ahir) they (i. e. cattlebreeders) are spread in considerable numbers all over Räjputäna,
Mälva, the south-eastern Panjäb, the upper Gangetic valley and Behar’, und S. 57 : ،accor-
ding to the Census about half the number of Ahir are found in Agra, Oudh and Behar’1).
Für den Sprachgebrauch im klassischen Sanskrit, ٦vie ihn die Lexikographen verzeichnen,
ist Abhira synonym mit g opal a, Amarakosa 2, 9, 57, Hemacandra Abh. Ill 553 und in
seinem Kommentar zu III 186: vaiäyabheda eva Äbhiro gavädyupajivi. Eine niedrige
Einschätzung ist nicht ausgesprochen, bei Hemacandra eher das Gegenteil. Vielleicht
kann sie bei Bharata angenommen werden. Dieser rechnet nämlich die Abhira-Sprache
unter die 7 vibhäsäs, die er den 7 Hauptsprachen oder eigentlichen Prakrits gegenüber-
stellt; Nätyasästra 17,55: gaväsväjävikausträdighosasthänaniväsinäm ؛ Abhiröktih
Sir R. G. Bhandarkar glaubt, daß die Abhiras die Sage von Krsnas Jugend in Gokula mit-
gebracht hätten. Sie sei bis zum Anfang unserer Zeitrechnung unbekannt gewesen. Seine Ausführungen
über die Abhiras im Grundriß (Vaisnavism, ¡Saivism and minor religious systems S. 36 f.) verdienen hier
wörtlich mitgeteilt zu werden: The nature of the tribe of cowherds among whom Krsna lived, is to be
gathered from the words of the boy-god addressed to his foster-father Nanda, in order to dissuade him
from celebrating a festival to Indra, and induce him to worship the mountain Govardhana instead.
“We are cowherds”, he says, “wandering in forests, maintaining ourselves on cows, which are our wealth;
cows are our deities and mountains and forests” (Harivamsa 3808). The cowherds lived in a Ghosa or
temporary encampment, which was capable of being easily removed from place to place, as when they
left Vraja and encamped in Vrndävana (H. 3532). Ghosa is defined as Abhirapalli, which is generally
understood as the enclosure of cowherds. But the original signification of the word Abhira is not a
cowherd. It is the name of a race, whose original occupation was the tending of cows; and conse-
quently the name became in later times equivalent to a ،cowherd’. For these reasons the cowherds
among whom the boy-god Krsna lived, belong to a nomadic tribe of the name oÙ f Abhiras. These
Abhiras occupied the tract of country^ from Madhuvana near Mathura to Anüpa and Anarta, the regions
about Dvärakä (H. 5161—5163). The Abhiras are mentioned in the Mahabharata (Mausalaparvan, chap. 7)
as having attacked Arjuna, who was carrying the women of the Vrsnis from Dvärakä to Kuruksetra
after the extinction of the male members of the Vrsni race. They are described as robbers and Mlecchas
and lived near Pancanada, which is probably Panjäb. The Visriu-Puräna locates them near the Aparäntas
(Konkan) and Saurästras, and Varähamihira assigns them nearly the same position. Though they are
mentioned as a southern people (Br. S. 14,12) and as living in the southwest (Br. S. 14,18), the Abhiras
must have migrated in large hordes into the â– country. They were at first mere nomads and afterwards
settled in the country from about the eastern confines of the Panjäb to the vicinity of Mathurä and in
the south up to Surästra or Käthiäväd, i. e., they must have occupied the whole of Räjputäna and a
tract to the northeast of it. After they were settled, they took to various occupations, one of which
was of course the old one, namely the tending of cows. The descendants of the old Abhiras are called
Ahirs at the present day, and we have now Ahirs following the occupation of carpenters, goldsmiths,
cowherds and even priesthood. At one time they founded a kingdom in the northern part of the Marätha
country and an inscription of the ninth year of the Abhira king Isvarasena, the son of Abhira ¡؛iva-
datta, is found at Näsik (Lüders, List of Brähmi Inscriptions, Nr. 1137)... The Puränas mention a dynasty
of Abhiras composed of ten princes (see Väyu-Puräna, vol. II. chap. 37, page 453, Bibl. Ind.). Another
iuscription of an earlier date is found at Gundä in Käthiäväd (Lüders, 1. c. Nr. 963), in which the
charities of Rudrabhüti, a general, who is called an Abhira, are mentioned. The inscription belongs to
the reign of a Ksatrapa king of the name of Rudrasimha, who held power in Saka 102 corresponding
to 180 A. D. If then about the end of the second century and in the third the Abhiras enjoyed high
political position, they must have migrated into the country in the first century.


Abhandlung. 7. Ãœber den Apabhramsa.
75*
Säbari vä. Die Äbhiras und Sabaras glichen sich also in ihrer Erwerbstätigkeit, wobei
doch die ersteren weniger niedrig stehen mochten1). Für unsere Frage ist das wichtigste,
daß die Äbhiras einen besonderen Dialekt sprachen, der in dem vorklassischen Drama zur
Verwendung gelangte. Wie weit er eine Vorstufe zu unserm Apabhramsa gewesen ist,
läßt sich bei dem selbstverständlichen Mangel von Sprachdenkmälern nicht entscheiden,
und aus demselben Grunde ist das, was so späte Autoren wie Märkandeya und Räma-
tarkavägisa (Pischel P. G. §§ 4. 5) einander Widersprechendes darüber angeben, von keiner
Bedeutung. — Die beiden älteren Kommentare des Kävyädarsa bringen ein neues Moment
bei, indem sie die Abhirasprache als die Sprache des Landes Abhira2) an der Küste des
westlichen Ozeans, also etwa das Land vom Indusdelta bis zum Rann of Cuch, bezeichnen.
Die Glosse Hrdayamgama läßt eine zweite Erklärung von Abhirädayah zu, nämlich
gopälädayah ،Hirten’ ٦isw., und Premacandra Tarkavägiäa gibt nur diese, indem er noch
Candälas und Sakäras den Hirten hinzufügt3). Ganz über allen Zweifel ist also die erste
Erklärung nicht erhaben, jedoch wird jedenfalls etwas Richtiges in ihr stecken. Das frag-
liche Land Abhira würde jedenfalls ein Teil des Sindhudeäa, der Heimat des Vräcata sein;
das Sindhi zeigt ja starke Anklänge an den Apabhramsa, namentlich in dem Wandel von
auslautendem a zu u.
20. Der Vräcata- oder Abhira-Apabhramsa galt, wie wir sahen, als der hauptsächliche,
die beiden andern, Nägara und Upanägara, als daraus abgeleitete Apabhramsas4). Wahr-
scheinlich war jener auch der ursprüngliche Apabhramsa, obgleich es nicht ausdrücklich
gesagt wird. Die Sache wird sich wohl so verhalten, daß die Äbhiras nach Erlangung
politischer Macht eine selbständige Literatur hervorbrachten, wobei sie das bislang herr-
schende literarische Präkrit durch Aufnahme von Abhira-Idiomen dem Verständnis ihrer
Stammesgenossen anpaßten. Nach den mitgeteilten Notizen scheint dies zuerst im Indus-
land geschehen zu sein. Die in andern Teilen Indiens angesiedelten und teilweise zu
politischer Macht gelangten Äbhiras werden sich die Dichtersprache ihrer westlichen Stammes-
genossen angeignet und ihrer Volkssprache gemäß umgestaltet haben. Da nun die Äbhiras
besonders zahlreich im Lande von Agra sind, wo jetzt ihre Nachkommen, die Ahirs,
١) Die ¡؛abaras erscheinen immer als Halbwilde. Ihre Wohnstätten scheinen einen primitiveren
Charakter gehabt zu haben, vgl. Amara K. 2,2,20: ghosa Abhirapalli• syät, pakkanah Öavaräla-
yah; ähnlich Hem. Abh. IV 68. Das schließt aber nicht aus, daß nicht auch die ¡؛abaras, wenigstens
zum Teil, ein verdorbenes Präkrit gesprochen hätten. (Wahrscheinlich hängen die Namen ¡؛abara Kaksi-
vata des vedischen Dichters und Sabarasvämin des Mimämsä-Theologen nicht mit den Sabaras zusammen).
2) Schon Lassen nahm ein Land Abhira für dieselbe Gegend an. Aber die Stelle aus dem MBh,
auf die er sich stützte, ist anders zu verstehen, siehe PW s. v. grämina. Das Abiria des Periplus M. E.
verlegt er selbst landeinwärts.
3) Gemäß seiner Ansicht, daß Ap. die Sprache von jätis: Kasten, Stämmen, Clans, nicht von
Ländern sei, siehe Anm. 3 Seite 70*.
4) Nach Pischel P. G. § 28 hat Märkandeya den Nägara als die Hauptart, den Vräcata als davon
hergeleitet hingestellt. Seine Ansicht würde schon dadurch gerichtet sein, wenn er die Sprache Pingalas,
die man nur mit Unrecht Apabhramsa nennt, wirklich, wie Pischel annimmt, als Nägara und somit auch
als Mutter des Vräcata angesehen haben sollte. Übrigens erklärt sich seine Ansicht leicht vom Stand-
punkt des indischen Grammatikers. Denn danach ist das Präkrit die Grundlage des Apabhramsa; der
Nägara steht aber dem Präkrit viel näher als der Vräcata, folglich ist er auch ursprünglicher. Es
braucht wohl kaum betont zu werden, daß wir aus den bekannten Tatsachen den entgegengesetzten
Schluß ziehen müssen.
10


76*
Bhavisattakaha
sitzen, so konnte dort ein Öauraseni Apabhramsa entstehen, für dessen einstiges Vor-
handensein, wie wir oben (S. 72*) ßahen, gewichtige Gründe sprechen. Auch in Guzerat
waren die Abhiras zu Macht gelangt1 2), woraus sich erklärt, daß die Gurjaras von andern
Apabhramsas als dem ihrigen nichts wissen wollten. Wahrscheinlich fand die neue Literatur-
sprache im nördlichen und westlichen Indien unter Ablegung der Härten des Vräca|a
Aufnahme und wurde dann Nägara genannt ٠, wenigstens kann man dies aus Kramadisvaras
Angabe folgern. Der Name Vräca|a wäre also nur für den ursprünglichen Apabhramäa
berechtigt.
21. Die beiden andern Arten des Apabhramäa heißen nach Kramadisvara (und
Märka؟ideya) Nägara und Upanägara, nach Namisädhu dagegen Upanägara und Grämya.
Das Nächstliegende wäre den Upanägara der Grammatiker mit der gleichnamigen Art des
Poetikers zu identifizieren. Aber folgende Erwägung verbietet es. Nach der oben mit-
geteilten Stelle aus Hemacandras Kävyänusäsana wird das in Apabhramsabhäsä abgefaßte
mahäkävya in sandhis eingeteilt, das in Grämyapabhramsabhäsä dagegen in avaskan-
dhakas. Die Bhavisattakaha ist nun in sandhis abgefaßt, folglich kann ihre Sprache
(da Vräca|a ausgeschlossen ist) nicht Grämya-Apabhramsa, sondern muß Namisädhus
Upanägara sein. Nach den von Kramadisvara angegebenen Merkmalen ist sie aber nicht
dessen Upanägara (präkrtamisra Upanägare gäthädau), sondern vielmehr sein Nägara.
Folglich muß sein Nägara mit dem Upanägara Namisädhus gleichgesetzt werden. Diese
sonderbare Verschiedenheit der Benennung scheint mir darin ihren Grund zu haben, daß
hier in dem einen Falle die Terminologie der Grammatiker, in dem andern die der Poetiker
vorliegt. Wir. finden letztere auch bei dem Poetiker Udbhata (gegen 800 n. Chr.) ange-
wandt auf die von ihm eingeführten vrttis oder Alliterationsgattungen (Alamkärasamgraha
I 6 ff.), die er parusä, upanägarikä und grämyä nennt. Abhinavagupta (gegen 1000
n. Chr.) im Locana zu Dhvanyäloka S. 6 erklärt die Bedeutung der beiden letzteren Namen
so, daß upanägarikä: nägarikayä vidagdhayä upamitä sei, grämyä aber vaidag-
dhyavihinasvabhävä . . . grämyavanitäsädrsyät. ،Gebildet’ wurde der reine Apa-
bhramsa genannt, weil er nicht so rauh (parusa) wie der Vräcata war, und aus demselben
Grunde ،urban’ gegenüber der Hirtensprache (Abhiri). Als grämya aber bezeichnete man
die Mischung von Apabhramsa und Präkritformen, gleichsam die Sprache eines, der nicht
recht des Präkrit mächtig sei. Auch dem nägara ،urban’ gegenüber steht upanägara
،quasi urban’ niedriger3).
Soviel über die Namen der drei Arten des Apabhramsa. Was nun ihre Vertretung
٤) Daß die Abhiras in Käthiäväd während des 2. Jahrh. n. Chr. zu politischer Bedeutung gelangt
waren, ergibt sich aus der von Sir R. G. Bhändarkar erwähnten Inschrift von Gundä (oben S. 74* Anm.)
Ein weiteres Zeugnis enthält das Kämasästra S. 294: Abhiram hi Kottaräjam parabhavanagatam bhrätr-
prayukto rajako jaghäna; dazu bemerkt der Kommentar: Gürjaräte Kottam näma sthänam tasya räjänam
Abhiranämänam. Es ist daher eine naheliegende Annahme, daß sich bei den Abhiras in Käthiäväd ein
Gurjara-Apabhramsa entwickelt habe.
2) Die absteigende Stufenfolge nägara upanägara grämya wendet Govinda im Kävyapradipa
auf pada an und Nägojibhatta im Uddyota erklärt: nägaram vidagdhamätraprasiddham, upa-
nägaram grämyakaksätikräntam apräptanägarabhävam: Kävyaprakäsa, Anandäsrama Series
,Nro. 66, S. 260. Vaidyanätha erklärt nägara ebenso und fährt fort: tatsadrsas tatah kimcidüna
upanägarah: Kävyapradipa, Kävyamälä Nro. 24 S. 213•


Abhandlung. 7. Uber den Apabhraipsa.
77*
in der uns erhaltenen Literatur betrifft, so habe ich schon angegeben, daß nur eine- be-
schrankte Anzahl der von Hemacandra -zitierten Strophen in Vacata abgefaßt ist. Der
Gamya-Apabhrara liegt in denjenigen Kadavakas der Bhavisattakaha vor, die in kunst-
liehen Metren (var٠avrttas) abgefaßt sind؟ denn in diesen bedient sich der Dichter vieler
Prakritformen, offenbar unter dem Zwange des Metrums. Alles übrige, insonderheit auch
Bhavisattakaha und Neminahacariu, ist in N g ra abgefaßt.
22. Der Na ra-Apabhraipsa ist aber keineswegs eine einheitliche Sprache. Die
Sprache der Beispielstrophen Hemacandras, die der Bhavisattakaha und die des Neminaha-
cariu sind deutlich durch dialektische Unterschiede und abnehmende Altertümlichkeit von
einander getrennt. Aber auch der von Hemacandra gelehi’te Normal-Apabhraip6a, selbst
abgesehen von den oben nachgewiesenen Spuren -besonderer Dialekte, hat offenbar syn-
kretistischen Charakter. Das geht zweifellos aus dem großen Reichtum gleichwertiger
Formen hervor. So lehrt Hemacandra acht verschiedene Formen des Absolutivums (IV 439 f.),
auf i, iu, ivi, avi, eppi, eppinu, evi und evinu, und ebensoviele Infinitive, nämlich die vier
zÙ uletzt genannten Absolutiva und auf evam, ana, anaha und anahl (IV 441). Sollten alle
diese gleichwertigen Formen sich, in einer Sprache oder Mundart entwickelt haben? Das
wäre eine kaum glaubliche Hypertrophie der Sprache! Wahrscheinlicher ist doch, daß
die verschiedenen Formen nahe verwandten Mundarten angehörten und aus ihnen erst
durch die Betätigung der Dichter einer sich herausbildenden allgemeinen Dichtei’sprache
einverleibt wurden. Der einzelne Dichter konnte dann je nach seiner Mundart eine Aus-
wahl treffen. So sind in der Bhavisattakaha in regelmäßigem Gebrauche nur die Absolutiva
auf Svi evi eppinu und evinu, andere Formen kommen nur ganz selten vor;, und so geht
dort der Gen. sing, im mask. neutr. der nominalen Stamme auf aho aus, nur viermal
auf äsu, wahrend i٠m Neminahacariu der Gen. auf assu nicht seltener als der sonst dort
geltende auf aha ist.
Ich glaube daher, daß Nagara ein Sammelname war und alle Schattierungen des
Apabhraipsa, die 'in Nord- und Westindien auf Anlaß der Vracata-Gedichte entstanden
waren, im Gegensatz zum Vracata bezeichnete. Der Name Nagara deutet an, daß die Autoren
nicht meh'r ausschließlich Abhiras oder gopalas waren, sondern urbane Bildung besaßen,
wenn sie nicht gar der Mehrheit nach Städter waren. In der Tat gehören Alle, von denen
wir etwas wissen, nicht dem Hirtenstande an: Dhanapala gehörte zum Dharkata Clan,
Haribhadra war ein Jaina Mönch, der Verfasser der Apabhraip6a-Strophen im 4. Akt der
Urvasi durfte auch wohl kein gopala gewesen sein, zweifellos war es nicht Guhasena,
König von Vallabhi. Allerdings wird' nicht angegeben, in welchem Dialekt letzterer seine
Apabhraipäaschriften verfaßte; aber vermutlich war es Gurjara-Apabhrana, weil ja Gur-
ja h nur diesen gelten lassen wollten.
Den dialektischen Verschiedenheiten innerhalb des Ngara-Apabhrana hat man wohl
Anfangs als etwas Nebensächlichem gegenüber den auffälligen Besonderheiten des Vracata
kein Gewicht beigelegt, um so einen Normal-Apabhraipia konstruieren zu könnenا). Als
1) Zwei Beispielstrophen Hemacandras sind zeitlich und örtlich festgelegt, 439,3 und 4; insofern
in ihnen Munja erwähnt wird, stammen sie aus dem letzten Viertel des 10. Jahrh. und wahrscheinlich
aus dessen Reich Malava. Die Sprache ist frei von den Stammerweiterungen des alteren Apabhralpäa.
Beachtenswert ist in 439,3 das Absolutiv auf iu, das in der Bhavisattakaha- fehlt, aber im Neminaha-
cariu häufig ist. Es ist identisch mit der Maharastriform auf' iuvi.


78*
Bhavisattakaha
aber, wie ich annehme, der Vräcata später sein ursprüngliches Ansehen einbüßte, gewannen
die dialektischen Verschiedenheiten des Nägara an Bedeutung. Der erste, der die Selb-
ständigkeit dieser Dialekte anerkannte und die alte Dreiteilung des Apabhramäa aufgab,
war ßudra|a (II, 12): bhüribhedo de6avise؟äd Apabhramsah, „der Apabhramsa ist in
viele Dialekte gespalten je nach den verschiedenen Ländern،،. So also stand die Sache
bereits im 9. Jahrh. Der Einfluß der Vulgärsprache auf den Apabhramsa1) mußte um so
größer sein, je mehr er zum Ausdruck eigentlich volkstümlicher Poesie diente. Das
scheint nun bei dem Nägara wirklich der Fall gewesen zu sein. Denn wie Kramadisvara
angibt, war das bevorzugte Metrum der Räsaka, welcher Name bei Hemacandra a. a. 0.
nicht bloß die so benannte Strophe, sondern auch noch eine Anzahl anderer bezeichnet,
deren letzte Räsa heißt. Der Name weist auf einen Zusammenhang mit dem Tanze
räsa(ka)2); wahrscheinlich sind räsaka die Strophen, die der in der Mitte von Mitwirken-
den stehende Tänzer oder diese sangen. Der rasa war nicht auf Hirten beschränkt.
In einer drastischen Szene, die in der Up. bh. pr. Kathä (S. 721 meiner Ausgabe) geschil-
dert ١vird, umstehen die Schergen des Richters ihr Opfer im Kreise, führen einen tritälaka
rasa auf und singen dabei Strophen, von denen die erste nach jeder folgenden als dhru-
vaka wiederholt wird. Diese Sanskritstrophen (im Metrum Sundara) werden Nachahmung
der Räsakas des volkstümlichen rasa sein. Die Verwendung des Nägara bei volkstüm-
lichen Spielen wird durch seine nahe Beziehung zur ٦٢ulgärsprache wahrscheinlich gemacht.
Zu dem Nägara-Apabhramsa gehören auch die Sprache der Bhavisattakaha und die
des Neminähacariu. Erstere habe ich ،nördlichen’ Apabhramsa genannt, wobei ،nördlich’
zur Unterscheidung vom Gurjara-Apabhramsa dienen soll. Ich will sie dadurch nicht in
Beziehung zu Hindi und Panjäbi setzen, vielmehr glaube ich sie von diesen Sprachen
sondern zu sollen. In einem Punkte wenigstens geht sie nicht mit ihnen zusammen,
sondern eher mit Guzeräti Marwäri Maräthi. Wie schon oben S. 2* Anm. 3 bemerkt,
geht bereits im echten ApabhramSa die Partikel ca verloren, wie sie in den neuindischen
Sprachen geschwunden ist. Dafür steht im Hindi ،٠’, im Panjäbi ،Aor’, beide von apara
abgeleitet, vgl. Sanskrit aparam ca. In der Bhavisattakaha wird für Sätzeverbindendes
،und’ oft annu vi oder annu mi3) gebraucht; nur einmal (302,4) avaru vi. Auf anyad
api geht Maräthi ٠, verkürzt na zurück, Guzeräti ane, verkürzt ne, Marwäri nai. Hier-
nach würde sich der ،nördliche’ Apabhramsa näher zu Marwäri und Guzeräti stellen als
zu Hindi und Panjäbi. Dafür scheint auch zu sprechen, daß jene beiden Sprachen ein
٥١-Futurum wie der Ap. haben, diese aber nicht. Aber diese Anhaltspunkte genügen noch
nicht, um die Stellung des ،nördlichen’ Ap. sicher zu bestimmen.
Über die Sprache des Neminähacariu, in der ich den Gurjara-Ap. glaube erkennen
zu sollen, ist bereits oben gehandelt worden; auch diesen Ap. müssen wir zum Nägara
؛) Direkt bezeugt wird er durch den oben (S. 72* Anm. 3) angeführten Ausspruch Namisädhus:
tasya (d. h. Apabhramsasya) laksanam lokäd eva samyag avaseyam; ferner durch den von Ravikara
(Bollensen Urvasi S. 509) zitierten Vers: Samskrte Präkrte väpi rüpam sütränurodhatah | Apabhramsah
sa vijneyo bhäsä yä yatra laukiki ||
2) Siehe Visnu Puräna V, cap. 13. Ein alter Vers zitiert in Hemacandras Kävyänusäsana und
Anekärthasamgraha 2,575 extracts from the commentary. Im Guzeräti bedeutet räs a circular dance
with singing und räsdo a kind of song.
3) Außer den im Glossar gegebenen Belegen noch 49,5. 203,9. 204,6. 246,6. 304,3. 331,10.


Abhandlung. 7. über den Apabhraipsa.
79*
rechnen. Eine, genauere Darstellung dieser Sprache werde ich zugleich mit dem heraus-
zugebenden Specimen des Neminähacariu liefern.
22. Hier muß aber noch näher auf die Sprache der Ap.-Strophen im 4. Akt der
Urvaäi eingegangen werden. Diese Zusatzstrophen1) zu Kalidäsas Text (vgl. oben S. 58*
Anm. 1) zerfallen in zwei Klassen: die einen enthalten die Anreden und Fragen des Königs
und entsprechen inhaltlich den Sanskritversen; die andern dagegen beziehen sich nur in-
direkt in der Form der anyokti (،der verlassene Elefant’, ،Gans und Gänserich’) auf die
Situation des Königs. Diese (1—6. 10. 11. 13. 15. 16. 18. 20. 21. 23. 29. 32) sind in
Präkrit2), eine Strophe (27) sogar in Sanskrit im Stile des Gitagovinda. Jene, die dem
Monolog angehörenden, sind in demselben Präkrit abgefaßt, dem aber einige, in der An-
merkung angeführte Ap.-Formen beigemischt sind3). Nach Kramadiävaras Definition werden
wir also die Sprache der betr. Strophen als Grämya-Ap. zu bezeichnen haben. Da nun
der Ap. zur Volkssprache in einem mehr oder minder wirksamen Abhängigkeitsverhältnis
steht, so ist es von Interesse, die in der Anmerkung zusammengestellten Formen genauer
ins Auge zu fassen. Es muß nun auffallen, daß unter ihnen solche mit echten Apabhramsa-
Endüngen beim Nomen und Verbum äußerst spärlich vertreten sind. Ja es hat den
Anschein, als wenn der Stamm, bezw. u bei den a-Stämmen, als Nom. Acc., der Ausgang e
für alle übrigen Kasus im Sing, und Plur. gebraucht worden wären. Es läge also ein
schon weit heruntergekommener Apabhramsa vor, nur daß dieser sein Charakter darum
weniger in die Augen fällt, weil das meiste Präkrit, wenn auch nicht gerade in klassischer
Form ist. Meines Erachtens steht die Sprache dieser Strophen zwischen dem echten
Apabhramsa und der Sprache des Präkrta Pingala.
Ù„) Ich zitiere dieselben nach der Nummerierung in Shankar Pandits Ausgabe, Appendix I, und
bemei’ke, daß ich nur die handschriftlichen Lesarten berücksichtige, nicht den von Pischel in den Mat.
z. K. d. Ap. gegebenen Text. Denn Pischel verändert den 'Text nach den Vorschriften der Grammatiker.
Da wir aber erst feststellen müssen, in wie weit der Ap. jener Strophen mit dem Normal-ApabhrarnSa
übereinstimmt, ist Pischels Text für uns unbrauchbar. Dasselbe gilt von Dhruvas Text in einer neuen
Ausgabe der UrvasI, von der er mir die Bürstenabzüge des Textes in Ahmedabad gab. Dai’in ist nur.
Text und Chäyä enthalten, ohne Varia lectio. Ich kann dahei’ nicht beurteilen, ob ihm neues ha٠d٠
schriftliches Material zu Gebote stand. — Das Haupthindernis, um zu einem abschließenden Urteil über
die Lesarten zu kommen, ist unsere ungenügende Kenntnis der Metrik in manchen dieser schlecht über-
lieferten Strophen.
2) Schon Bloch hat dies (a. a. 0. s. 19) hervorgehoben, doch von den Strophen 11. 13. 16. 21. 23
nicht ei’kannt, wahrscheinlich weil der Nom. sing, der Stämme auf u den Schein von Ap. erweckte
Es können aber auslautendes 0 und e im Präkrit auch kurz gemessen werden und dann wird nach
Konsonant für ei’steres w, für letzteres i oder a geschrieben. Für die Richtigkeit meiner Annahme spricht,
daß dui’ch sie alle Strophen derselben Kategorie auch sprachlich gleichartig erscheinen.
3) Beim Verbum sind nur rundhevinu (26) und das sechsmal vorkommende di hl = drsta
wirkliche Ap.-Formen; denn pekkhami pucchimi sind auch im Präkrit erlaubt. Beim Nomen wird
der Stamm, namentlich der Fern, (mit kurzem oder langem Stammauslaut) für Nom. Acc. gebraucht, bei
mask. «-Stammen steht dafür meist u, im Voc. a, ä und u (! 22. 24). Der Insti’. sing, geht meist auf ة
aus, z. B. bhamante (in 36 auf em), ebenso im Plui’. e cinhe 12, pahäre 22, kusume 24; ein Abi.
auf e samuddantare 28, Loc. auf e 21. 23, daneben öfters auf a (statt des im Ap. üblichen ،). Ap.-
Formen beim Pronomen sind hau, mal Acc. Instr., mahu Gen.; pal Acc. Instr., tujjhaha Gen.
Sonstige Formen kai, ju, tu; e 12,17 scheint unflektiert zu sein. Fürwahr 'eine magere Ausbeute
aus 14 Strophen!


80*
BhavisattakahaÙ 
23. Über die Sprache des Präkrta Pingala habe ich oben S. 5* gesagt: ،vom eigent-
lichen Apabhramsa sind darin nur dürftige Reste erhalten, so daß ihr Anspruch, noch
zum Apabhramsa zu gehören, bezweifelt werden darf’. Diese Sprache ist mit Unrecht
Apabhramsa genannt worden. Der Kommentator Vamädhara (Bibi. Ind. Ausgabe S. 3)
nennt sie avahat-bhä؟ä und Laksminätha (Kävyamälä Nro. 41, vgl. Pischel, P. G. § 28)
avahatta-bhäsä. Der Name stammt offenbar aus der Volkssprache und lautete darin
avahat, was Laksminätha durch avaha|ta sanskritisiert. Wenn also, was wahrscheinlich
ist, avaha| aus älterem avaha|tha = apabhra.sta entstanden ist, so war den genannten
Kommentatoren doch diese Etymologie nicht evident, weil sie sonst wohl apabhra؟ta-bhä؟ä
geschrieben haben würden. — Das Wort apabhrasta wird verschiedentlich auf sprachliche
Verhältnisse angewendet. In Kathäsaritsägara 17, 141 wird es von reiner Mähärästri ge-
braucht, ähnlich wie vibhrasta im Sinne von tadbhava des Präkrit im Nätyasästra 17,3.
Hemacandra D. K. I 37 gebraucht präkrtam apabhra$tam iva rüpam, um ein nicht regel-
rechtes Präkritwort zu charakterisieren (avajjhäo statt uvajjhäo, ojjhäo oder ujjhäo H. 1137)
und ähnlich nennt er D.K. I 67 äsiao einen apabhramäa von äyasika. apabhrasta und
apaäabda bedeuten also hier ungefähr dasselbe. Sarasvatika؟ithäbharapa (Kävyamälä-Aus-
gabe) II 17 nennt als die letzte der sechs Spracharten (jäti) die apabhrastä, die durch den
Gebrauch von apasabdas charakterisiert ist, und gibt (S. 128) als Beispiel eine Strophe
(dohä), die in Apabhramsa abgefaßt ist. Doch nicht darum ist die Sprache apabhrasta,
sondern wegen der in ihr enthaltenen apasabdas; denn das Beispiel der ersten jäti, der
öuddhä, ist auch eine Apabhram6agäthä, deren Sprache als Apabhramäah Suddhah bezeichnet
wird1) (S. 125). Dem Ausdruck apabhrasta haftet, wie sich aus seiner Verwendung ergeben
haben dürfte, die Bedeutung des Herunterkommens, auf eine niedrigere Stufe Gesunkenseins
an. Sie liegt auch vor in den von Ravikara in der Vorrede seines Kommentars zum
Präkrta Pingala zitierten Versen (Boilensen, Urvaäi S. 509): apabhrasta ca yä tasmät
(d. h. Präkrtät) säpy Apabhramsasamjnikä. ٦Vorin dies apabhrasta besteht, gibt der
folgende Vers an: tinante ca subante ca samäse taddhite ،pi ca | Präkrtäd alpabhedaiva
apabhrasta prakirtitä ¡| ،Die apabhrasta wird geschildert als sich in Konjugation und
Deklination, in der Komposition und den Sekundärsufiixen wenig, von dem Präkrit unter-
scheidend’. Hier ergibt sich aus dem Zusammenhang mit dem vorhergehenden Verse, daß
apabhra?|ä den Apabhramsa bezeichnet; man darf aber nicht annehmen, daß das Wort
an sich diese technische Bedeutung gehabt habe, weil die vorher angeführten Belege da-
gegen sprechen. Mit obiger Charakteristik des Apabhramsa vergleiche man was LakØŸmi-
nätha über die avaha|tabhäsä sagt: avahattabhä§äyäm lingavibhaktivacanaracanam atantram
(zu 1, 29) und atra sarvaträ ٥vahattabhä§äyäm lingavyatyayah prätipadikanirdeSo vä na
dosädhäyaka iti guravah. Was in der Sprache Pingalas das Gewöhnliche ist, ist im Apa-
bhramsa Ausnahme.
24. Im Anschluß an die Untersuchung über die Bedeutung von apabhrasta müssen
wir noch die Frage erörtern, wie man dazu kam, mit ApabhramSa die zu literarischer
Selbständigkeit gelangte niedere Dichtersprache zu bezeichnen. Dandins Erklärung des
Apabhramäa kennen wir schon. Der ganze Vers lautet :
١) Es ist wohl Grämya٠Ap., sowohl wegen des Metrums als auch wegen der darin vorkommenden
Präkritformen, den beiden Merkmalen des Upanägara Kramadisvaras, den wir mit dem Grämya identi-
fiziert haben.


Abhandlung. Exkurs über die jüngeren literarischen Prakritsprachen.
81*
Abhirädigirah kavyesv Apabhramsa iti smrtah |
sästresu samskrtäd anyad apabhramsatayö ’ditam ||
Die zweite Halbzeile definiert die technische Bedeutung von apabhramsa: ØŒIn der Wissen-
schaft heißt apabhramsa das, was nicht richtiges Sanskrit ist.’ apabhramsa in diesem
Sinne ist synonym mit apaäabda; so sagt Patanjali (Mahäbhäsya ed. Kielhorn I S. 2 1. 23):
bhüyämso cpasabdä alpiyämsah äabdäh; ekaikasya hi sabdasya bahavo cpa-
bhramääh. Insbesondere sind apabhramsas Vulgarismen, Wörter der Vulgärsprache,
die in die Hochsprache eindrangen, aber nicht geduldet waren, also Präkrit-Wörter im
Sanskrit. Und ebenso wird man Formen der Vulgärsprache, die in das literarische Präkrit
eindrangen, als apabhramsas gerügt haben. Nun haben wir gesehen, daß das Pauma-
cariyam, das wohl vor dem Aufkommen des literarischen Apabhramsa geschrieben ist,
derartige apabhramäas enthält. Im literarischen Apabhramsa sind aber die Formen der
Vulgärsprache durchaus berechtigt, dieselbe bestand zum großen Teil aus apabhramSas.
Ich glaube nun, daß durch eine Übertragung1) nach den vielen apabhramsas die Sprache
selbst ApabhramSa genannt wurde. Dieser Name kam vielleicht bei denen auf, die die
volkstümliche Dichtersprache geringschätzten, bei präkrtajnammapya - durvidagdhas
(DK I 21 com.). Aber bisher läßt sich das Wort Apabhramsa nur im Sanskrit nachweisen.
Die ursprüngliche Benennung der volkstümlichen Dichtersprache scheint Vräcada ge-
wesen zu sein.
Exkurs über die jüngeren literarischen Prakritsprachen.
1. Für die Präkritgrammatiker ist die Mähärästri das Norm alp räkrit, dessen Ab-
leitung aus dem Sanskrit sie in Regeln gefaßt haben. Bei der Öauraseni2) beschränken
sie sich auf die Angabe ihrer Abweichungen von der Mähärästri, und für Mägadhi und
Paisäci gilt die Öauraseni als Grundlage. Diese vier Prakritsprachen finden sich schon
bei Vararuci. Kramadisvara und Hemacandra fügen den Apabhramsa hinzu. Letzterer
behandelt außerdem das Cülika Pai&äcika noch besonders, aber doch nur als eine Abart
der PaiSäci. Andere Präkrit-Dialekte werden von den Grammatikern nicht gelehrt, obschon
solche wie Öäkäri Cändäli Bähliki Dhakki Avanti Däksigätyä im Drama Vorkommen oder
von Schriftstellern erwähnt werden, siehe Pischel P. G. §§ 24—26. Wahrscheinlich wurden
diese Dialekte von der Präkritgrammatik ausgeschlossen, weil in keiner von ihnen eine
selbständige Literatur bezw. Literaturgattung zur Entwicklung gelangt war. Denn nach
der gemeinen Ansicht, die lange Zeit bestand, gab es nur sechs Literatursprachen: Sanskrit,
Präkrta (d. h. Mähärästri), Sauraseni, Mägadhi, Paisäci und Apabhramsa. Diese Ansicht hat
zuerst Rudrata II 12 ausgesprochen. Sarasv. K. A. II 10 werden dieselben Sprachen ge-
nannt und ebenso von Hemacandra, KävyänuSäsana S. 338 bei der Erklärung von sarva-
bhäsa kathä; ausdrücklich aufgezählt als die sechs Sprachen werden sie noch von Amara-
candra (Mitte des 13. Jahrh.) in der Kävyakalpalatä vrtti p. 8.
؛) Die Inder nennen sie upädänalaksanä, z. B. kuntäh pravisanti, Kävyaprakäsa 10.
2) Bharata (Nätyasästra 17,48) hat SürasenT, ebenso Rudrata II 12 und Namisädhu im Kommentar
zu dieser Stelle; die Formen Sürasena und Saurasena finden sich bei Bharata 17,51 und 46. Dandin 1,35
schreibt Sauraseni, und das ist dann die allgemein übliche Form geworden.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh.
11


82*
Bhavisattakaha
Für die Bewertung der Präkritspraclien sind die Angaben in Sarasv. K. A. zu 2,17
von Interesse. Danach ergibt die Dignität der sechs Sprachen folgende Reihe: 1. Sanskrit
(für uttamapätra), 2. Paiääci (nätyuttamapätra), 3. Präkrta i. e. Mähärästri (ma٠
dhyamapätra), 4. Sauraseni (nätimadhyamapätra), 5. Apabhramsa (nätihinapätra),
6. Mägadhi (hinapätra). Wegen der Einordnung von Apabhramsa kann man bezweifeln,
ob diese Rangliste lediglich aus dem Drama abstrahiert ist.
2. Was nun die Verwendung der vier Präkritspraclien in der Literatur betrifft,
so kommt der Paisäci oder Bhütabhäsä eine besondere Stellung zu, insofern sie als die
Sprache des großen romantischen Epos, der Brhatkathä, ursprünglich an diese spezielle
Literaturgattung gebunden erscheint. Dadurch aber einmal zur Anerkennung gelangt,
scheint sie auch sonst vielfach literarische Verwendung gefunden zu haben, Ù¡vahrscheinlich
unter Nachahmung des durch die Brhatkathä geschaffenen Stiles. So wenigstens glaube
ich die allerdings recht späten Angaben (Pischel P. G. §27) deuten zu sollen, denen zu-
folge die Paisäci in viele Dialekte gespalten war. Eine Abart de٦٠ Paisäci, das Cülika-
paisäcika, wird in der Tat, wie schon angegeben, von den Grammatikern seit Hemacandra
besonders gelehrt. Eine genauere Einsicht in die tatsächlichen Verhältnisse läßt uns der
zur Zeit wenigstens vollständige Mangel an Paisäcitexten nicht nehmen.
3. Etwas, wenn auch nur um ein Geringes besser steht es mit Sauraseni und Mägadhi.
Wir kennen sie nur aus ihrer Verwendung im Drama. Aber auch Kathäs sind in ihnen
abgefaßt worden, wie schon aus der eben zitierten Bemerkung Hemacandras hervorgeht.
Unser erster Gewährsmann1) für den Gebrauch verschiedener Präkrits in Kathäs ist Da٠din,
Kävyädarsa I 38:
kathä hi sarvabhäsäbhih Samskrtena ca badhyate J
bhütabhäsämayim prähur adbhutärthäm Brhatkathäm ||
Da hier Sanskrit und Paisäci besonders genannt sind, so muß mit sarvabhäsäbhih (man
beachte den Plural!) neben Mähärästri und Apabhramsa wenigstens noch ein anderes
Präkrit, vermutlich aber zwei, Sauraseni und Mägadhi, gemeint sein. Der Name der ersteren
findet sich in v. 35, und mit letzterer könnte die dort genannte Gaudi in Zusammenhang
stehen, da z. B. im Gaudavaha der Gauda-König meist Magahähiva und ähnlich genannt
wird2). Aus Rudrata erfahren ١vir über die Kathä in andern Sprachen als Sanskrit, daß
solche meist in Versen abgefaßt waren; 16,26 kuryät kathäm agadyena cä ’nyena;
diese Worte erklärt Namisädhu folgendermaßen: anye٠a Präkrtädibhäsäntare^a tv
agadyena gäthäbhih prabhütam kuryät; cakäräd gadyam api kimcid ity arthah.
Daß Kathäs in Mähärästri, Paisäci und Apabhramsa metrisch waren, wird man kaum
bezweifeln, auch von solchen in Mägadhi ist es wahrscheinlich; dagegen glaube ich, daß
mit der von Rudrata gemachten Ausnahme die Sauraseni gemeint ist, da dieser Dialekt
auch im Drama nur für die Prosa gebraucht wird.
١) Bhämaha sagt nichts über verschiedene Präkrits in der Kathä, 128: Samskrtam Präkrtä
(so für samskrtä zu lesen) ce ’stä kathä ’pabhramsabhäk tathä.
2) Verschieden sind beide Namen in den 6 Ritis Sar. K. A. II 28 Vaidarbhi sätha Päncäli
Gaudiyä ’vantikä tathä | Lätiyä Mägadhi ce’ti sodhä ritir nigadyate.


Abhandlung. Exkurs über die jüngeren literarischen Prakritsprachen.
83*
4. Die Mähäi’ägtri ist dasjenige Präkrit, das in der Blütezeit der Literatur allgemein
in Gedichten verwandt wurdeØŸ zu Prosawerken gebrauchen sie (soweit, bekannt) nur die
Jainas mit geringen aus der Sprache ihres Kanons übernommenen Besond.erheiten (wes-
halb ich sie Jaina-M.ähäräg؛rl genannt habe). Wie ihr Name schon besagt und Daidin
ausdrücklich bezeugt (Mahara? aärayam bhasam praktam Prakrtam viduh.
Kav ad. 1,34), ist sie das ursprünglich in Mahaatra übliche Prakrit. In ihrem Heimat-
lande hatte sich wahrscheinlich wahrend der ersten Jahrhunderte*) unserer Zeitreclinung
eine bedeutende poetische Literatur entwickelt, von der Hala eine Blütenlese in 700 Gäthäs
gemacht hatte. Wahrscheinlich hatte dieses zu den klassischen Werken dei’ indischen
Literatur gerechnete Gedicht (avinasinam agramyam akarot Satavahanah ا viddha-
jatibhih kaip ratnair iva subhasitaih. Hargac. 1,13) den Erfolg, daß die Sprache,
in der es gedichtet war, alsbald allgemein zur Abfassung von Prakritgedichten auch in
Nordindien gebraucht wurde. Dort war sie ursprün'glich niclit bekannt und jedenfalls der
Bühne fremd gewesen؟ denn von Bharata wil’d sie nicht unter den 7 bhäsäs und 7 vibhas
(Nasast 17,48 ff.) noch sonst in seinem Werke erwähnt. Auch in Bhasas Dramen
fehlen noch Gäthäs^) in Mähäi’ästri, die in spateren Dramen solchen Personen in den Mund
gelegt werden, die in Pi’Osa sich der Sauraseni bedienen. Sie erscheinen ei’st in Mrcchakatika
und ¡äakuntal Diese Neuerung fand Anklang bei den meisten Dramendichtern, nur einige
wie Bhavabhuti enthalten sich weiterhin der Gäthäs in Mähärästi’i. So zeugt die Geschichte
des indischen Dramas für die allgemeine Aufnahme der Mähärästi’i als Dichtersprache und
ermöglicht uns die Zeit dieses Vorganges .ungefähr zu bestimmen. Wie sehr man sie zu
behei’rschen lernte, geht daraus hervor, daß in ihl’ Kunstgedichte 3) geschaffen wurden,
1) Sten Konow setzt ¡Sud ka in die Mitte des 3. Jahrh. (Festschrift Kuhn s. 109). Das ist sicher
um wenigstens ein Jahrhundert zu früh. Denn vorher war die astrologische Lehre von den ‘Hausern’,
luit der Candanaka im 6. Akt V. 9. 10 ganz vertraut ist, bei den Griechen selbst noch nicht in derjenigen
Form ausgebildet, in welcher sie von den Indern übernommen wui’de, vgl. meine Dissertation: De astro-
logiae Indicae Hora appellatae originibus, Bonn 1872, s. 8. Eine untere Grenze für ¡Sudraka läßt sich
nicht festsetzen. Man überschätzt m. E. sein Alter wegen der Altertümlichkeit des Mrcchakatika. Aber
wir wissen jetzt, daß dies keine originelle Schöpfung ¡drakas, sondern nur eine Umarbeitung mit starker
Benutzung eines Stückes von Bhasa ist. Offenbar stammt der Plan der Umarbeitung von dem Fürsten,
wahrscheinlich faßte er auch eine größere Anzahl von Szenen ab, aber die Vollendung und die Aus-
arbeitung des Einzelnen wird er seinem Hofpoeten überlassen haben, von dem auch die Strophe zum
Lobe des mittlerweile verstoi’benen Königs herrührt. In ähnlicher Weise verfuhren auch andere konig-
liehe Autoren. Der Setubandha wil’d in der Unterschrift des letzten äsväsa bezeichnet als siri-Pavara-
sena-viraia Käüdäsa-kaa. Bei Bhojas Wei’ken wil’d dei’ Anteil des Fürsten wenig über die Ani’egung und
-die allgemeinen Richtlinien hinausgegangen sein. In Ai’junavarmadevas Kommental’ zu Amaruka hört
man oft zweifellos die stimme des Fürsten, abei’ die Beibringung des gelehi’ten Appai’ats wird er wolil
seinem Pandit überlassen haben. Ich sehe keinen Grund, weshalb Sudraka nicht spater als Kälidäsa sein
sollte. Von Kälidäsa können wir sagen, daß er erst in der Sakuntala dazu übergegangen ist, den Prakrit
redenden Pei’sonen Mähärästn Gäthäs in den Mund zu legen, wie es bei den Sanskrit Redenden mit
Sanskrit-Strophen von jeher üblich war؟ solche Gäthäs sind V. 59. 80. 84. 85. 107. 124. 125, die, Gesang-
.sti’ophen 4 und 92 sind keine Gäthäs. In Mälavikägnimitra ist die Gesangstrophe II 2 und in der Urvas
II 12 und 1.1 (dei’ Liebesbrief) meti’isch ganz unklar,’ jedenfalls ist das Metrum in beiden keine Gäthä,
die auch sonst..in beiden Stücken nocli fehlt.
2) Gäthä ist der Name der ¿ryä im Pi’äkrit nach Bhattotpala (Weber, Ind. stud. VIII s. 295):
Saipskrte ya ’ryä, sä Pakte gäthä.
3) Ob' mahäkävyas auch in anderm Präkrit als Mähärä t 1 abgefaßt worden sind, ist nicht aus-
11*


84*
Bhavisattakaha
die mit denen des Sanskrit wetteifern konnten (sagarak suktiratnnarn Setubandhadi
yanmayam. DaÙ din a. a. 0.)
5. Wenn nun das in Maharastra übliche Prakrit erst nach Bharata (vielleicht im
3. Jahrh.) im übrigen Indien als Dichtersprache Aufnahme gefunden hat, so erhebt sich
die Frage, was früher dessen Stelle vei’treten habe. Die Antwort auf diese Frage kann
uns Bharatas Werk selbst geben. Der 32. Adhyaya (Dhruvadhyaya) enthält nämlich eine
Metrik, in welcher die im Drama für bestimmte Zwecke, deren technisches De.tail unklar
ist, üblichen Metra gelehi’t und durch Beispiele erkläi’t ١verden. Diese Strophen (offenbar
von dem Metriker selbst gedichtete, wie sich aus dei’ geringen Anzahl der immer wieder-
holten und variierten Themata ergibt), sind bis auf wenige Sanski’itverse in Prakrit ab-
gefaßt. Leider ist der mir ausschließlich zugängliche Text der Kävyamala-Ausgabe so
verdorben, daß nur einige Verse, selbst mit Hilfe wahrscheinlicher Konjekturen, ganz ver-
ständlich sind, ' von den meisten aber nur kleinere - oder größere Stucke die Woi٠te des
Dichters erkennen lassen. Aber trotz dieses bedauerlichen Übelstandes genügt das ge-
brauchbare Material (etwas über hundert ganzer Strophen und größerer Bruchstücke in
verschiedenen Metren), um den Charakter der Sprache in seinen Hauptlinien mit ziemlicher
Sicherheit festzustellen).
6. Von den drei Sibilanten scheint nur der dentale berechtigt zu sein; regelmäßig
finden sich sasi söhä sohida sanda sarada sarada nisa nisi disadi eso esä bhu-
sida usw. Wenn sich sikhara 230, 278 (neben sihara 241), sisira 85, 126, visugka
167 finden, so sind das wohl Sanskritismen. Dentales n wird lingual, bleibt aber zuweilen
selbst im Inlaut unverändert^, y bleibt: yuvati 278, yuvadi 180, 290, yutha 188,
yadi 264, yädi 207, oder wird و': juväpö 197, jadi 167. Intervokalischei’ Konsonant
bleibt sehl’ oft unverändert. Andernfalls fallen k g c j und zuweilen t aus mit Hinter-
lassung von y vor a CI, kh gh (dK) bh mit Hinterlassung von h; t wird meist d, p wird V,
t wird d. Genauere Angaben setze ich in die Fußnote 3). Konsonantengruppen sind wie
zumachen. Hemacandra Kavy. s. 330 nennt beim mahakavya: Saipskrta Prakrta Apabhramsa und Grarny-
apabhraipsa, bei der Katha s. 338 aber sarvabha a. Somit acheint er mit Pr k ta in der ersten stelle
die Maharastri gemeint zu haben, wie das ja auch sonst allgemein üblich war.
1) Allerdings ist es in einer eigentlichen Pakritgrammatik nicht wohl zu verwerten, weshalb denn
auch Pischel keinen Gebrauch davon gemacht hat, p. G. § 31.
2) rajanikaro 167. 192, vanain 307, paridhunamano 212, vitana 148, ninada 122, gamana
112, rajanl 299.
3) k ist ausgefallen in valäyä 122, loya 68, usuiya 99. In dem Affix ka (svarthe) fallt es meist
aus, erhalten in: madhukarika 141. tejoinsukehirn (verbessert) 144. sarasakehirp 197. sandakaip
288. — g ist ausgefallen gayane 176, 216. gaana 186. suandha 137. — c ist ausgefallen: sahayara
135. sahayari 120. viaradi 236. — j ist ausgefallen: padigaya 91. rayani 150. raani 154. —
t ist ziemlich oft erhalten ; ich notiere nur einige Falle, wo auch die Form mit d voi’kommt bhusitao
238. bhusidao 216. gaganatala 167, 216, 266. gaa dald 186. kusumavati 192. kusunaa-
vadi 116. rajata 167. rajadamao 230. Seltener ist es ausgefallen sahiya 180. sahio 150 .neben
sahida 290. söhiö 135 neben sohido 285. uvei 307 neben uvedi 118. — kh ist zu h geworden in
muhe 154 neben muh 180. muhala 220, 303 neben mukhare 131. sihara 241 neben sikhara
230, 278. suha 268 neben sukha 270. — gh zu h in meha daneben megha 210, 222, 235. — th zu h
in sanaha 176. — dh zu h in mahihara 120, jalahara 120 neben jaladhara 148. - bh zu h in
soha 144, 146, 190. sohida 128, 135. nahayala 242 neben nabhatala 210. naha 72. nahainmi
150. niho 270 daneben sainnibha 242. — t erweicht in pada 238 neben patain 241, 264. padigaya


Abhandlung. Exkurs über die jüngeren literarischen Prakritsprachen.
85*
in der Mähärästn behandelt؟ wenn zuweilen die ursprüngliche Gruppe ei’scheint, z. B.
bhramarävali 131, sahasra 216, so scheint der Abschreiber unwillkürlich die Sanskrit-
form gesetzt zu haben. Altertümlich ist johjo 75, johja 167, juhna 83 = jyotsna
statt späteren jo٠ha. Beachte rai = ratri 190.
Der Sandhi ist der auch sonst im Prakrit übliche. Nach Art des Sanskrit einige
Male bei auslautendem vor anlautendem Vokal 146, 192, 210, 242, 266, 268, 278ØŸ ein-
mal 268 dutagatir abhipadati (so zu lesen); ferner padadlva 81, l’udativa 78, 144.—
In der Komposition gelten die gewöhnlichen Sandhiregeln des Prakrit; auch Verkürzung
langen Stammauslauts kommt vor: komudi® 83, juhnä 83, röhi٠i 270.
7. Die Deklination der masc. «-Stamme ergibt folgendes Paradigma Nom. ٠, Acc. am,
Inst, e#«, Gen. «SS«, loc.ج, ammi; Plur. Nom. ä, Inst, ehiip, Gen. ä٠aip (ä٠a), Loc. esuip,
esu. Der Anusvara des Inst. PI. macht Position 197, ebenso im Gen. PI. 95, 103, 266,
nicht aber 144, vihaga^a 87. — Die Neuti’a haben im Nom. Sing, aip, im Plur. aiin
264, 270 und äni 222. — Die ج und stamme dei’ Mask. und Fern, haben im Nom.
langen Vokal. Sonstige Formen: Inst. Sing. väu؟Lä 93; Nom. PI. taravo 101; Voc. vara-
tanu 266, 268 (für vapattanu); Loc. sarasi 268, 178 (geschrieben sadasi).
Von Pronomina findet sich häufig etad. Sing. nom. masc. eso (llmal), esa 74, 242;
eha 169; Neutr. edaip 112; Fern, esä 93, 99, 116; esa 307, esika 283. Plur. ee 68,
ede 210; Gen. edaijam (Konjektur für edexia) 95. Von andern Pronomina kommt je
einmal sa 264 und mama 126 vor. Für sadräa steht sadisa 171 (wo saviso ge-
schi’ieben), 210, 278.
Vom Verbum finitum findet sich am häufigsten die 3. Sing. Praes. meistens von
«-Stammen auf ai und adi, wie bhamai 276, bhamadi 165; folgende Formen mit «:
vai 59, vati 126, vadi 124 neben vayadi 169, 222, jadi 167, yadi 207, samupayadi
294, bhadi 196, jahadi 288; mit e: uvei 307, uvedi 118. Vom Passiv disadi 83, 176;
vom Caus. ja ayadi 268. Medialformen sind virajade 154, parihi da de 297, gajjante
gayante naccante 89. Das Part, praes. auf anta und mana ist häufig; im Caus. ist
aya vor mä٠a erhalten: kampayamajo 222, vibodhayamaio 264, kära.yamä٠o 266,
bodhayama^o 270; nicht aber vor nta chadanta 68, saphayanto 276, jananto
124, ja^antao 108, nur einmal Nom. kampayaip 224. Das Part. p.p. weicht nicht
von den im gewöhnlichen Prakrit üblichen Foi’men ab. — Das Absolutivum geht auf iya
aus in sufliya 91 und vidhui}iya (٥hu٠) 216, 228, 264, 266; auf üna in da huiia 93,
nisamiu^a 144, ramiuia 292, avalambiu٠a? 154. — Infinitiv gantuip 99.
Partikeln iva 169, 266, 268, 276; 78, 81, 144; via 230; eva 264; hi 93; na 154;
iha 85.
8, Aus der vorstehenden Zusammenstellung, von der Zweifelhaftes tunlichst fern-
gehalten ist, ergibt sich das Bild eines Prakrit, das als Ganzes von den bisher bekannten
verschieden ist, im Einzelnen aber mit einigen derselben beachtenswerte Ãœbereinstimmungen
aufweist. Am meisten fallt in die Augen die ins. Belieben gestellte Bewahrung oder Ab-
91. - d bleibt udugana 212, 266, 270. — p ist zu V geworden in uvedi, uvei (siehe oben), pädava
93, 240, 288 neben padapanaip 103. lokapadivo 270 neben Opo 266 (geschrieben Opadain ),
uvasobhida 305, 307, divayanto 126, kuvido 201, 207. — In allen diesen Fallen ist die Erhaltung
des ursprünglichen Lautes meistens das üblichere. — V und r bleiben, nur in muhala und bhamall
292 ist r zu l geworden.


86*
Bhavisattakaha
änderung intervokalischer Verschlußlaute. Mag auch durch bewußte oder unbewußte
Sanskritisierung seitens der Abschreiber vielleicht der Gesamteindruck etwas in der Richtung
des Altertümlichen verschoben sein, zu bezweifeln ist aber darum die schwankende Be-
handlung der Verschlußlaute doch nicht. Wir finden nämlich etwas Ähnliches, aber in
geringerem Grade und Umfang auch im Jaina-Präkrit. Dort können t, d, g (ursprüng-
liches oder an Stelle von Tc eingetretenes) zwischen Vokalen stehen oder ausfallen, ebenso
dh und bh bleiben oder zu h werden1), und endlich wurzelanlautende Konsonanten nach
Präfixen als Anlaut oder Inlaut behandelt werden. Die Übereinstimmung in der genannten
Hinsicht hat ihren Grund offenbar in dem Alter der beiden Sprachen. Dagegen weist
auf eine sprachliche Verwandtschaft mit der Sauraseni die Verwandlung des intervoka-
lischen t in d. Ebendafür spricht auch die Form sadisa = sadrsa und das Absolutivum
auf iya. Jedoch hat unser Präkrit auch einige Erscheinungen mit der Mähärästri gemein,
nämlich den Lokativ der a-Stämme auf ammi neben dem gewöhnlicheren auf e, und das
Absolutivum auf üna neben dem auf iya. Wegen seiner Verwandtschaft mit Öauraseni
und Mähärästri dürfte das vorklassische literarische Präkrit auf einem beiden Sprachen
benachbartem Gebiete, etwa in Ujjayini, seine Ausbildung erfahren haben, wie denn der
Bühnendialekt von Avanti eine ähnliche Zwitterstellung einnimmt (Pischel P.G. § 26), ohne
aber mit jenem zusammenzufallen2).
9. Allerdings ist es nicht ohne Bedenken, den Wandel von intervokalischem t zu d
als ein charakteristisches Merkmal der Sauraseni in Anspruch zu nehmen. Denn er ist
noch der Alt-Öauraseni in den Bruchstücken buddhistischer Dramen fremd; er findet sich
dort, wie Lüders S. 50 betont, nur an einer einzigen Stelle, die den Anfang einer Aryä
bilden könnte. Vielleicht zeugt sie dafür, daß das Präkrit der Verse im alten Drama
mit dem der Musterverse in Bharata übereinstimmte. Es liegt nun nahe zu vermuten,
daß die Erweichung der Dentale von der alten Dichtersprache auf die Bühnen-Öauraseni
übergegangen sei. Dabei ist aber noch zu beachten, daß jene Lautneigung auch in einer
andern Sprache sich geltend gemacht hat, nämlich in dem Präkrit metrischer Digambara-
Werke, die Pischel darum Jaina-Öauraseni nennt (P. G. § 21). Indessen hat dieses Präkrit
sonst nichts mit der Sauraseni gemein, stimmt vielmehr im Wesentlichen mit demjenigen
der jüngeren Teile des Övetämbara-Kanons überein. Die Heimat dieses Digambara-Präkrits
wird allerdings wohl auch das Gebiet der Sauraseni in sich befaßt haben, weil die Digam-
baras von je in Hindustan und Punjab am stärksten vertreten waren — abgesehen von
Südindien, das aber bei dieser Frage nicht in Betracht kommt. Jedoch wird man die
Erweichung der Dentale, die sich ja noch nicht in der Alt-Sauraseni des Dramas findet,
؛) In welchem Umfang dies geschieht, ersieht man bequem aus meiner Ausgabe des Ayäranga
Sutta (P. T. S. 1882), worin die betreffenden Konsonanten cursiv gedruckt sind, wenn die beiden alten Hdd,
die der Ausgabe zu Grunde liegen, von einander abweichen.
٠2) An den Ap. erinnert der häufige Gebrauch der Stammerweiterung auf a (ka svärthe). So läßt
sich Bharata 32,66 folgendermaßen herstellen: morullao naccantao | mehägame samattao || Das Suffix
ulla kann präkritisch nach Hem. II 164 oder Apabhramsa nach IV 429 sein. Ferner v. 93: esä hi vaunä
vikkhitta-pannayam | datthüna pädavam hamsi parunniyä (٠ und die 2. Hälfte von v. 99: gantum üsuiyä
kantam samgaiyä. Man vergleiche mit diesen Fällen, die sich leicht vermehren ließen, zahlreiche Stellen
der Bhavisattakaha, z. B. 20 wo die Reime anitthau paitthau, cavantao khivantao, karantao harantao
die Stammerweiterung durch a zeigen.


Abhandlung. Exkurs über die jüngeren literarischen Prakritsprachen.
87*
nicht einem Einfluß der späteren Sauraseni auf das sicher ältere Digambara-Präkrit zu-
schreiben dürfen, sondern wird darin ebenfalls eine Einwirkung des vorklassischen Präkrits
der Poesie sehen müssen.
10. Daß der Gebrauch dieses Präkrits auf die Poesie beschränkt gewesen sei, ist
eine fast selbstverständliche Voraussetzung, da ١vir ja auch im klassischen Drama dies bei
der Mähärästri gegenüber der Öauraseni finden. Weniger gewiß ist aber die Annahme
seiner Verbreitung über ganz Nordindien. Neben diesem Präkrit der Poesie wird auch
eins für Prosa bestanden haben. Wenn wir auch keine Überreste von ihm haben, so
Ù¡veisen doch auf sein ehemaliges Bestehen Erscheinungen hin, die gleich besprochen
werden sollen.
11. Da nun, wie oben gezeigt, die Mähärästri etwa gegen Anfang der Blüteperiode
der klassischen Literatur als vornehmstes Präkrit der Poesie anerkannt und allgemein an-
gewandt wurde, so muß sie das vorklassische Präkrit der Poesie aus seiner Stellung ver-
drängt haben. Mag ihr Erfolg durch eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem älteren Präkrit
erleichtert worden sein, so bleibt er doch erstaunlich, wenn man bedenkt, daß Mahärä§tra,
die Heimat der neuen Dichtersprache, exzentrisch zum Geltungsbereich der älteren gelegen
war. Einflüsse literarischer Art müssen hier sich geltend gemacht haben. Anderseits ist
es für uns befremdend, daß man überhaupt eine fremde Dichtersprache annahm und die
gewohnte aufgab. Aber beide Sprachen waren wohl nicht ohne Weiters jedem, auch nicht
je in ihrem Lande, verständlich, sondern das Verständnis mußte erst erworben werden.
Denn die Präkritpoesie wandte sich an Leute feinerer Kultur1). Für solche verschlug es
wohl nicht viel, ob sie sich in die alt überkommene, oder in eine fremde, jener nicht zu
unähnliche Dichtersprache, der eine wertvolle Literatur zur Empfehlung diente, ein-
arbeiten mußten.
12. Der hervorstechendste Zug des vorklassischen Präkrits der Poesie ist seine An-
gleichung an das klassische Sanskrit, die schon in seiner schwankenden, das Sanskrit-
Prototyp bald mehr bald weniger durchblicken lassenden Lautgebung, dann aber auch in
seinem Wortschatz, der durchweg sanskritischen Ursprungs zu sein scheint, deutlich zu
Tage tritt. In dieser Beziehung können wir es mit der Sauraseni der Dramen vergleichen,
von der Pischel (P. G. §22) urteilt, daß sie ،،in dei٠ Flexion wie im Wortschatz, in dem
sie von Mähärä§tri sehr oft abweicht, dem Sanskrit besonders nahe،، stehe; nur ist die
Sanskrit-Ähnlichkeit in der älteren Dichtersprache noch augenfälliger als in dem späteren
Bühnendialekt. Für die Mähärästri ist zwar das Sanskrit auch noch vorbildlich, aber doch
nicht mehr in demselben Grade wie für die ältere Dichtersprache. Das zeigt sich schon
in der Flexion, deren Formen in größerer Zahl nicht denen des klassischen Sanskrit
entsprechen. Bedeutsamer aber ist, daß in den Wortschatz der Mähärästri, der auch
für die Folgezeit wesentlich sanskritisch bleibt, Elemente aus anderen Sprachschichten
eindringen. Hier erscheinen zuerst dhätvädeäas und desis, volkstümliche Wörter weitver-
breiteten Gebrauches, deren überwiegende Mehrzahl zwar in letzter Linie auf das Altindische
zurückgehen mag, aber im jeweils üblichen klassischen Sanskrit kein leicht erkenntliches
Prototyp haben. In den hochklassischen Mähärästri-Gedichten Häla, Setubandha, Gauda-
٤) amiam päuakavvam padhium soum ca je na-ananti ... te kaham na lajjanti
Häla 2. päiya-kavvam padhium... ajja vi bahavo na-yänanti Pischel, Hem. II S. 44.


88*
Bhavisattakaha
vadha ist ihr Gebrauch ziemlich eingeschränkt, aber in den weniger anspruchsvollen Ge-
dichten und prosaischen Erzählungen der Jainas treten sie in größerer Menge auf
(Pischel P. G. § 9).
13. Auf die Sprache der letzteren, die ich Jaina-Mähärästri genannt habe, müssen
١vir jetzt unsere Aufmerksamkeit richten. Die Jaina-Mähärä§tri scheint aus der letzten
Phase des Jaina-Präkrits hervorgegangen zu sein, der wir in den jüngeren kanonischen
Schriften begegnen, und zwar so, daß diese Sprache nach dem Muster der zur allgemeinen
Dichtersprache erhobenen Mähärästri abgeändert und ihr in weitgehendem Maße ange-
glichen wurde. Dabei blieb aber immerhin noch Manches aus der ihr zu Grunde liegenden
älteren Sprache übrig. Bezüglich der Lautlehre macht sich gegenüber der klassischen
Mähärästri eine wenigstens fakultativ nicht so weitgehende Ausstoßung intervokalischer
Konsonanten geltend, die schon oben S. 86 als Eigentümlichkeit des Jaina-Präkrits erwähnt
wurde. Beim Verbum ist der Gebrauch von Absolutiven auf iya und ittu wie suÙ¦iiya
und suijittu eine auffällige Abweichung von der gemeinen Mähärästri. In der Prosa-
sprache, nicht nur in jüngeren Werken, sondern auch in Haribhadras Samaräiccakahä aus
dem 9. Jahrh., finden sich gewisse Formen und Wörter ganz gewöhnlich, die nur in der
Sauraseni berechtigt sind: Pass, auf iyai statt auf ijjai, iisa statt erisa, iyänim statt enhiin
iyam statt inam oder imam1). Diese ،Öaurasenismen’ sind der Prosa eigentümlich; denn
derselbe Schriftsteller, Haribhadra, vermeidet sie in seinen Versen.
14. Hier ist nun der Orb wo wir die oben gestreifte Frage nach dem vorklassischen
Präkrit der Prosa erörtern können. Auch für die klassische Periode kennen wir ein
Präkrit der Prosa nur bei den Jainas; doch müssen auch die ،brahmanischen’ Inder ein
solches für den literarischen Gebrauch gehabt haben. Wenn auch keine dergleichen
Sprachdenkmäler auf uns gekommen sind, so können wir doch ihr ehemaliges Vorhanden-
sein mit ziemlicher Sicherheit erschließen, wie ich in dem in letzter Anmerkung genannten
Aufsatz S. 235 gezeigt habe. Denn Anandavardhana (9. Jahrh.) zählt Dhvanyäloka S. 141
einige Literaturgattungen auf, und in dem Kommentar zu dieser Stelle bemerkt Abhina-
vagupta (gegen 1000 n. Chr.), daß zwei derselben, die Khandakathä und Sakalakathä in
Präkrit abgefaßt seien2). Nun nennt Hemacandra am Schlüsse seines Kävyänusäsana als
Beispiel der Gattung Sakalakathä die Samarädityakathä, die ich eben als ein altes Denkmal
des Prosa-Präkrits der Jainas erwähnt habe. Also werden auch die zur Gattung Sakala-
kathä gehörigen Erzählungswerke der allgemein indischen Literatur in Prosa abgefaß؛
ge١vesen sein. Da nun die Jainas letztere zum Muster ihrer ،،schönen” Literatur machten
(man denke an Werke wie Yasastilaka und Tilakamanjari im Stile Bä٠as), so werden sie
von ihr auch ihr Präkrit der Prosa entlehnt haben. Ich halte daher die Annahme für
wohl begründet, daß eine mit Saurasenismen durchsetzte Mähärästri, derjenigen Haribhadras
wenn nicht gleich so doch sehr ähnlich, allgemein als literarisches Prosa-Präkrit in Ge-
brauch gewesen ist zu derselben Zeit, da man sich in Gedichten der reinen Mähärästri
bediente. Die Saurasenismen gehen wohl auf ein älteres Präkrit zurück, das vor der
Rezeption der Mähärästri die Sprache der literarischen Prosa gewesen sein dürftet Für
0 Siehe meinen Artikel: Über das Präkrit in der Erzählungsliteratur der Jainas, in Rivista degli
studi orientali II 231 ff.
2) Auch nach Sar. K. A. com. S. 125 sind Khandakathä und Parakathä in Präkrit abgefaßt.


Abhandlung. Exkurs über die jüngeren literarischen Prakritsprachen. 89*
diese Vermutung, daß ein Präkrit von mehr oder weniger ausgeprägtem SaurasenT-Charakter
in vorklassischer Zeit die Sprache der literarischen Prosa gewesen sei, spricht aber die
bekannte Tatsache, daß Öauraseni die am meisten gebrauchte Sprache des Dialogs, also
die wichtigste Prosasprache in den Dramen ist. Sie wird Personen höheren Standes in
den Mund gelegt, während niedriger Stehende andere Dialekte sprechen. Daher gilt sie
als vornehmstes Bühnenpräkrit, das die Grammatiker als Grundlage der übrigen betrachten.
Wenn aber auf der Bühne die Personen je nach Rang und Stand verschiedene Idiome
sprechen sollen, so gab es sich beinahe von selbst, daß die Sprache der Personen höheren
Standes nicht zu weit von der Literatursprache, wie sie in Prosawerken gebraucht wurdeÛ´
abweichen durfte. Tatsächlich ist dies der Fall bei dem Sanskrit der Dramen; darum ist
es auch im höchsten Grade wahrscheinlich für das vornehmste Präkrit der Dramen, die
Sauraseni: das vorklassische Prosa-Präkrit wird ihr sehr nahe gestanden haben. Der
weitere Hergang dürfte dann der gewesen sein, daß unter dem Einfluß des klassischen
Präkrits der Poesie auch das der Prosa mehr und mehr Mähärä؟tri-Charakter annahm,
bis sich endlich ein Idiom herausstellte, wie wir es von Haribhadra in der Samaräiccakahä
gebraucht finden.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXIX, 4. Abh.
l،2


90*
Index.
(Die erste Zahl gibt die Seite, die zweite den Paragraphen an, mit n wird auf die Anmerkungen ver-
wiesen. Der Abriß der Grammatik ist im Index nicht berücksichtigt, da die Inhaltsangabe für ihn
genügenden Anhalt gibt.)
Abbhota 15 nl. 16,6 n2.
Abhidhanacintamani 74,19. 75 nl.
Abhinandana 17, 8.
Abhinavagupta 70,15. 76,21. 88,14.
hinaya 58 n 1.
Abhira 63,10. 67,13. 70,16. 73,18.
19, nl.75,19. 20. n2. 76,2Off.
Abb r 67,13. 73,18. ~ 73,19.
Abhisarika 49 II 15.
Abiria 75 n 2.
Absolutiva 77, 22.
Abu, Mount 6, 2.
Acyutanatha 13 n 1. 14, 5.
Acyutasvarga 5n2. 13nl. 19 n 9.
Adi la 47 I 5.
Adiia 47 1 5. 50 11 26. 53.
Agnimiti’a 17, 8 f.
Agnisarman 19 n 10.
Agra 75, 20.
Ahir 74,19nl. 75, 20.
Ahira 15 n 2.
Airavata 19, 9.
Ak atilakal8,8.
alarpkara 2, 2.
Alillaha 47 I 5.
Amaracandra 81,1.
Amarako?a 74,19. 75 n 1.
Anahillap t ka 3, 3.
Anahillav d pat ana In3.
Anandavardhana 88, 14.
Anantapala 16,6.7.
Andhra 16 n 3.
Andhrabhrtya 73,19.
Anekarthasaipgraha 78 n 2.
atyanuprasa 51.
nuprasa 51.
apabhrarpsa 61,8. 81,24.
Apabhrarpsaj Stufen desselben 3,3.
Dialekte 70, 16. Dreiteilung
71,16. Gurjara-A. 4,3.4. 70,16.
76,20 n 1.77,22.^8,22. Grä-
mya 4,3. 76,21. Abhira 63,9.
Ngra76,21f. vaata 63,9.
71,16. Normal-A. 77,22. Klas-
sischer 4, 4. Nördlicher 4, 4.
78,22. — eine Art Prakrit 54,2.
Dichtersprache 54,3. Alterder
Ap.-Literatur 55,3. Ap.-StroÙ 
phen in der Urvasi unecht 58
n 1. Ihm eigentümliche No-
mina und Verba 65,llf. wahr-
scheinliche Entstehung 66,12.
Sprachgeist 67,12. Nicht gleich
Desabh a 69,14. Erklärung
des Namens 81,24.
apabhrasta 80, 23.
apasabda 61,8 n. 81,24.
Apataratha 45 n 1.
Arden, A. H. 64 n.
Arila, Arilla 47 I 5.
Arinagara 19, 9.
Ari anemi 2,1.
Arjunavarmadeva 83 n 1.
Asanivega 10,4. 14,5. 19 n 4. 20,9.
Astrologie 59 n 1. 83 n 1.
Aufrecht Th. 6,2. 71,16.
avahat, avahat a-bhasa 80,23,
Avanindra, AvanSvara 16, 6.
Avanti 86, 8.
Avanti 81,1.
Ayodhya 15, 6 f.
Bahlkl 81,1.
Bähubali.15, 6.
Baines 74,19.
Bakal3, 5.
Bana 83,4. 88,14.
Bandhudatta 9, 4. 10, 4. 11, 4.
19 n 3. 20,9.
Bengali 64,10. 68,13.
Bhamaha 54,3. 55nl. 67,13.82nl.
Bhandarkar R. G. 74 n 1. 76 n 1.
D.R. 73,-19.
Bharata 81n2. 83,4. 84,5ff. vgl.
Natyasastra.
Bharatakadvatrirpsika 6, 2.
Bhasa 83,4. n 1.
Bha totpala 83 n 2.
Bhautta 16,6.
Bhavabhuti 83, 4.
Bhavadatta 10, 4.
Bhavisattakaha 1,1. 2, 2. 7,1 ff.
للآ٦٦١
Bhavisyadatta 8, 3 ff. 15, 6ff.
Bhavisyadattacarita 8,2. 17nl.
Bhavi anurupa 10, 4. 16, 7 f. 19
n 2. 20,10f.
Bhima 18, 8.
Bhoja 83 n 1.
Bhujangaprayata 46 I 2.
Bhupala 9,4. 12,4. 15,6. nl. 16,7.
bhutabh a 69,15. 82, 2.
Bilhana70,15.
Bloch 58 n 1. 79 n 2.
Braj Bh ha 73,18.
Brhatkatha 69,15. 82,2.
Bbhler 4 n 1.
Camara 46 I 4.
Campa 16, 6.
Canda 62, 9.